Kunden: „Das ist eine Frechheit“. Bank-Austria-Kunden aus Schrems wollen aus Verärgerung Bank-Institut wechseln.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 12. Juli 2017 (02:41)
Thomas Weikertschläger
Die langjährigen Schremser Bank-Austria-Kunden Wolfgang Marek und Hilda Wallenberger bei einem ihrer letzten Besuche in der Schremser Bank-Austria-Filiale.

Große Verärgerung und Unmut herrschen in Schrems über die in der Vorwoche bekannt gewordenen Pläne der Bank Austria, alle vier bisherigen Standorte im Bezirk Gmünd zugunsten eines neuen „Kompetenzzentrums“ in Gmünd aufzulassen. Nicht nur in der NÖN-Redaktion, auch bei der Arbeiterkammer liefen in den Tagen nach dem Erscheinen des NÖN-Berichts darüber die Telefonleitungen heiß.

„Bei uns sind rund 100 Anrufe eingegangen. Die Menschen in Schrems empfinden es als Frechheit, dass ihre Bankfiliale ohne Vorwarnung zugesperrt wird“, erzählt AK-Bezirksstellenleiter Michael Preissl. Viele hätten sich erkundigt, wie sie möglichst rasch und ohne gröbere Umstände einen Bankwechsel durchführen könnten. Das Unverständnis darüber, wie eine „renommierte Bank, bei der hunderte Arbeitnehmer ihre Gehaltskonten haben, eine Standortabsiedlung als Qualitätsverbesserung argumentieren kann“, sei auch ihm persönlich schleierhaft, so Preissl.

Einer dieser verärgerten Kunden ist der Schremser Wolfgang Marek, seit rund 35 Jahren Kunde der Zentralsparkasse bzw. Bank Austria. Es sei verwunderlich, warum eine Bank ihren Standort in einer 6.000-Einwohner-Gemeinde schließen will – noch dazu, wo sich dieser Standort dank der kompetenten und freundlichen Betreuung durch die Mitarbeiter großer Beliebtheit erfreue.

„Oder ich muss das Institut wechseln“Wallenberger

Er selbst habe zwar Telebanking und auch kein Problem damit, nach Gmünd zu fahren. Für viele ältere und weniger mobile Schremser stelle dies aber sehr wohl ein Problem dar. Er selbst begleitet etwa seine Bekannte Hilda Wallenberger zwei Mal wöchentlich zur Bank, künftig müsse er mit ihr eben zwei Mal wöchentlich nach Gmünd fahren. „Oder ich muss das Institut wechseln“, stellt Wallenberger im Gespräch mit der NÖN klar.

Seinem Ärger Luft macht auch Heinz Schmitke, selbst zehn Jahre Mitglied im Bank-Austria-Beirat: Die Pläne gingen eindeutig zu weit, die Bank hätte zumindest anbieten können, Automaten zum Geldabheben oder Ausdrucken von Bankauszügen in Schrems zu belassen. „Das wäre eine Kompromisslösung, mit der die Kunden einverstanden gewesen wären“, so Schmitke. Für wichtige Gespräche, etwa wegen Krediten, könne man den Weg nach Gmünd antreten, das Service für das tägliche Geschäft müsse in einer Stadt wie Schrems aber angeboten werden. Auch er kann sich einen Bankwechsel vorstellen.

Die von Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ) in der Vorwoche angekündigte Intervention gegen die Pläne begrüßt Schmitke ebenso wie Ex-ÖVP-Stadtrat Franz Ableidinger, selbst langjähriges Mitglied im Beirat. Im Verschmelzungsvertrag zwischen der Schremser Sparkasse und der Zentralsparkasse als Vorläufer der Bank Austria aus dem Jahr 1981 stehe, dass bei Entscheidungen hinsichtlich der „personellen Ausstattung und des Standorts“ Einvernehmen mit dem Beirat herzustellen sei, so Ableidinger.

Bank Austria kündigt Kunden-Gespräche an

Dies sei damals ausverhandelt worden, um den Standort Schrems zu erhalten, jetzt verliere man aber den Standort: „Ich glaube, dass hier gegen diesen Vertrag gehandelt wird. Ob das ein Jurist auch so sehen wird, kann ich aber nicht beurteilen“, so Ableidinger.

Von der NÖN auf die Stimmung in Schrems angesprochen, erklärte Privatkunden-Landesdirektor Franz Weisz, dass die Bank Austria mit allen Kunden persönlich Kontakt aufnehmen werde, um „für jeden Kunden eine individuelle Lösung nach den jeweiligen Prioritäten, Neigungen und Bedarf zu finden“. Denn die Bank Austria biete auch künftig die Möglichkeit, jede Art der Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, auch wenn es keinen Standort in Schrems mehr gebe.