Der zeitlose „Faust“ trotzt Smartphones. Premiere / Martin Schuster inszeniert für die Bühne Heidenreichstein den Goethe-Klassiker als dicht arrangierte, unterhaltsame Tragödie.

Erstellt am 14. August 2013 (00:00)
Manchmal recht bunt geht es beim „Faust“ zu, den Martin Schuster für die Laienbühne inszeniert. Mit dabei: Manuela Schuster, Manfred Wurz, Jürgen Hanisch, Martin Hetzendorfer, Otto Bauer, Josef Ramharter, Anna-Katharina Wurz, Natascha Pawle, Franziska Popp, Günther Altmann, Rupert Wurz, Gabriele Wurz, Reinhard Wurz, Monika Frank, Petra Chrastka, Ramona Straka, Dorli Immervoll, Fredi Mayer, Bastian Allram, Stefanie Gisy.Daniel Lohninger
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Von Daniel Lohninger

HEIDENREICHSTEIN / Die Dummen haben‘s leicht. Sie genießen das Leben, denken nicht lang nach und folgen einfach ihren Instinkten. Und im Internet-Zeitalter, in dem Bücher voll uncool sind, zitieren sie munter aus Goethes „Faust“ und wissen es nicht einmal. Dabei wären wir ohne „Faust“-Zitate in unserer modernen Glitzerwelt mitunter alle ein wenig sprachlos.

Und so passt es, dass Martin Schuster den Klassiker in eine zeitlose Kulisse setzt, ihn auf die Hälfte kürzt und manche Verse glättet. Er tut das mit Bedacht – der „Faust“ bleibt der Klassiker mit bekannt zeitloser Botschaft.

Schuster schärft diese Botschaft noch, verdichtet beispielsweise die Walpurgisnacht-Szene zum wild-ekstatischen Spektakel. Atemberaubend die Schlussszene im Kerker als düsteres Sinnbild des Scheiterns des Doktor Faust, der am Ende vielleicht klüger ist als zuvor – aber halt nicht mehr zurück kann.

Das Ergebnis ist ein „Faust“, der in der Gegenwart angekommen ist – aber auch Klassik-Puristen zufriedenstellen sollte. Es ist ein „Faust“, in dem zwar Gretchen der Freundin am Smartphone erzählt, dass sie schwanger ist – das aber in einer Sprache, die der Weimarer Klassik näher ist als der SMS-Sprache des 21. Jahrhunderts. Es ist also ein „Faust“, der nicht in der verstaubten Welt des 18. Jahrhunderts stehen geblieben ist, aber auch nicht in der oberflächlichen Beliebigkeit der modernen Konsumwelt verpufft.

Dass diese Balance gelingt, ist zu einem guten Teil auch den Protagonisten geschuldet. Wie Manuela Schuster als Mephisto auf der Bühne herumtobt, mit Hinterlist ihre Spielchen treibt und mit frech-dreister Verschlagenheit den Herrgott übertölpeln will, das ist schon wirklich beeindruckend. Schusters Mephisto ist dabei so, wie das Böse halt ist – ein bisschen sympathisch finden wir es halt schon.

Zweifelnd, arrogant, selbstverliebt – so mimt Jürgen Hanisch den Faust und bleibt dann auch im Moment des Scheiterns glaubwürdig. Beachtlich, wie sich in Hanischs Gestik und Mimik die Verwandlung des alten Faust in den jungen widerspiegelt, wie die Leichtigkeit im Finale der nackten Angst weicht.

Die Entdeckung des Abends ist Franziska Popp. Anmutig, liebreizend, unschuldig, auch ein wenig naiv – so kommt sie als Gretchen auf die Bühne. Geistig verwirrt, wahnsinnig und bitter enttäuscht verlässt sie die Bühne gleich einer zerbrochenen, allerdings nicht seelenlosen Barbie-Puppe. Dazwischen ein Auftritt, der verzückt, berührt und auch betört – stark!

Zu sehen noch von 14. bis 18. August, 20.30 Uhr, im Pfarrhof. Karten: 02862/52112-20 oder karten@buehne-hstein.at