Waldviertler 2020er-Erdäpfel zu groß für den Handel?. Gute Kartoffel-Erträge erfreut Agrana, Bauern kämpfen aber mit unterschiedlichen Problemen. Wir hörten uns im Bezirk Gmünd um.

Von Karin Pollak. Erstellt am 17. Oktober 2020 (05:57)
Die Größe der Kartoffel spielt bei der Stärkeverarbeitung in der Firma Agrana in Gmünd keine Rolle. Heuer werden hier knapp 300.000 Tonnen Stärkekartoffeln verarbeitet.
Agrana-APA-Schedl

Laut Sprichwort sollen die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln haben. Heuer trifft dieses Sprichwort im Umkehrschluss zu: Einige Bauern haben zu große Erdäpfel, die dummerweise schwer im Handel verkauft werden können. Größere Probleme bringt im Bezirk Gmünd allerdings die Nässe in vielen Feldern.

Gute Erträge oder Fäule

„Im Bezirk wurden heuer auf einer Fläche von 1.700 Hektar Erdäpfel angebaut. Das ist ungefähr ein Zehntel der gesamten Ackerfläche“, betont Bezirks-Bauernkammersekretär Martin Spitaler.

Die Größe der Erpfi sei recht unterschiedlich. „Wir haben Felder, die regelrecht abgesoffen sind. Dort können die Bauern mit Erntemaschinen gar nicht hinein. Bei Biobeständen gibt es einen hohen Anteil an Krautfäule. Auf sandigen Hügeln, die sonst unter Trockenheit leiden, sind die Erdäpfel sehr groß gewachsen, haben gute Erträge gebracht“, erklärt Spitaler.

Ein Problem mit „zu großen Erdäpfeln“ sieht er nicht. „Das hätten die Bauern selbst in der Hand gehabt. Sie hätten früher ernten oder das Kraut früher schlägeln können.“

Laut Spar-Sprecher Hannes Glavanovits erscheint die heurige Ernte deshalb so groß, weil die Erdäpfel in den vergangenen Jahren aufgrund der Hitze sehr klein ausgefallen seien. „Dieses Jahr hat es immer wieder geregnet und die Kartoffelpflanzen haben generell größere Kartoffeln ausgebildet. Wir haben jedenfalls, wie immer, unsere heimischen Kartoffeln im Sortiment“, betont Glavanovits.

Gastronomie storniert Aufträge

Landwirt Anton Haumer aus Oberlembach, seit über 15 Jahren bei der Genussregion Waldviertler Erdäpfel, plagen andere Sorgen. Er hat heuer 17 verschiedene Erdäpfel auf 3,5 Hektar Fläche angebaut und geerntet, die er jetzt ab Hof verkauft.

„Heuer kann ich aber keine Erdäpfel nach Salzburg und Tirol liefern. Gastronomiebetriebe, die ich seit Jahren beliefere, haben ihre Aufträge storniert. Coronabedingt ist dort die Tourismuslage zu unsicher“, sagt Haumer: „Erdäpfel habe ich also genug, obwohl das Frühjahr viel zu trocken gewesen ist und jetzt einige verfault sind.“

Groß, aber kaum weniger Stärke

In der Agrana-Stärkefabrik in Gmünd ist man über gestiegene Erträge nicht unglücklich. „Aufgrund der günstigen Witterung während der Vegetationsperiode – häufige Niederschläge, wenige Hitzetage, milde Temperaturen – waren die Bedingungen für ein gutes Kartoffelwachstum gegeben. Dies spiegelt sich in überdurchschnittlichen Kartoffelerträgen und größeren Knollen wider“, sagt Sprecher Markus Simak. Man messe im Vergleich zum Vorjahr bloß geringfügig niedrigere Stärkegehalte.

Agrana rechnet in der aktuellen Kampagne, die bis Ende Jänner dauern soll, mit einer Liefermenge von rund 297.000 Tonnen Stärkekartoffeln.

Covid-Maßnahmen bei Anlieferung

Die Corona-Pandemie habe, wie Simak erklärt, bezüglich der Anlieferung in die Kartoffelstärkefabrik keine Einschränkungen mit sich gebracht: „Für die Rohstoffübernahme wurden strikte Präventionsmaßnahmen getroffen, wie das Aufstellen von Desinfektionsmittelspendern für alle Lieferanten oder Mund-Nasen-Schutz.“

In der Produktion wird dem Thema Sicherheit freilich oberste Priorität beigemessen. Unter den getroffenen Maßnahmen nennt Simak etwa eine kontaktlose Schichtübergabe, die physische Trennung von Arbeitsplätzen, die Reduzierung von Fremdfirmen in den Werken, Körpertemperaturmessungen, die Schließung von Sozialräumen und eine Tragepflicht von Mund-Nasen-Schutzmasken.