Gmünder Schutz vor Fluten „dringend notwendig“. Rasch steigende Pegel von Lainsitz und Braunau weckten Erinnerungen an Flut-Katastrophen – und immer noch fehlende Schutzbauten.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. August 2020 (05:16)
Im Bereich Mühlgasse/Böhmzeil wurde es ganz schön nass.
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Heftige Regenfälle zum Beginn der vorigen Woche ließen in der Wasserstadt Gmünd eine bereits 18 Jahre laufende, zuletzt in einigen trockenen Jahren abgekühlte Diskussion wieder aufkochen: jene um den Hochwasserschutz im Mündungsgebiet von Lainsitz und Braunau.

Man habe nach nur zwei Regentagen gesehen, wie rasch hier eine Überflutung eintreten könne, wendet sich ein Anrainer an die NÖN – auch wenn es dann doch nicht zum ganz wilden Hochwasser kam.

Nur Schrems baut und baut…

Tatsächlich wird entlang des Braunaubaches in der Nachbargemeinde Schrems praktisch laufend gebaut. Die sechste von acht Bauetappen mit einem Gesamtvolumen von etwa zehn Millionen Euro wurde gerade abgeschlossen, die siebente läuft aktuell wie berichtet an.

Entlang der Lainsitz tut sich nicht nur im Oberlauf seit Jahren wenig, sondern auch dort, wo sie die Braunau schluckt – unterhalb des Gmünder Stadtplatzes im Bereich Mühlgasse/Böhmzeil.

Fertigstellung für 2011 anvisiert

2008, fünfeinhalb Jahre nach dem „Jahrhunderthochwasser“, war vom Abschluss des Maßnahmenpaketes bis 2011 die Rede gewesen, 2016 wurde die Fertigstellung für 2017 anvisiert. Beim NÖN-Talk zur Gemeinderatswahl 2020 hatte Vizebürgermeister Hubert Hauer (AfG) einen Baustart für den Bereich vor der Mündung für das erste Halbjahr 2020 in Aussicht gestellt. Eingereicht sei das Projekt beim Land NÖ bereits. Und heute?

„Corona verzögerte es etwas, die Gemeinde steht aber Gewehr bei Fuß“, sagt der seit der Wahl politisch zuständige Stadtrat Martin Preis (ÖVP): Mittlerweile sei man bei letzten Detailplanungen, dazu gebe es laufend Gespräche mit dem Land NÖ und teils auch schon Zusagen.

Einen Spatenstich hält Preis coronabedingt heuer für nicht mehr realistisch. Ziel sei es jedoch, noch heuer die gesamten Ausschreibungen für die letzten Bauetappen – die dann in mehreren Tranchen abgearbeitet werden sollen – abzuwickeln.

Stadtrat Preis betont, dass unabhängig von der finalen Verzögerung bereits „viel Geld in den Hochwasserschutz“ geflossen sei, „den großen Teil der Stadtstrecke möchten wir aber jetzt in die Hand nehmen. Es wäre dringend notwendig, um gerüstet zu sein.“

Kalkuliert wird mit immerhin etwa vier Millionen Euro für die letzten Baustufen. Die Stadt übernehme immer die etwa 20 Prozent „Interessenten-Beitrag“ für Maßnahmen, für die sonst mitunter die Anrainer aufkommen müssten, den Rest steuern Land und Bund bei. Dort steht man natürlich neben Vertretern vieler anderer Wassergemeinden in der Schlange.

Mündungs-Bereich könnte attraktiviert werden

Vorgesehen sind entlang der Lainsitz wie berichtet bis zu zwei Meter hohe Dämme bzw. Mauern, für Durchlässe bzw. Übergänge sind wie in der Wachau mobile Dämme mit einziehbaren Balken geplant.

Direkt beim Gemünde wird beim Mühlgassen-Parkplatz über eine lebendige, für die Öffentlichkeit attraktive und nutzbare Gestaltung nachgedacht.