„16 Kündigungen, Kapital verbrennt“. Förderungen für Anlagen der Bioma AG mit Sitz in Gmünd enden: Kein Strom mehr. Ende weiterer Anlagen befürchtet.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 04. April 2019 (06:25)
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Nach scharfen Polit-Gefechten zeichnet es sich seit Mitte der Vorwoche ab: Die Bioma Energie AG mit Heizwerken im Gmünder Access-Industrial-Park und in St. Andrä in Kärnten muss 16 Mitarbeiter abbauen. Die Stromproduktion soll eingestellt werden, 1.200 Bauern im Waldviertel zittern in Zeiten von Borkenkäfer & Co um einen Schadholz-Großabnehmer.

Warum? Nach erfolgreichem Veto der SPÖ im Bundesrat passierte vorige Woche ein Biomasse-Grundgesetz den Ministerrat, für das im Nationalrat nun eine einfache Mehrheit genügt. Dessen Förderkriterien für die Herstellung von Ökostrom könnten bei Bioma nicht erfüllt werden, klagt Geschäftsführer Herbert Mandl: In Kärnten würden die Gelder Ende April, in Gmünd Ende Juni versickern, weil die erforderliche Effizienz von 60 Prozent an 365 Tagen des Jahres technisch nicht machbar sei (die NÖN berichtete bereits).

In Gmünd werde Strom für mehr als 10.000 Haushalte produziert. Ohne Förderung klafft ein großes Loch zwischen Holzeinkaufspreis und Einspeise-Tarif, zumal die Abwärme in der warmen Jahreszeit nicht bzw. nur in Minimalmengen an die einige tausend Wärmeabnehmer verkauft werden könne. Den Jubel in den Reihen der Regierung zur Rettung der Kraftwerke versteht Mandl also nicht.

Seitens der OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom AG) betont Vorstand Magnus Brunner, dass es ohne Übergangslösung für ältere Anlagen generell keine Nachfolgetarife gegeben hätte. Für viele davon seien die 60 Prozent ohne Zusatzinvestitionen erreichbar, mehr als die Hälfte der Betreiber habe bereits eingereicht und könne bis 2022 geförderte Tarife erwarten.

Für viele andere Kraftwerke sei das nicht möglich, sagt Mandl. Als sie erbaut wurden, war ein 60-%-Nutzungsgrad gesetzlich nicht vorgesehen – es gibt Werke, die Strom im Sommer auch mit wenig Wärmelieferung produzieren und 60 Prozent erreichen. Für den Rest gilt ein Nachrüsten auch laut „IG Holzkraft“ als nicht realisierbare Millionen-Investition. Mandl: „Alle Fakten blieben ungehört.“

Angesichts dessen glaubt er nicht an eine Nachbesserung für das noch geplante finale Ökostromgesetz. In dem Fall drohe 2020 auch dem zweiten großen Betreiber im Waldviertel, der Nawaro Energie Betrieb GmbH mit Heizwerken in Altweitra, Göpfritz und Rastenfeld, ein Ende der Stromproduktion, sagte Geschäftsführer Hans-Christian Kirchmeier bereits.

Im Sommer zurück zu Wärme aus Ölkessel

St. Andrä muss Mandl mit Ende April herunterfahren, in Gmünd muss er neun der zwölf Mitarbeiter abbauen und den Holzeinkauf mit Ende April stoppen: „Ein großer Teil der 22 Millionen Euro an Eigenkapital der Aktionäre verbrennt.“ Im Winter will er die Wärmeproduktion für mehrere tausend Haushalte weiterführen, im Sommer auf Ölheizung umstellen. „Der Biomassekessel ist zu groß für die kleinen Wärmemengen, etwa für Warmwasser.“