Harrer-Wahl: Die letzte Klappe im Schremser SP-Streit?. Harrer mit 100 Prozent als Spitzenkandidat gewählt. Gemeinderätin Prinz schließt Kandidatur aus – und denkt an eigene Liste.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 01. Mai 2019 (04:06)
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Der Bruch von Karl Harrer und Viktoria Prinz ist definitiv.

In Schrems sind SP-intern die Weichen für die Gemeinderatswahl 2020 gestellt: Bürgermeister Karl Harrer (64) wurde einstimmig zum Spitzenkandidaten gewählt.

Zugleich wurde die Parteistruktur überarbeitet, die Organisationen der Stadt- und Ortsteile Schrems, Niederschrems-Kleedorf, Langegg, Kottinghörmanns, Pürbach und Langschwarza werden als Sektionen weitergeführt und wählten mit Vizebürgermeister Peter Müller einen gemeinsamen Stadtpartei-Vorsitzenden. Abgeordneter Konrad Antoni und Klubchef Michael Preissl wurden zu dessen Stellvertretern gewählt.

„Junge Kandidaten werden verheizt und ausgetauscht“

Der in der Stadtparteikonferenz anwesende Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl gratulierte Harrer zum „großartigen Wahlergebnis, das gleichzeitig ein großer Auftrag für das Team der SPÖ Schrems ist“. Der neue Vorsitzende Müller: „Jetzt geht es darum, den äußerst erfolgreichen Weg für Schrems fortzusetzen. Das ist nur sichergestellt mit einem Bürgermeister Harrer und einer starken SPÖ.“

SPÖ
„Daumen hoch“ in der SPÖ: Klubchef Michael Preissl, Landesparteichef Franz Schnabl, Stadtchef Karl Harrer und Stadtparteichef Peter Müller (v.l.).

Die Findung der weiteren Wahlkandidaten soll, so Klubchef Preissl, zur Jahresmitte abgeschlossen sein. Ein Name wird dort auf jeden Fall fehlen: Gemeinderätin Viktoria Prinz, die sich im Winter wie berichtet mit Harrer wegen eines angeblich zugesagten Platzes in der Stadtregierung überworfen hatte, ließ die Sitzung demonstrativ aus.

Auch als überzeugte Sozialdemokratin wolle sie der Schremser SPÖ nicht als Kandidatin zur Verfügung stehen, „da ich den eingeschlagenen Kurs nicht gutheißen kann“, sagt die 39-Jährige auf NÖN-Nachfrage. Sie wolle Teil einer SPÖ sein, die engagierten Menschen Verantwortung überlasse – aktuell ließe diese junge Menschen „am besten aus dem engsten familiären Umfeld von Spitzenfunktionären“ als „Quotenjunge“ von Fotos lachen, versage ihnen aber jede eigene Meinung.

Prinz: „Junge Kandidaten werden verheizt und ausgetauscht, sobald sie zu viel Eigeninitiative entwickeln. Es wird gemauert, wenn es um die Besetzung von Funktionen geht.“ Von einer Verjüngung sei keine Rede, der neue Parteivorstand weise einen Altersschnitt von 58 Jahren auf.

Harrer: „Haben positive Aufbruchsstimmung“

Stadtchef Harrer will die Kritikpunkte nicht kommentieren, holt dann aber doch aus. „Wir brauchen Leute, die gut und mit Hausverstand arbeiten – nicht welche, die sich einbilden, von heute auf morgen etwas werden zu müssen“, spielt er auf das Altersthema an. Prinz unterstellt er parteischädigendes Verhalten. Sie habe in der Sitzung unentschuldigt gefehlt, lasse Fraktionssitzungen aus und engagiere sich nicht mehr für die Partei, sagt er, „sie hat mit der Partei schon nichts mehr zu tun“.

Die Entscheidungen seien demokratisch gefallen, betont Harrer: „Wir haben uns auch mit vielen neuen Gesichtern gut aufgestellt, haben eine positive Aufbruchsstimmung. Die lassen wir uns nicht von Zwistigkeiten ruinieren.“

Gerüchte, wonach Prinz mit eigener Bürgerliste gegen Harrer antreten will, dementiert sie gegenüber der NÖN nicht: „Ob und wie ich mich in die Gemeindepolitik nach dieser Periode weiter einbringen kann, werde ich in den nächsten Monaten entscheiden.“ 2018 hatte sie als Bezirks-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl mit über 800 Vorzugsstimmen einen Achtungserfolg erzielt.

Fotos: SPÖ (2), Archiv
Auch Mitglieder-Ehrungen gab es am Samstag bei der SPÖ Schrems: Hermine Böhm, Erwin Binder, Otto Zach, Franz Trinko (alle 60 Jahre Mitglied), Erika Zach, Gertraud Reiter, Ernst Redl, Anton Arneth, Karl Kühn, Erwin Schöbinger, Rudolf Hobbiger, Johann Pfeiffer (50 Jahre), Eleonore Bauer, Waltraud Koppensteiner, Leopoldine Müllner, Rosina Schmidt, Erhard Prinz, Gerhard Ableidinger, Josef Polt, Erwin Hengst, Josef Aschenbrenner, Herbert Fraisl, Johann Schönauer, Robert Korherr, Wolfgang Marek (40 Jahre), Regina Preissl, Helga Hödl, Susanne Layr, Andreas Poiss, Herbert Zach, Robert Möslinger, Herbert Seitler und Robert Stangl (25 Jahre).