Gmünd

Erstellt am 21. Oktober 2018, 04:58

von Michael Schwab

Carl Hermann: Spuren in Öffentlichkeit. Bildhauer und Künstler hinterließ im Waldviertel seine Spuren an öffentlichen Plätzen. Er war auch ein Pionier der Weitwander-Bewegung.

Bekannte Werke von Carl Hermann: Der Sämann am Waidhofner Lagerhausturm, der Betrachter und das Heidemännlein in Gmünd.  |  Lev Akhsanov

100 Jahre wäre der 1986 verstorbene Bildhauer und Künstler Carl Hermann – auch einer der wichtigsten Wegbereiter für den Naturpark Blockheide, den er wesentlich mitprägte – am 28. Oktober geworden.

Für Anna und Andreas Nödl, welche den Nachlass von Carl Hermann verwalten, Grund genug, um den in Vergessenheit zu geraten drohenden Künstler wieder in den Fokus der Bevölkerung zu bringen. Dazu erstellten sie Info-Folder, die bei Hermanns bekanntesten Skulpturen im öffentlichen Raum angebracht wurden, und ergänzten die seit zehn Jahren bestehende Website www.carlhermann.at mit Übersichtskarten, welche zeigen, wo Hermann überall seine Spuren hinterlassen hat.

Festakt zum 100er am 28. Oktober 

Alle bekannten Werke sind in einem Werkverzeichnis mit Bilder und Informationen aufgelistet. Über die interaktive Karte gelangt man per Mausklick direkt zum jeweiligen Eintrag.

Der 1918 in der Steiermark geborene Künstler trat im Herbst 1940 in die Bildhauerklasse Hermann Gösser in Graz ein. Wegen seiner Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime wurde Hermann verhaftet und am 3. März 1945 zum Tod durch den Strang verurteilt. Als er zusammen mit weiteren Verurteilten als „letztes Aufgebot“ gegen die Sowjet armee ins nördliche Niederösterreich geschickt wurde, gelang ihm in Gmünd die Flucht.

Bekannte Werke von Carl Hermann: der Betrachter in Gmünd.  |  Lev Akhsanov

Nach Kriegsende wurde somit die Bezirkshauptstadt zu seiner neuen Heimat. Carl Hermann vertrat als einer der ersten „Land-Art“-Künstler die Ansicht, dass Kunst zum täglichen Leben jedes Menschen gehört, Kunstwerke daher öffentlich zugänglich in der Landschaft stehen sollen. Viele seiner Werke, wie das Heidemännlein am Braunauplatz, der Betrachter am Stadtplatz oder die Reliefdarstellungen bei den Restlingen in der Blockheide, gehören längst zum Gmünder Stadtbild. Auch in Weitra („Sautreiber“), Waidhofen (der „Sämann“ am Lagerhausturm, die „Sieben Schwaben“ beim Kindergarten und der „Georg“ beim Kriegerdenkmal) und in Vitis im Schaudepot findet man Werke von Carl Hermann.

Bekannte Werke von Carl Hermann: das Heidemännlein in Gmünd  |  Lev Akhsanov

Auf der Suche nach einer Verbindung von Gmünd zu seiner alten Heimat in Eibiswald in der Steiermark entwickelte Hermann, ein Pionier der Weitwander-Bewegung, den Nord-Süd-Weitwanderweg 05 von Gmünd nach Eibiswald. Entlang dieses Weges platzierte er seine Kunst wie Perlen auf einer Kette, wie es in seiner Biografie auf www.carlhermann.at heißt.

Mit einem Festakt am 28. Oktober um 11 Uhr im Palmenhaus soll Hermanns 100. Geburtstag gefeiert werden.