Sommerakademie: "Beschleunigung ist voll da“. Zur 16. Auflage der Sommerakademie legt Alf Krauliz ein Auge auf Zeitstress in Zeiten der „Mobilität im Spannungsfeld zwischen Be- und Entschleunigung“.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 16. Juni 2017 (04:15)
M. Lohninger
„Soll man noch mehr in Richtung Zwänge gehen, oder in die Hängematte?“, wirft Alf Krauliz zum Thema Be- und Entschleunigung ein. Der Gründer der Sommerakademie Motten zieht eher Zweiteres vor.

Alles andere als ein verschlafenes Dörfchen ist der 150-Seelen-Ort Motten in der Gemeinde Heidenreichstein im Sommer: Ist er doch Dreh- und Angelpunkt der Sommerakademie, die heuer zum bereits 16. Mal in mehr als drei Monaten Gäste aus nah und fern anzieht.

Ein dichtes Potpourri aus Seminaren für Bühne, altes und neues Kunsthandwerk, Kreativität oder Mentaltraining hat Akademiechef Alf Krauliz auf die Beine gestellt – und durch kulturelle Erlebnisfahrten sowie Wanderungen abgerundet. Mit dabei ist an fünf Julitagen auch zum dritten Mal das entschleunigende Programm „Burn!“, bei dem aus einer weiten Bandbreite – etwa erstmals in einer Talisman-Werkstatt – gewählt werden darf. „Dabei heißt es auszuprobieren, was man eigentlich alles tun könnte, ohne aber in einen Zeitstress zu kommen“, sagt Krauliz.

Eröffnungsfest am 14. Juni bei freiem Eintritt

Zeitstress erachtet er nämlich neben Robotern als das große Thema der Zukunft. Und weil er sich gerne den großen Themen widmet, greift er das Genannte auch beim Eröffnungsfest am 14. Juni u.a. mit Ecoplus-Chef Helmut Miernicki und Verkehrs-Experte Hermann Knoflacher als Talk-Gästen sowie dem Joschi Schneeberger-Quintett, Kabarett-Lokalheldin Claudia Sadlo und David Scheid auf der Bühne auf (19 Uhr, freier Eintritt). „Es geht um die Mobilität im Spannungsfeld zwischen Be- und Entschleunigung“, sagt er. Alleine am Wandel des Akademie-Programms innerhalb der 16 Jahre merke man, wie sich der Zeitgeist ändere: „Die Beschleunigung ist voll da.“

Das wirft freilich einen Rattenschwanz an Fragen auf. „Wie wirkt sich die Beschleunigung auf den Kopf aus? Müssen wir alle bald in die Dachreparatur-Werkstatt? Wie soll man mit seiner Zeit umgehen? Soll man noch mehr in Richtung Zwänge gehen, oder in die Hängematte?“, grübelt Krauliz. Eine Möglichkeit ist das Eintauchen in die Natur, zu dem es bei etlichen Seminaren – etwa bei der Schluss-Exkursion in die Hohe Tatra oder im Workshop „Mottener Wildnisapotheke“ mit Eunike Grahofer – die Möglichkeit gibt.

Einige Kurse sind bereits ausverkauft, darunter wie alle Jahre der Schauspiel-Workshop mit Roland Düringer. Ans Herz legt der Akademiechef dafür den Tanzworkshop mit Anke Obermayer und Trommler Ismael Barrios (4.-6. August), das neu dazu genommene Radierungs-Seminar mit Eric Neunteufel (11.-15. August) oder den Workshop Clownerie & Pantomime mit Nina Hlava (6.-9. Juli) – wo es jeweils noch freie Plätze gibt.