Erstellt am 18. September 2014, 23:59

von Markus Lohninger

Die Fabrik im Wandel. Eisenberger-Fabrik / Der denkmalgeschützte Gmünder Industriebau öffnet seine Pforten: Was war, was kommt - und was kommen könnte.

Zum Tag des Denkmals geht es am 28. September wieder in die »Eisenberger-Fabrik« nach Gmünd. Am Foto: Johannes Bode (Kulturverein sub etasch), Eigentümer Herbert Schlesinger, Bürgermeister und Projektpartner Andreas Beer, Eigentümer Richard Pils, Dominik Schlesinger und Petra Suchy (Bundesdenkmalamt; von links).  |  NOEN, Markus Lohninger

Ein einst in Vergessenheit geratener und zur Industrieruine am Tor zur Innenstadt gewordener Bau blüht wieder auf: Seit der Übernahme der ehemaligen „Eisenberger-Fabrik“ in der Litschauerstraße durch Verleger Richard Pils und Buchdrucker Herbert Schlesinger vor fünf Jahren hat sich einiges getan in einem der kulturhistorisch bedeutendsten Industriebauten Niederösterreichs.

Fassaden, Toiletten, die Elektroanlage im denkmalgeschützten Hauptgebäude und der Boden im Erdgeschoß wurden erneuert, ein großer Brunnen wurde reaktiviert. Über 400 Glasscheiben wurden ersetzt, der eingestürzte Wasserturm, der alle Etagen des einst mit 300 Seiden- und Baumwollwebstühlen belegten Hauses versorgte, wurde zu neuem Leben erweckt.

Dieser markante Wasserturm beim Haupteingang wird erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein, wenn die Eisenberger-Fabrik am 28. September zum zweiten Mal ihre Tore für den „Tag des Denkmals“ öffnet. Vier Führungen werden da zum Nulltarif angeboten, jeweils inklusive Dachbesteigung und Besichtigung des schmucken Erdgeschoßes, wo heute Festgesellschaften empfangen werden (siehe Infobox, Seite 12).

Ab 17 Uhr erarbeitet der Kulturverein sub etasch zudem mit Jugendlichen eine Fassadenprojektion, die bei Einbruch der Dunkelheit an der Fassade des denkmalgeschützten Hauptgebäudes präsentiert wird.

Blick ins größte lebende Druckmuseum Europas

Im Inneren können sich Gäste zuvor ein Bild über zwei architektonische Konzepte für eine mögliche künftige Nutzung der Fabrik machen. Jenes über einen Um- und Zubau zum großen Kultur-Zentrum mit Parkraum in bester Innenstadt-Lage erscheint als langfristig nicht unrealistisch (die NÖN berichtete darüber exklusiv; 09/2013).

Noch eine Besonderheit ist im Erdgeschoß zu sehen: Schlesinger, in Brand aufgewachsener Buchdrucker mit ausgeprägter Sammel-Leidenschaft, hat hier bereits etwa 20 Maschinen aufgebaut. „Wir haben alles, was in den Anfängen des Buchdrucks zum Herstellen eines Buches benötigt wurde. Da sind teils Geräte dabei, auf denen ich noch gelernt habe“, sagt Schlesinger, und zeigt ein Sammelsurium an unterschiedlichen Maschinen.

Aktuell wird aus der Schweiz ein Gerät für den Steindruck – eine der weltweit ersten Druckformen – übersiedelt. „Die ist eine Sensation, einmalig in Europa“, strahlt Pils, dem Seminare zu diversen Drucktechniken in Gmünd vorschweben. Denn eines haben die hier versammelten Geräte gemein: Sie alle sind voll funktionsfähig, Schlesinger und Pils richten das größte „lebende Museum“ Europas ein!