Grannerwirt hört nach 42 Jahren auf: „Wir sagen danke“. Mit Jahresende schließen Manfred und Maria Granner ihr beliebtes Gasthaus.

Von Franz Dangl. Erstellt am 11. November 2020 (05:21)
Für Gemütlichkeit und beste Hausmannskost bekannt: Manfred und Maria Granner werden mit der Schließung ihres Dorfwirtshauses eine Lücke hinterlassen.
Franz Dangl

Die Dorfwirtshäuser dienten seit Generationen als Treffpunkte der Bevölkerung und waren vor allem aus kleineren Orten kaum wegzudenken. Schon Schlagerbarde Peter Alexander traf vor beinahe einem halben Jahrhundert mit seinem noch heute gültigen Hit „Das kleine Beisl“ den Nagel auf den Kopf. Auch die Familie Granner aus der Heidenreichsteiner Katastralgemeinde Dietweis betreibt seit Generationen einen solchen Landgasthof – allerdings nicht mehr lange: Mit Jahresende will das Wirte-Ehepaar den Ruhestand antreten, die Nachfolger-Suche war erfolglos.

Gegründet von Manfred Granners Ur-Ur-Großvater

Ihr uriges Lokal kann nicht nur auf eine lange Tradition zurückblicken, sondern steht für Speis & Trank von qualitativer und schmackhafter Hausmannskost. Es steht gerne für Feste und Feiern aller Art im Mittelpunkt, dient auch als Vereinslokal für Imker, Fischer und andere Organisationen. Auch so manches Schnapserturnier und diverse Zankerlschnapsen haben beim Grannerwirt Tradition.

Für Gemütlichkeit und beste Hausmannskost bekannt: Manfred und Maria Granner werden mit der Schließung ihres Dorfwirtshauses eine Lücke hinterlassen.
Franz Dangl

Gegründet wurde das Dorfwirtshaus schon im Jahr 1811 vom Ur-Ur-Großvater des heutigen Besitzers Manfred Granner, der 1978 Gast- und Landwirtschaft vom Vater übernahm und schließlich ab 1986 mit seiner Frau Maria gemeinsam führte.

Durch die Kochkünste der neuen Wirtin und Grill-Schmankerln des Chefs erlangten die beiden einen guten Ruf, der immer wieder neue Gäste nach Dietweis brachte und im Sommer auch zahlreiche Urlauber ins Waldviertel führte. Natürlich spielte sich auch ein Teil des Dorflebens in der Gaststube ab, Granner war jeder Besucher willkommen. „Bei uns gab es keine Standes- oder Parteiunterschiede – alle waren gleich“, sagt er.

Kinder sind in anderen Berufen tätig

Nun rückt mit dem Jahresende der Zeitpunkt des Abschiednehmens näher. „Unsere beiden Kinder sind in anderen Berufen tätig und wir selbst haben die Landwirtschaft schon vor einiger Zeit aufgegeben“, so Maria Granner, die die Zukunft mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht. „Auf der einen Seite werden mir die Gäste fehlen, auf der anderen Seite habe ich jetzt mehr Zeit für meine Enkelkinder, für Handarbeiten und Lesen.“ Manfred Granner freut sich auf Waldspaziergänge, Radtouren und Anglerausflüge, möchte auch wieder öfter Fußballspiele anschauen.

Derzeit wäre das Dorfwirtshaus am Wochenende aber noch mit Gansl-Essern gefüllt, wenn die Covid-Bestimmungen nicht wären. Die Granners reagierten auf die Schließung mit einer Bestell- und Abholmöglichkeit. So hoffen Manfred und Maria Granner, die Zeit bis zur letztmaligen Gasthausschließung zu Silvester noch zur Zufriedenheit aller Gäste zu absolvieren.

Der legendäre Abschiedsgruß, den der Wirt seinen Gästen traditionell mit auf den Heimweg gibt, wird ihm dann wohl von seinen Stammgästen entgegenhallen: „Pfiat eich und wir sagen danke.“