Bezirk Gmünd: Wirtschaft hofft auf Treue

Was Handel und Gastro zum Lockdown sagen – und wie sie ihn überstehen wollen.

Erstellt am 26. November 2021 | 07:02

Gastronomen stellen auf Abholservice um, Handelsbetriebe auf Click & Collect-Systeme – und alle hoffen auf die Treue der regionalen Kunden. Die Situation ist keine neue, der Lockdown in vielen Branchen seit eineinhalb Jahren ein dauernder Begleiter. „Ich bin mir sicher, dass keiner über den jetzigen Lockdown extrem überrascht ist. Wir sehen die Zahlen, sie sprechen für sich“, sagt Wirtschaftskammer-Obfrau und Wirtesprecherin Doris Schreiber.

Sowohl Wirte als auch Handelsbetriebe hätten das Wochenende genützt und „gearbeitet, was nur ging“. Die Ungewissheit beschäftigt freilich viele Unternehmen, erzeuge auch Druck. Aber: „Die Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr so entwickelt, dass sie mit Lockdowns umgehen kann.“ Finanzielle Hilfen für Unternehmen müssen – sagt Schreiber – dennoch so schnell wie möglich hochgefahren werden.

Gleichzeitig plädiert sie für eine Umsatzsteuer-Senkung: „Die Betriebe müssen wieder auf die Beine kommen – auch um Schulden zurückzahlen zu können.“ Beim Lockdown im vergangenen Herbst sei die Ausgangslage eine andere gewesen als heuer, meint sie. Immerhin liegen inzwischen weitere turbulente Monate hinter den Betrieben. Dass das Auf & Ab zwischen Lockdowns und guten Monaten vor allem Gastronomen verunsichert, versteht Doris Schreiber. Es sei nachvollziehbar, wenn Kollegen das Handtuch werfen: „Wir haben in Österreich nicht weniger Gastronomiebetriebe. Aber die österreichische Wirtshauskultur mit Familienbetrieben droht zu verschwinden. Wir müssen wirklich aufpassen, dass wir das nicht verlieren.“

„Der Lockdown ist bedauerlich: Wir mussten schon den Adventmarkt absagen und jetzt fällt auch der Black Friday ins Wasser“, sagt der Obmann von „Echt Gmünd“, Peter Ruzicka. Etliche Mitgliedsbetriebe stellen auf Click & Collect um, Waren können also wieder bestellt und abgeholt werden. Die Entscheidung zum Lockdown hält er für richtig: „Die Pandemie wird nicht anders zu bewältigen sein. Wahrscheinlich kommt der Lockdown sogar zu spät. Im Vorjahr war es besser, weil wir früher zugesperrt haben und zu den wichtigsten Adventtagen aufsperren konnten.“ Er hofft, dass die Gmünder den heimischen Geschäften die Treue halten. Eines lässt man sich trotz allem nicht nehmen: Die „bewegten Auslagen“ gibt es auch heuer wieder. Der Start ist gemeinsam mit dem Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung am 1. Dezember geplant. Unter dem Motto „Alles bewegt sich, alles dreht sich“ will man mit einem Rundgang durch die Stadt eine Alternative zum Adventmarkt bieten.

Ein „schwerer Schlag“ ist das Zusperren kurz vor Weihnachten auch für den Obmann von „Heidenreichstein Creaktiv“, Thomas Böhm: „Die Betriebe haben schon dementsprechend aufgestockt, um ein starkes Sortiment anbieten zu können. Dass es jetzt so kurzfristig in den Lockdown geht, ist doppelt bitter.“ Unternehmen seien aber schon vorbereitet: „Es war abzusehen. Ich wünsche mir, dass die Menschen unsere lokalen Geschäfte unterstützen und trotzdem per Click & Collect einkaufen.“