Importholz übers Waldviertel: Start für Lösungssuche. Starkes Importplus ist laut Fachblatt jetzt auch statistisch belegt. Jetzt wird in hochkarätig besetzter Runde diskutiert.

Von Markus Lohninger. Update am 21. Oktober 2020 (12:00)
Auch in Heidenreichstein erreichte der Unmut über zunehmende Holztransporter-Belastung den Gemeinderat – auch weil Fahrer es mit den Gesetzen nicht immer so genau nehmen. Für die L61 Richtung Vitis soll nun am Konsensweg eine Lösung gefunden werden.
Franz Dangl

Die Zahlen, die das Fachblatt „Holzkurier“ vorige Woche veröffentlichte, bestätigen das, was zunächst primär die NÖN und etliche ihrer Leser als Problem wahrgenommen hatten: Die Holz-Importe aus Tschechien steigen massiv an.

2,78 Mio. Festmeter Nadelsägerundholz aus Tschechien

So wird von einem Plus von 14 Prozent an Nadelsägerundholz-Importen nach Österreich in den ersten sieben Monaten des Jahres berichtet. Wie der „Holzkurier“ unter Berufung auf Zahlen der Statistik Austria berichtet, seien 59 Prozent aller Einfuhren aus Tschechien gekommen und Holzimporte aus Tschechien um ein stattliches Drittel auf 2,78 Millionen Festmeter angestiegen.

Bei der ersten Besprechung zur L61 in Vitis: (v.l.) die Gemeinderäte Gerhart Böhm und Michael Buxbaum (Heidenreichstein), Vizebürgermeister Hermann Lauter und Bürgermeisterin Anette Töpfl (Vitis), Stadträtin Barbara Körner (Heidenreichstein) .
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Zunehmender Schwerverkehr mitten durch Ortschaften, unter anderem über Grametten und die desolate B 5 nach Heidenreichstein, Schrems und über die B 2 weiter in die Ballungsräume, der wie berichtet auch in Nová Bystřice auf tschechischer Seite bereits für Aufregung sorgt, dürfte also nicht nur gefühlt sein. Und: Er dürfte nicht ausschließlich den Ausweichrouten infolge geschlossener Grenzübergänge während des Lockdowns geschuldet sein.

Der Druck in der Bevölkerung steigt: Die Anrainer an der Landesstraße L 61 zwischen Heidenreichstein und Vitis klagen über die zunehmende Funktion der Trasse als direkter Abstecher am Weg von Tschechien nach Zwettl oder Horn. Bürgermeisterin Anette Töpfl traf sich in der vorigen Woche mit Gerhart Böhm (Grüne Liste) aus Heidenreichstein zum Austausch.

Töpfl seit Jahren mit Thema befasst

Die Vitiser sitzen hinsichtlich Holz-Importen quasi zwischen Pest und Cholera: Die Lkw, die von Grametten über Heidenreichstein und Schrems kommen, tangieren Vitis zumindest nur an der B 2 – jene, die den Abschneider über die L61 nehmen, donnern mitten über den Hauptplatz.

„Wir wollen, dass die Lkw-Fahrer die B 2 als hochrangige Straßen nutzen, stattdessen fahren sie durch Heinrichs und Vitis“, schildert Töpfl die Situation. „Sie drängen Radfahrer und Spaziergänger in den Engstellen ab.“ Töpfl, die auch ÖVP-Bezirksgeschäftsführerin ist, habe sich schon vor den gestiegenen Holztransporten mit der Problematik auseinandergesetzt. Gespräche mit Straßenbauabteilungen und Transportunternehmen seien erfolglos verlaufen.

Gesprächsrunden sind bezirksübergreifend geplant

Sie strebt eine bezirksübergreifende Zusammenarbeit an, ein erster Schritt war das Treffen mit Böhm. Er berichtet von einem „sehr guten ersten Gespräch. Wir müssen und wollen zusammenarbeiten und eine möglichst regionale Lösung zum Umleiten der Lkw-Ströme finden.“

Töpfl ergänzt: „Unser Ziel ist, dass wir mit den Behörden an einem Tisch sitzen und Lösungsansätze erarbeiten“, führt sie aus. „Für Vitis selber habe ich demnächst eine verkehrstechnische Beratung mit einem Verkehrssachverständigen vor Ort: Er kommt vom Land NÖ.“

Und diese Woche kommt es in der Bezirkshauptmannschaft Gmünd zum ersten Gipfeltreffen mit Verkehrs-Sachverständigen, dem Leiter der Straßenbauabteilung, dem Abteilungsleiter für Landesstraßenplanung im Land NÖ und betroffenen Bürgermeistern aus dem Bezirk.

„Geht darum, das realistisch Umsetzbare auszuloten.“Bezirkshauptmann Stefan Grusch

Dabei soll laut Bezirkshauptmann Stefan Grusch, der die Einladung ausgesprochen hat, vorhandenes Zahlenmaterial etwa hinsichtlich Verkehrsdichte und Tempo auf den Tisch kommen und über Lösungsansätze diskutiert werden. Man sei sehr darauf bedacht, keine Schnellschüsse abzufeuern.

Vertreter der durch Holzimporte betroffenen Forstbesitzer sollen genauso in diesen Prozess eingebunden werden wie Transportunternehmer oder Vertreter der Sägeindustrie. „Frächter zahlen durch Abgaben und Steuern am Straßennetz mit. Dazu braucht es die gesamtwirtschaftliche Betrachtung, etwa hinsichtlich der Auswirkungen eines angeblich in Tschechien geplanten, großen Sägewerkes.“

Fahrverbote oder Beschränkungen sieht Grusch jedenfalls als keine probaten Lösungen im Vergleich etwa zur Schiene, sie würden einen Verdrängungsprozess auslösen, mitunter Einwohner an Nebenstraßen belästigen.