Wahlkampf in Schrems spitzt sich zu. Plakat von Mitbewerber vor Haustür, Pamphlet gegen „Liste Prinz“ und ÖVP, Facebook-Profil mit geschultertem Gewehr: Emotion droht langsam überzuschwappen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:31)
Stadtamt Schrems
Markus Lohninger

In Schrems, wo wie im Jahr 2015 die meisten Kandidaten des Gmünder Bezirkes antreten, spitzt sich der Gemeinderats-Wahlkampf langsam zu.

„Störende Plakatflut“.

Einige Aufmerksamkeit brachte zuerst Bürgermeister Karl Harrer ein Inserat in der vorigen NÖN ein – eventuell auch jene des politischen Mitbewerbs. Die SPÖ verzichte „weitgehend auf Wahlplakate entlang der Gemeindestraßen“, spende lieber 2.000 Euro an Caritas-Einrichtungen, hatte Harrer über eine „störende Plakatflut“ anderer Fraktionen geklagt.

Der Beitrag sorgte für Debatten, zumal auch die SP Schrems mit Plakaten auf sich aufmerksam macht. Als er am Tag nach Erscheinen der NÖN seine Haustür geöffnet hatte, sei der Weg raus zur Hälfte durch ein neues Wahlplakat eines Mitbewerbers verstellt gewesen, berichtet Harrer nun. – Zufall oder Provokation? „In 14 Tagen ist der Spuk vorbei“, stöhnte Harrer.

„Nicht kampflos zusehen, wie ÖVP Wahlsieger aussticht.“

Online teilte indes eine auf hinterem SPÖ-Listenplatz stehende Kandidatin kräftig aus. In einem inzwischen gelöschten Beitrag klagte sie unter anderem über „Hetze und Feindseligkeiten“. Sie sei nicht bereit, „kampflos zuzusehen, dass in Schrems, wie vor fünf Jahren in Gmünd, die ÖVP mit einer unabhängigen Liste und der FPÖ, den eigentlichen Wahlsieger SPÖ aussticht, um die persönliche Machtgier zu befriedigen“. Ihr Fazit in Richtung Viktoria Prinz (Liste Prinz) und David Süß (ÖVP): Wer Prinz wähle, wähle ÖVP und umgekehrt.

Prinz reagierte auch online: Vor fünf Jahren habe sie sich genauso „instrumentalisieren lassen“. Sie sei weder „machtgeil“, noch wolle sie einen „in Wien sitzenden ÖVP-Kandidaten“ in den Bürgermeistersessel hieven oder die SPÖ ausschließen. Es gehe ihr um eine Führung, die der Stadt „gut tut“, dazu wolle sie nach der Wahl mit allen Parteien Gespräche über eine Zusammenarbeit führen.

„In Geplänkel nicht einmischen“.

Zum Sager des „in Wien sitzenden ÖVP-Kandidaten“ hält VP-Spitzenkandidat Süß indes fest, er wolle mit allen arbeiten und sich in solches „Geplänkel nicht einmischen. Wir nützen die Zeit lieber für Gespräche mit der Schremser Bevölkerung“.

Bewaffneter „Göring“ mit „Liste Prinz“-Logo im Profil. 

Sehr bedenklich indes, was sich auch noch abspielte: Auf Facebook tauchte ein mutmaßliches Fake-Profil für einen gewissen „Adam Göring“ auf – samt Agenturbild eines jungen Mannes mit geschultertem Gewehr und „Liste Prinz“-Logo im Profil. Das gehe definitiv zu weit, beklagte Prinz fehlenden Anstand, einen Adam Göring gebe es nicht einmal im Wählerregister. Sie meldete die Sache bei Facebook, Profilbild und Logo verschwanden.

Viktoria Prinz hatte wie berichtet im Herbst Alarm wegen des im Schremser Naturpark ausgestellten Modells eines Nazi-Fliegers geschlagen, Hermann Göring war Luftwaffen-Chef und einer der Hauptkriegsverbrecher im Zweiten Weltkrieg gewesen…