Gmünderin Julia Raich ist Schlagerstar. Julia Raich erzählt von ihrem beachtlichen Weg in Musicals, auf Kreuzfahrten und im Schlager.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 18. April 2021 (05:49)
Julia Raich
Chris Kuchner

Schnelle Beats, aufwendige Choreografie, Texte, die dem deutschen Schlager sehr nahekommen. Irgendwie erinnert das an Helene Fischer. Auf diese Elemente setzt aber auch die Sängerin Julia Raich in ihrem Musikvideo „Elektrisches Fieber“. Nie gehört? Dabei ist Raich sogar gebürtige Gmünderin. Über eine Karriere im Showgeschäft, Vorbilder und die Waldviertler Wurzeln.

Mit dem Musik-Fieber angesteckt

Julia Raich wurde in Gmünd geboren, die Großmutter lebt immer noch hier. Berufsbedingt sind die Eltern einst nach Wien gezogen, Wochenenden und Ferien hat Raich aber meistens im Waldviertel verbracht. Ihr Vater ist in der Pension wieder ganz zurückgekehrt, lebt in Nondorf. Auch ein Grund, warum sie nach wie vor regelmäßig herkommt. Der andere: die Oma.

Denn die hat dazu beigetragen, dass sich Julia Raich als Kind mit dem Musik-Fieber angesteckt hat. Durch gemeinsame Fernseh-Abende vorm Musikantenstadl ist sie in Kontakt mit dem Schlager gekommen. „Eigentlich ist unsere ganze Familie musikalisch. Ich kann mich auch noch an meine Uroma erinnern, die Zither gespielt hat“, erzählt Raich. Durch ihre Mutter ist sie zum Klavier gekommen – anfangs habe ihr das gar nicht gefallen, nun sei sie froh drüber.

Ausbildung an den Performing Arts Studios

„Ich wollte in jungen Jahren entweder Prinzessin oder Sängerin werden. Mit dem zweiten ist es dann ernst geworden“, sagt sie lachend: „Ich hatte das Glück, dass mich alle dabei unterstützt haben.“ Im Bundesoberstufen-Realgymnasium in Krems hat sie den musikalischen Zweig besucht und noch vor der Matura die Aufnahmeprüfung für die Performing Arts Studios in Wien gemacht.

Beworben haben sich etwa 200 Personen, nicht einmal zehn wurden aufgenommen – Julia Raich war eine davon. Dort wurde sie in Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet: „Im Studium hatten wir viele Tanztrainings, das hat Schmerzen und Muskelkater bedeutet. Aber ich war danach auch nie wieder so fit“, erzählt sie. In der Ausbildungszeit gab’s bereits erste Engagements für Auftritte. Nach dem Studium war Raich einige Jahre im Musical-Bereich tätig.

Vom Fernsehgarten aufs Kreuzfahrtschiff getanzt

Julia Raich war beim ZDF-Fernsehballett, hat dort unter anderem am „Fernsehgarten“ und bei „Karnevalissimo“ mitgewirkt. Nach einem Jahr entschied sie sich gegen eine Vertragsverlängerung – und für eine fünfmonatige Weltreise per Schiff. Dabei habe sie alle großen Häfen der Welt gesehen, erinnert sie sich. Die Begeisterung für Auftritte auf Kreuzfahrtschiffen blieb, Raich trat einige Jahre als Solokünstlerin auf. Sie lernte Schlager-Stars wie Irene Sheer, Claudia Jung und Patrick Lindner kennen.

Einen weiteren Karriere-Höhepunkt erlebte Raich danach wieder beim Musical: Für „Elisabeth“ ging es nach China. „Das war ein Wahnsinn. Wir hatten zum Glück Zeit, uns einiges anzusehen“, sagt sie. Bei all den Auftritten war es aber doch die Liebe, die sie nach Wien zurückgebracht hat: „Mein Freund hat mich bei allem unterstützt, aber irgendwann wird man ein bisschen sesshafter“, schmunzelt sie.

Trotzdem: Auch die Liebe zur Musik blieb

Mit der Musical-Ausbildung nicht genug, hat Raich am Jam Music Lab Instrumental- und Gesangspädagogik Popmusik studiert, zum Unterrichten gefunden und bald einen großen Stamm an Gesangsschülern aufgebaut. Nebenbei trat sie weiter mit Coverbands auf, hat eigene Songs geschrieben. 2018 war es soweit: Ihr erstes Album „Elektrisches Fieber“ – richtig, das mit den schnellen Beats, aufwendiger Choreografie und Schlagertext – wurde veröffentlicht. Drei weitere Singles folgten.

Woran orientiert sich ihre Musik? „Die Texte und Themen gehen stark in Richtung Schlager. Aber dadurch, dass ich vom Musical komme, war es für mich klar, dass ich in den Musikvideos tanzen werde“, sagt sie. Außerdem fließen auch ein paar Pop-Elemente ein. Das Wichtigste: „Ich will Musik machen, die zum Tanzen mitreißt.“

Wenn Mallorca gerade nicht offen hat

Die für ihre Schlagerbühnen bekannte spanische Insel Mallorca hatte auch für Julia Raichs Weg in die Branche eine besondere Bedeutung: Dort hat sie ihre jetzige Managerin kennengelernt. Ein Glücksfall: Ab da sei es mit der Schlagerkarriere steil bergauf gegangen. Und es soll so weitergehen. Im Sommer will sie ein neues Album präsentieren. Highlights gab’s mit dem Schlager freilich auch schon: Als sie als Vorband mit dem Nockalm-Quintett unterwegs war oder Jürgen Drews auf Mallorca privat kennengelernt hat, erzählt Raich: „Der hat mich sehr beeindruckt.“

Aktuell fallen die Auftritte aus, bleiben Live streams, Online-Konzerte, Online-Vocal Coachings – und mehr Zeit fürs Songschreiben. Im Sommer war sie allerdings mit „DSDS“-Sieger Prince Damien in Deutschland unterwegs, Zwischenstopps waren Auftritte in Einkaufszentren.

Was Julia Schmutz am Showgeschäft gefällt

Wem? Julia Raich heißt eigentlich Julia Schmutz. Weil sich der Name als Künstler allerdings nicht so gut mache, habe sie zum Nachnamen ihrer Großmutter gegriffen, ein Kreis schließe sich damit, sagt sie. Aber auch die Oma heißt nicht Raich, sondern Raichl – das „l“ kam dem deutschen Markt zuliebe weg. Die Oma wird sich trotzdem geehrt fühlen.

An der Musik gefalle ihr, die Gefühle der Menschen auf einem so direkten Weg zu erreichen, erzählt – um beim Künstlernamen zu bleiben – Julia Raich: „Musik ist ein gemeinsames Erlebnis. Es gibt nichts Schöneres, als wenn die Leute nach einem Auftritt zu mir kommen und erzählen, dass sie eine tolle Zeit hatten.“ Wie ist sie eigentlich zu ebendiesen Engagements gekommen? „Durch Kontakte, die sich über Jahre hinweg aufbauen. Ich glaube, es gibt da keinen geradlinigen Weg.“

Das innere Landkind & Vorbilder

In Gmünd hat sie neben den Verwandten auch noch Jugendfreunde, etwa zweimal im Monat kommt sie her. Auch zum 89. Geburtstag der Oma stand zuletzt ein Besuch an. „Ich bin gerne dort, weil ich die Natur mag. Ich bin ein Stadtmensch, aber hier kommt das Landkind durch“, sagt Raich.

Für die Zukunft hat die 36-Jährige schon Pläne, darunter auch ein Konzert im Waldviertel. Und sonst? Als gesangliches Vorbild nennt sie Adam Lambert, der in den vergangenen Jahren mit Queen auf Tour war – sehr viel Pop also. Ihre Auftritte will sie künftig zur richtigen Show ausbauen, bestenfalls mit Tänzern & Band. Das erinnert irgendwie wieder an Helene Fischer. Das soll auch so sein: Fischer ist Julia Raichs großes Vorbild. Denn: „Man kann das, was sie macht, mögen oder nicht. Aber man muss es respektieren, weil viel Arbeit dahinter steckt.“