Wolfgang Prager: Mit dem Joystick in die Tiefe. Vor zehn Jahren hat sich St. Martiner mit seinem „Kanalservice“ selbstständig gemacht.

Von Karin Pollak. Erstellt am 22. November 2020 (06:05)
Wolfgang Prager aus St. Martin ist ein „Kanal-Spezialist“. Er sorgt für die hochwertigen Bilder vom Inneren des Kanales (kleines Bild).
K. Pollak/ Kanalservice Prager

Dorthin, wo viele gar nicht gerne hinschauen, blickt Wolfgang Prager von Berufswegen ganz genau hin: In den Kanal. Vor zehn Jahren hat er sich mit seiner Firma „Kanalservice Prager“ selbstständig gemacht und ist seither zur Kanalreinigung, Ortung, Videoinspektion und Verstopfungsbehebung im oberen Waldviertel unterwegs.

Bedarf ständig gewachsen. Der Landwirt und Einzelunternehmer kam eigentlich zufällig „zum Kanal“. Sein Onkel Franz Prager aus Langfeld hat nämlich schon seit 15 Jahren eine Straßen- und Kanalreinigungsfirma. Dort hat Wolfgang Prager zu arbeiten begonnen.

„Als dann der Bedarf immer größer geworden ist, habe ich mein Unternehmen gegründet. Seit zehn Jahren arbeiten mein Onkel mit seinen drei Mitarbeitern und ich eng zusammen“, erklärt Wolfgang Prager, der heuer seine in seiner Landwirtschaft produzierten Produkte im Selbstbedienungsladen „S‘Lädele“ vermarktet - die NÖN berichtete:

Kamera erkennt jeden Schaden. Als Kanalspezialist kenne er viele Ortschaften im Oberen Waldviertel vorrangig unterirdisch. Hochtechnisch geht es bei seinem Job zu: Die Kameras, die zur Kanalbefahrung eingesetzt werden, sind selbstfahrend, dreh- und schwenkbar, wasserdicht und stoßfest.

Wolfgang Prager aus St. Martin ist ein „Kanal-Spezialist“. Er sorgt für die hochwertigen Bilder vom Inneren des Kanales (kleines Bild).
K. Pollak/ Kanalservice Prager

Rund 300 Meter Kanal könne bei einem Durchgang befahren werden. Wolfgang Prager steuert die Kamera von seinem Firmenbus aus mit einem Joystick. Durch die Videoinspektionen wird der Zustand der Kanalrohre besichtigt und bewertet. „Ich zeige Fehler im System, wie Rohrbrüche oder Verformungen auf“, so Prager.

Für Gemeinden und Private im Einsatz. Die Aufträge dazu kommen entweder von Gemeinden oder Kanalgenossenschaften, aber auch von Privaten und Baufirmen.

„Ein öffentlicher Kanal muss alle zehn Jahre überprüft werden, das sei behördlich vorgeschrieben. Aber es sind auch oft Verstopfungen, zu denen ich gerufen werde“, meint Prager. Vor jeder Kamerabefahrung muss der Kanal hochdruckgereinigt werden, dazu komme der Saugdruck-Spülwagen zum Einsatz.

Teure Geräte in Verwendung. Die Investitionen für diese Geräte seien hoch, alleine für eine Kamera müssen um die 200.000 Euro bezahlt werden. Der Spülwagen kostet alleine um die 400.000 Euro. Trotz dieser hohen Kosten ist Wolfgang Prager mit Leidenschaft in Sachen Kanal unterwegs.

Einige seiner Einsätze seien aber durch die Haus- oder Wohnungsbenützer selbstgemacht: „Der Kanal ist keine Mülltonne, hier haben keine Lebensmittel und schon gar kein Fett etwas verloren. Auch ins Klo geworfene Feuchttücher können zu Kanal-Verstopfungen führen“, erklärt der Fachmann.