Des kriag ma scho. Christian Polito über das nicht da Sein.

Von Christian Polito. Erstellt am 11. August 2019 (06:07)
privat

Jetzt is des ja so, dass ich momentan nicht hier bin, also schon da, aber eben nicht hier. Bevor ich jetzt wieder von vorne anfang, lest einfach meine letzte Kolumne in der NÖN online. Wurscht. Der Punkt, um dens mir heute geht, is dass heutzutage ein fast jeder denkt, er wäre unverzichtbar und müsste deswegen immer hier und da sein und das am besten noch gleichzeitig.

Des denkt man solange bis es einmal im Leben ordentlich schnalzt, entweder im direkten Umfeld oder gleich bei einem selbst. Als meine Mutter z.B viel zu früh von uns gegangen ist, war es ein Schock für mich, zu sehen wie sich die Welt ganz ohne sie und wie selbstverständlich weiter gedreht hat.

All die Leut, die meine Mutter vorher immer unbedingt jetzt und am besten gleich gebraucht haben, hätten ob der angeblichen Dringlichkeiten, die vorher anstanden, eigentlich verzweifeln müssen. Sind sie aber nicht, sondern haben auf wundersame Art und Weise ihren Schei...ja..Markus..ich...schreibsehnicht anders gebacken bekommen. Über fünf Jahre Waldviertel haben mir noch mal geholfen, dass zu verinnerlichen, der Satz „Des kriag ma scho…“, nicht zu verwechseln mit „Ja, eh…“, hat inzwischen eine fast entschleunigende Wirkung auf mich.

Arvid Uhlig
Christian Polito

Natürlich gibts Ausnahmen, bei z.B. Naturkatastrophen oder sonstigen wirklichen Notfällen, aber im normalen Arbeitsalltag wird fast nix so heiß gegessen, wie’s gekocht wird, verstehst. Manchmal passiert freilich auch einfach ein Blödsinn, aber glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.

Wenns dir ob meines philosophischen Ausbruchs schon fast schlecht wird, dann kann ich dir gleich noch eins sagen - speim is feig. Ärgern brauchst dich übrigens auch nicht, weil wer seinen Ärger verkürzt, verlängert sein Leben. Vielleicht sollten wir uns alle einfach nicht immer so wichtig nehmen. Ja gut, ich schreib das jetzt alles so leicht dahin und nur weil sich was gut anhört, muss es noch lange nicht funktionieren. Aber am Ende wird eh alles gut - wega dem „des kriag ma scho“ warats gwesen…