„Die Blockheide ist gar keine Heide mehr“. Gmünd-Eibenstein | Grundstücksbesitzer Schwingenschlögl: Kleinfelder blieben, Sprengungen hörten auf, aber die Vielfalt einer Heidelandschaft ging in den 50 Jahren als Naturpark verloren.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. Mai 2014 (10:35)
NOEN, L. Machura/NÖ Landesregierung
Noch als Naturpark war das beliebte Teufelsbett umgeben von Äckern. Foto: L. Machura/NÖ Landesregierung
Schlechter als jetzt könne der Status des Naturparks Blockheide nicht mehr werden. „Die Blockheide ist gar keine Heide mehr. Eine Heide ist eine bewirtschaftete Fläche, die jahreszeitenabhängig genutzt wird. Hier gibt es aber keine Landwirtschaft mehr – auch ich habe aufgegeben.“

Radikale Änderungen der Lage nötig

Nach NÖN-Berichten über die Abholzung Hunderter Bäume im und am Rande des Naturschutzgebietes ( hier geht's zu den Bericht en ) gibt der Grundstücks-Besitzer Christian Schwingenschlögl einen tiefen Einblick in eine Konstellation, die aus seiner Sicht ohne radikale Änderungen zum Scheitern verurteilt ist.

Schwingenschlögl bewohnt in Grillenstein am Fuße der Blockheide den seit Generationen im Familienbetrieb bewirtschafteten Heidehof. Er besitzt „oben“ mehrere Dutzend Wälder und Felder, in einem Privatzimmer empfangen er und Marion Grüneis Touristen.

Ärger über rücksichtsloses Ausholzen

Das teils rücksichtslose Ausholzen in den Blockheide-Wäldern mit schwerem Gerät, das mitunter über eigene Grundstücksgrenzen hinweggehe, ärgert auch ihn. Eines Tages habe er ein Grundstück nahe des Steinbruchs leer geräumt angetroffen – seines. Lapidarer Kommentar des Mitarbeiters der Schlägerungsfirma: „Dann hat sich der Auftraggeber in der Parzellen-Nummer geirrt…“

Das Kerngebiet der Blockheide bereitet Schwingenschlögl aber weit größeres Kopfzerbrechen als die Zustände im Wald.

Warum bewirtschaften? Unzählige Generationen vor ihm hatten das mit Tausenden Granit-Restlingen übersäte Gebiet vielfältig landwirtschaftlich genutzt – von der Schaf- und Ziegenhaltung zum Anbau von Getreide, Rüben, Kartoffeln oder Mohn. Das schwer zu bearbeitende Gebiet war bereits im Mittelalter in viele weit verstreute Kleinstparzellen unterteilt, wie Schwingenschlögl sagt: „Jeder sollte von allen Bedingungen etwas haben, trockene und feuchte, tiefgründige und sandige Felder, Hutweiden für die Viehwirtschaft.“ Tiere hatten jahrhundertelang eine Verbuschung verhindert.

Kuhschellenberg strahlte früher purpur

Die Unterschutzstellung vor 50 Jahren habe der drohenden Zusammenlegung der Mikroparzellen und weiteren Sprengungen von Restlingen entgegenwirken wollen. „Es gab Sprengmeisterkurse im Dorf, alle hatten sie“, sagt Christian Schwingenschlögl.

NOEN, privat
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Als Gmünd durch die Bahn an Wien und Prag angebunden wurde, wurde der Granitabbau in Steinbrüchen und auf den Feldern der Blockheide Ende des 19. Jahrhunderts zum Wirtschaftsfaktor.

Fotos zeigen die Heide zur Unterschutzstellung 1964 als bunten Flecken mit Äckern und Wiesen zwischen den Steinen.

Äcker reichten direkt ans Teufelsbett, um den Teufelsbrotlaib stand bloß eine dürre Baumgruppe, beim Fuchsstein gab es freie Sicht ins Stadtzentrum und der Kuhschellenberg lag unter keinem Wald, sondern strahlte im Frühjahr vor leuchtend purpurnen Kuhschellen – die hier längst ausgestorben sind.

„Besucher nehmen mit, was angebaut wurde, du stehst dem hilflos gegenüber. Ich bewirtschafte meine Mikrofelder ab heuer nicht mehr.“
Christian Schwingenschlögl

Die Kleinstfelder und Restlinge blieben nach 1964 erhalten. Doch die Landwirtschaft wurde, wie Schwingenschlögl rekapituliert, auf den kleinen, ertragsarmen Feldern bei den Rahmenbedingungen eines Naturparks immer unrentabler: „Mein Opa hat gesagt, was übrig bleibt, ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Den Eigentümern war gesagt worden, sie könnten den aufkommenden Tourismus zum Ab-Hof-Verkauf nutzen – sie hatten aber Korn, Kartoffeln oder Milch und keine Endprodukte, die Gäste im Vorbeigehen mitnehmen.“

Folgende Generationen gaben also zunehmend die Landwirtschaft auf. Die einst als schützenswert eingestufte Vielfalt ging verloren, Verwaldung setzte ein. Nun gibt es, wie Schwingenschlögl analysiert, „einige wenige Bewirtschafter, die sich widerstandslos zu Fördergeldempfängern degradieren lassen und das Land fräsend und mähend vergewaltigen, bis es auf Basis unzweckmäßiger Fördervorgaben den grünen Status einer parkähnlichen Landschaft erreicht.“

So seien vorgeschriebene Mähfristen nicht mit botanischer Vielfalt vereinbar: Die Kuhschelle sei durch den erzwungenen Bearbeitungszyklus bereits verschwunden, das Heidekraut stehe kurz davor.

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Touristische Nutzung. Schwingenschlögl hatte nach Lösungen gesucht. „Der Egoismus und die Blödheit von Menschen sind aber gestiegen“, sagt er heute. „Besucher nehmen willkürlich mit, was angebaut wurde. Du stehst dem hilflos gegenüber.“

Von Hundebesitzern, die die Leinenpflicht ignorierten und dicke Hölzer in die ohnehin schwer zu bearbeitenden Äcker warfen, musste er sich „anpöbeln lassen“. Eine Lehrerin erwischte er, die inmitten eines Feldes unterrichtete – Betreten des Naturschutzgebietes ist abseits der Wege verboten!

Mikrofelder heuer nicht mehr bewirtschaftet

Kartoffeln und Sonnenblumen wurden ausgerissen, am Weg verstreut. Er probierte Mohn. Der hatte schöne Blüten, die gerupft wurden. Also Ringelblumen: „Mein Vater ertappte drei Leute mit großen Säcken. Sie sagten, sie bräuchten die Blumen zum Verarbeiten…“ Ein anderer Grundbesitzer habe Schafe gehalten, Hunde verjagten sie trotz elektrischer Zäune.

Christian Schwingenschlögl: „Was soll ich also bloß mit meinen Mikrofeldern tun? Ich lasse sie ab heuer liegen, bewirtschafte sie nicht mehr.“

Alleine gelassen. Die Fehler seien bereits am Anfang gemacht worden. Er fühlt sich mit seinen Anliegen und Problemen alleine gelassen: „Ein Miteinander zwischen Landwirten und Naturpark-Verein hat es nie gegeben, maximal ein Nebeneinander.“

Er habe versucht, sich dort einzubringen, habe aber wieder aufgegeben. Schwingenschlögl: „Auf mich wirkte er wie ein Polit-Verein mit Leuten, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben.“ Vor wenigen Wochen erhielt er einen Zahlschein mit der Bitte um eine Spende. Das Geld sei, wie im Begleitschreiben steht, ein wichtiger Beitrag zur Gewährleistung der Pflege und Erhaltung der Blockheide.

Landschaftlicher Reiz, nicht Infrastruktur

„Es wird aber primär für den Betrieb von Turm und Infocenter benötigt“, klagt er: „In den ersten Jahrzehnten vom Naturpark-Verein bezahlte, geringe Entschädigungen wurden eines Tages ohne Angabe von Gründen eingestellt – jetzt soll ich zahlen und bewirtschaften. Die Blockheide ist der landschaftliche Reiz kleiner, bunter Felder mit heidetypischem Randbewuchs, nicht die Infrastruktur.“

Wie kann es weitergehen? Eine Rückkehr zur Bewirtschaftung als Mittel gegen die „Parklandschaft, in der die Leute das Gefühl haben, kreuz und quer herumlaufen zu dürfen“, sieht er als vielleicht einzig möglichen Weg: „Dafür müsste ein großer Trägerverein her, den es ja mit dem Blockheide-Verein an sich gibt. Aber der müsste an einem konkreten Zukunftskonzept arbeiten.“ – Der Verein verfolgt seit Jahren ohne Erfolg die Idee eines „Blockheide-Bauern“, der pauschal und in Eigenregie die Pflege und Bewirtschaftung im Naturpark übernimmt.

Schwingenschlögl denkt „Blockheide-Marke“ an

Eine Lösung könne, wie Schwingenschlögl denkt, die Schaffung einer „Blockheide-Marke“ sein, bei dem die Heidelandschaft in einen nachhaltigen Kreislauf von der Erzeugung bis zum Verkauf eingebunden wird. Mohn könnte wieder angebaut und so ein echter Teil Blockheide in den Zelten gepackt werden. Für die Qualität von Kräutern oder Samen seien die harten Bedingungen der Blockheide ideal.

Wichtig seien auch ein Besucher-Leitsystem mit klar ausgewiesenen Parkzonen in Heidenähe sowie ein repräsentativer Eingang, der Gästen signalisiert, dass sie nun ein Schutzgebiet betreten. „Teils wird über drei Verbotstafeln hinweg in die Blockheide gefahren, in Wiesen oder quer am Weg geparkt.“

Das sagt der Verein. Bürgermeister Andreas Beer (SPÖ) hat Otto Opelka erst voriges Jahr als Obmann im Blockheide-Verein abgelöst. Er will Vergangenes auf NÖN-Anfrage nicht kommentieren, es handle sich teils um seit Jahren schwelende Konflikte. Er signalisiert aber höchste Bereitschaft zum Dialog mit Grundstücks-Besitzern. „Ich will mich gerne mit den Betroffenen zusammensetzen, Fragestellungen und Probleme diskutieren.“

Angesichts knapper Geldmittel – der Eintritt in die Blockheide ist frei, das Fördergeld wird weniger – sei der Naturpark-Verein auf ehrenamtliche Tätigkeiten angewiesen. „Änderungen werden daher nicht von heute auf morgen zu realisieren sein. Und der Prozess wird nur dann funktionieren, wenn jene, die aufzeigen, sich dann auch aktiv beteiligen“, stellt Beer klar und ruft auch die Bevölkerung auf: „Wenn der Naturpark der Gesellschaft wichtig ist, dann sollte jeder seinen Beitrag leisten und vor allem die Regeln und Pflichten darin respektieren.“