Autobahnraser im Dorf: Die Wut wächst. Zwei Drittel aller Messungen über Tempolimit, 2.000 in drei Wochen gar über 80 km/h: Protest gegen Raser in Langschwarza.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. Juni 2019 (05:36)
Markus Lohninger
Beim NÖN-Fototermin verging Ortsvorsteherin Carina Fichtenbauer und Bürgermeister Karl Harrer am 7. Juni rasch das Lachen: Es dauerte keine Minute, bis ein Pkw unbekannter Herkunft – er hatte weder vorne, noch hinten ein Kennzeichen – die 96 am Display aufleuchten ließ. Die Behörde prüft nun die Aufstellung einer fixen Radarbox.

Karl Harrer ist ausgesprochen sauer. „Die Situation ist nicht mehr tragbar“, donnert der Schremser SPÖ-Bürgermeister: „Wir können sie nicht weiter hinnehmen! Man muss die Verkehrsteilnehmer zu Disziplin erziehen, und das geht offenbar nur durch Strafen.“

Konkret geht es um die Schremser Ortschaft Langschwarza an der B2, durch die viele Raser schneller in Richtung Wien brettern, als es auf der Autobahn erlaubt wäre. Auswertungen der fixen Tempoanzeige, die die Stadt seit Jahren aufgestellt hat, geben ein unfassbares Bild: Zwei Drittel aller Messungen samt Rädern, Mopeds und Traktoren liegen über den erlaubten 50 km/h, 15 Prozent über 68 km/h.

Alleine zwischen 25. April und 14. Mai wurden 42.000 Tempo-Übertretungen (bei 66.000 Messungen) registriert, fast 2.000 Pkw krachten mit über 80 „Sachen“ in den Ort. Einer war im März bei der Ersterfassung an der Ortseinfahrt mit 148 und zur Letztmessung schon zwischen den Häuserreihen mit 134 km/h unterwegs, im Mai drosselte am Weg zur Arbeit ein Pkw-Lenker sein Tempo zwischen erstem und letztem Messpunkt gerade einmal um 1 auf 131 km/h.

BH Gmünd will die Situation prüfen

Den Einwohnern geht es nicht nur um Lärm rund um die Uhr, sondern auch um die Sorge um Leib & Leben. „Im Ort leben viele Kinder, einige kommen bald zur Welt, eine Siedlung wird erschlossen“, sagt Ortsvorsteherin Carina Fichtenbauer. Sie spricht auch von wilden Szenen beim Fußgänger-Übergang im Ort: „Es kommt immer wieder vor, dass anhaltende Pkw-Lenker von nachkommenden Fahrern überholt werden.“ Einmal sei es dabei, so Fichtenbauer, fast zur Katastrophe mit einem Schulkind gekommen.

Heuer hat sie den Bau eines Gehsteiges entlang des kritischen Bereiches durchgesetzt. Ansonsten könne die Gemeinde wenig tun, sagen Fichtenbauer und Harrer. Sie fordern aber eine fixe Radarbox für Langschwarza, ein Ansuchen auf Überprüfung der Situation erging in der Vorwoche an die Bezirkshauptmannschaft Gmünd.

Bezirkshauptmann Stefan Grusch streicht gegenüber der NÖN jetzt schon regelmäßige Polizei-Kontrollen hervor. Daraus würden auch „sehr viele Anzeigen“ resultieren, sagt er: „Ich werde die Polizei aber anweisen, die Überprüfungen weiter zu verstärken.“ Fichtenbauer: Aktuelle Polizei-Standpunkte auf Anhöhe der Ortseinfahrt seien weithin sichtbar – daher würden nur einzelne Raser aus dem Verkehr gezogen, zudem werde das Tempo nur bei Anwesenheit der Polizei gedrosselt. Nur ein Radar helfe verlässlich.

Auch Kottinghörmanns bleibt im Blickpunkt

Grusch will die Installation einer fixen Radarbox rasch prüfen lassen. Von heute auf morgen gehe das aber nicht, verweist er auch auf Infrastruktur-Fragen etwa bezüglich eines Stromanschlusses oder Leitungen zur digitalen Direktübermittlung von Radardaten.

Die Tempo-Aufzeichnungen der Stadt Schrems seien allerdings eine wesentliche Unterstützung. Das Problem des aufkommenden internationalen Schwerverkehrs, das auch Stadtchef Harrer und Ortsvorsteherin Fichtenbauer sehr kritisch mitverfolgen, wird jedoch selbst durch Radarboxen schwer einzudämmen sein: Über die Grenzen von Österreich und Deutschland hinaus sind Strafen laut Grusch sehr schwer durchzusetzen. „Die erfolgreichste Maßnahme ist noch die Vergrämung durch stete Prüfzug-Kontrollen. Das spricht sich dann auch um.“

Gleichzeitig mit der Prüfung in Langschwarza hat die Behörde die Prüfung am anderen Gemeindeende von Schrems an der B2 bei Kottinghörmanns gestartet. Das freut Harrer, der sich einen Impuls bei der Hilfe durch das Land NÖ für den Bau einer Rad- und Fußweg-Unterführung im Kreuzungsbereich mit der B30 (Richtung Heidenreichstein) erhofft. „Es ist auch hier ein Wahnsinn, die Einwohner können dort kaum mehr rausgehen…“, sagt Harrer – und spielt auf die 2017 gebaute B41-Unterführung bei Gmünd an: Das Land hatte damals eine Viertelmillion Euro für die sichere Querung locker gemacht.

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  • Raser in Langschwarza: Radarbox notwendig?