50 Jahre Nord-Süd-Weitwanderweg gefeiert. Aus Not schuf Carl Hermann 1970 ersten österreichischen Weitwanderweg. Das Jubiläum wurde gefeiert.

Von Karl Tröstl. Erstellt am 16. Juni 2020 (07:28)

Am Vatertag wurde dem Wahlwaldviertler, Künstler und „Vater des Weitwanderns“ Carl Hermann gedacht. Zum 50-Jahr-Jubiläum des von ihm initiierten Nord-Süd-Weitwanderweges über 513 Kilometer – dem Ersten seiner Art – enthüllte Gmünds Bürgermeisterin Helga Rosenmayer nach Segnung durch Stadtpfarrer Rudolf Wagner einen Monolithen als Wander-Stele vorm Carl-Hermann-Haus in der Blockheide. Ein gleiches Monument enthüllte nachmittags Harbachs Bürgermeisterin Margit Göll am Nebelstein.

Die Feier wurde von der Familie Nödl, die heute im Besitz des Künstlerhauses ist, ausgerichtet. Viele Freunde, Wanderer, Interessierte und Vertreter von Institutionen kamen, darunter auch eine Abordnung aus dem Zielort Eibiswald.

Karl Tröstl

Andreas Nödl gratulierte Blockheide-Vereinsobmann Josef Reiterer zum kürzlich gefeierten 70er und dankte allen am Projekt Beteiligten – darunter dem früheren Bauamtsleiter Franz Höllrigl, den er als „freiwilligen Motor“ bezeichnete und mit einem goldenen Heidemännlein überraschte.

Der Star des Tages war freilich der aus Eibiswald stammende und 1986 verstorbene Bildhauer Carl Hermann, der einst gemeinsam mit dem schwer erkrankten Tischlermeister Achatz aus Gmünd aus der Todeszelle der Kriegsgefangenschaft hatte flüchten können und in Gmünd sesshaft wurde. Man schrieb 1967, als ihn plötzlich das Heimweh plagte. Es mangelte an öffentlichen Verbindungen in die Südsteiermark genauso wie am nötigen Kleingeld, also machte sich Hermann nach über 20 Jahren zu Fuß auf den Weg in die Heimat.

Mit dem Österreichischen Alpenverein übernahm er für andere Wanderer das Markieren des Weges, fertigte Wanderkarten an, verfasste ein Büchlein dazu. Bei späteren Etappenwanderungen trug er im Rucksack selbst angefertigte Wegpfeile mit, montierte bzw. ersetzte alte, hinterließ entlang der Strecke Skulpturen und Monumente – wie die Statue des Heiligen Paulus in der Pauluskapelle in der Südsteiermark, die er als letzte Ruhestätte für sich wählte.

Drei Jahre, nachdem Hermann den Nord-Süd-Weg gemeistert hatte, wurde dieser 1970 offiziell als erster österreichischer Weitwanderweg eröffnet. Laut Alpenverein haben diesen über 7.000 Wanderer seither begangen.