Aderlass für SPÖ: Gemeinderat läuft zu AfG über. Vor SPÖ-Mitgliederversammlung: Karl Ferus lässt sich von Kandidatenliste streichen. Er startet mit dem 2014 „vor die Tür gesetzten“ Hubert Hauer durch.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. November 2019 (03:09)
Vizebürgermeister Hubert Hauer begrüßt Karl Ferus im AfG-Team.
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Paukenschlag in der Gmünder SPÖ wenige Tage vor der Mitgliederversammlung, in der die Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl im Jänner 2020 erstellt werden sollte: Fünf Jahre, nachdem der langjährige Finanz-Stadtrat Hubert Hauer von seinen Genossen überraschend von der Liste gestrichen worden war, verkündet Gemeinderat Karl Ferus den freiwilligen Rückzug aus dem SP-Klub. Mehr noch – er kündigt an, sich im Wahlkampf der Liste AfG des heutigen Vizebürgermeisters Hauer anschließen zu wollen.

Nachwehen vom Rauskick 2014. Als Grund dafür nennt Karl Ferus eben jene Ereignisse von 2014, mit denen Hauer durch eine organisierte Aktion „mit 51 Prozent Streichungen von jetzt auf gleich vor die Tür gesetzt“ worden sei. Der Rest ist Geschichte: Hauer errang mit einer eigenen Liste jenes Mandat, das der SPÖ zur absoluten Mehrheit fehlte. Gemeinsam mit der FPÖ machte er Helga Rosenmayer (ÖVP) zur ersten Bürgermeisterin der Stadt. Die SPÖ als stimmenstärkste Fraktion wurde zur Opposition degradiert. Als solche habe sie ihm den Rest gegeben, sagt Ferus nun: „Es tat mir leid, dass oft aus Prinzip dagegen gestimmt wurde. Man hat der Partei mit Hubert das Hirn rausgenommen und sie künstlich am Leben gehalten. Die Leute wollen keine Streiterei, sondern dass sich was tut.“ Das sei in der VP/AfG/FP-Koalition geschehen, „Gmünd ist nun eine lebendige Stadt mit einem herzeigbaren Stadtbild. Was mit Hauer passiert ist, das tut man nicht.“

„Einmal Sozialist, immer Sozialist“! Ferus, 58-jähriger Gemeindebediensteter aus Breitensee, der zu Agenden der EDV-Infrastruktur heuer mit Erfolg den Betrieb des Strandbad-Kiosks übernommen hatte: „Einmal Sozialist, immer Sozialist! Freundschaft muss vor Parteilinie gehen, wir waren und bleiben Freunde.“

„Gmünd hätte nichts Besseres passieren können“. Hubert Hauer spricht nach den Entwicklungen ab 2014 von ehemaligen Genossen, die ihm heute noch den Handschlag verwehren würden. Als 18-Jähriger trat er in die SPÖ ein, seit nun 30 Jahren ist er im Gemeinderat, seit 25 Jahren auch Finanz-Stadtrat. „Hätte man 2014 im Vorfeld der Streichung mit mir gesprochen, hätte man eine Lösung gefunden. Aber ich lasse mir nicht mit 65 einen Fußtritt verpassen.“ An der Seite von ÖVP und FPÖ habe er 2015 eine „Aufbruchsstimmung sondergleichen“ erlebt: „Was seither geleistet wurde, ist herzeigbar. Meine jahrelange Erfahrung konnte ich in viele Projekte einbringen. Gmünd hätte nichts Besseres als unsere Koalition passieren können.“

„Leben nach der Politik möglich“. Für den Wahlkampf gebe es zwischen ÖVP, AfG und FPÖ das Übereinkommen, auf Sachthemen zu fokussieren. Die Verteidigung des Mandates halten Ferus und Hauer für wahrscheinlich, ein zweites Mandat für realistisch. Aber, so Ferus nach zehn Jahren im Gemeinderat: „Bekommen wir kein zweites Mandat, wird für mich auch ein Leben ohne Politik möglich sein.“

SP unvorbereitet getroffen. Stadtrat Thomas Miksch, seit 11. November offiziell Spitzenkandidat der SPÖ für die Wahl im Jänner (siehe Seite 12), versteht die erst am 8. November kommunizierte Entscheidung von Ferus nicht. „Es gab immer wieder Gespräche zur Listenerstellung, Karl war immer unterstützend dabei und hat mir persönlich in die Hand versprochen, dass er wieder dabei ist“, sagt Miksch.