Die Blockheide wird 50. Über ein Todesurteil, einen verzauberten „Zuagroasten“, störende Felsen in der Landschaft – und das Jubiläum des ersten Tourismus-Magneten Gmünds.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 05. März 2014 (23:59)
NOEN, Foto: ml
Zum Jubiläum erwartet den Blockheide-Verein nicht nur etliche Arbeit: Die Obleute Stefan Dürnitzhofer (li.) und Andreas Beer bringen auch ein neues Logo zur Abstimmung.
Von Markus Lohninger

GMÜND-EIBENSTEIN / Ein Stück Gmünder Identität wird heuer 50 Jahre alt: Der Naturpark Blockheide war mit 120.000 Besuchern pro Jahr schon der Top-Star unter den Ausflugszielen im Waldviertel, als das Sole-Felsen-Bad noch in fernster Zukunft lag und keiner auf die Idee gekommen wäre, dass Wellness-Bäder der Grund für Anreisen in weit entfernte Gegenden werden könnten.

Dass der zwischen Gmünd, Hoheneich, Schrems und Nagelberg gelegene Fleck vom regionalen Naherholungsgebiet zur „Marke“ und zum überregionalen Anziehungspunkt wurde, das ist wie so vieles im Bezirk Gmünd eine Folge globaler politischer Verwicklungen: Der steirische Bildhauer Carl Hermann war wegen Widerstandes gegen das Nazi-Regime zum Tod verurteilt worden, konnte aber gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fliehen – und ließ sich danach 1945 in Gmünd nieder. Hier geriet er in den Bann des Naturjuwels mit seinen Heidekräutern, Birkenhainen und sagenumwobenen Granitformationen.

Erster Naturpark des Landes

In den 1960er Jahren waren bereits etliche „Restlinge“, die von einem Gebirge vor Millionen Jahren geblieben waren, im Sinne der Landwirtschaft gesprengt worden. Hermann wurde wieder zum Widerstands-Kämpfer. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass am sonnigen 20. Juni des Jahres 1964 der Naturpark Blockheide als Erster in Niederösterreich eröffnet wurde.

Unter den Festrednern: Leopold Figl, erster Bundeskanzler der Zweiten Republik.

Unter den Gästen: Der damals 15-jährige Grillensteiner Manfred Keindl. Auf Grundstücken seiner Eltern lagen Granitkolosse wie das Naturdenkmal „Teufelsbett“, auch der Blockheide-Teich entstand teils auf ihrem Grund. „Ich kenne in Wien und Niederösterreich keinen, der nicht schon in der Blockheide war“, sagt Keindl über die Bedeutung des Parks. „Wegen der gesetzlichen Auflagen, der starken Nutzung von Mensch und Hund oder den Steinen ist es aber schwierig, die Felder noch zu bearbeiten“, spricht er die Gefahr an, dass Felder brach liegen bleiben: „Ich wüsste keinen Grillensteiner Bauern mehr. Die Gründe sind alle verpachtet.“

Respekt vor der Natur auf andere übertragen

Keindl hat ein nicht mehr bewirtschaftetes Feld zum „Baumkreis“ umgestaltet. Er hilft bei Arbeiten im Naturpark und hat vor einigen Jahren etliche Laufrouten ausgearbeitet.

Carl Hermann wollte seinen tiefen Respekt vor der Natur auf andere übertragen. Er schuf liebevoll gestaltete Relief-Tafeln zu Restlingen, schnitzte heute noch erhaltene Holz-Skulpturen, die zu Ruhe oder Sauberkeit gemahnten. Er trug alte Sagen zum neuen Naturschutz-Gebiet zusammen. Und er verpasste der Blockheide das Gesicht, das heute den Naturpark symbolisiert: das „Heidemännlein“.

Das munteren Schrittes gehende Männlein mit Rock, Hut, Tasche und Wanderstock, das dem damaligen Bezirksrichter zum Verwechseln ähnlich gesehen haben soll, ziert Bilder, Aufkleber, Wegweiser, Gläser, Granitskulpturen am Braunau- und Stadtplatz oder den von Carl Hermann energisch forcierten Mohnzelten der Bäckerei Pilz.

Arbeitsreiche Monate vor den Jubiläumsfeiern 

Hermann war längstdienender Obmann im Verein Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein. Heute hat dieser gut 300 Mitglieder, dem unter anderem mit Turm, Schutzhaus und Teich fast alles gehört, was nicht Eigentum privater Grundstücks-Besitzer ist.

Aktuell ist der Grillensteiner Stefan Dürnitzhofer geschäftsführender Obmann im Verein, Obmann ist traditionell der Bürgermeister. Dürnitzhofer sieht das Jubiläumsjahr als guten Anlass dafür, „vieles aufzuarbeiten, was in den vergangenen Jahren liegen geblieben ist. Wir wollen den Naturpark und dessen Image wieder aufpolieren.“

Logo wird überarbeitet

Zu tun ist allerhand: Der Teich muss unter kräftiger Mithilfe der Stadtgemeinde vom Damm bis zu Zapfen und Mönch saniert werden (daher wurde er auch abgelassen). Die neue Plattform beim Teich wird unterschottert. Die Bänke beim Turm werden, wie Dürnitzhofer erklärt, ausgetauscht und der Spielplatz neu gestaltet. An den Eingängen werden aufbruchssichere Spendenboxen montiert.

Zum 50. Geburtstag wurde auch das Logo mit Heidemännlein, Wackelstein und neuem Schriftzug überarbeitet, es soll nun dem Vereinsvorstand zur Abstimmung vorgelegt werden.

Fix sind bereits einige Programmpunkte des Jahres: Am 2. Mai wird eine Ausstellung im Blockheide-Zentrum eröffnet, am 21. Juni steigt die traditionelle Sonnwendfeier. Als Hauptveranstaltung zum 50er steht das Wochenende um den 26. und 27. Juli im Zeichen eines zweitägigen Blockheide-Festes.