CBD-Produkte: Kur oder Kurpfuscherei?

Erstellt am 12. Februar 2022 | 04:56
Lesezeit: 3 Min
„Billige Ware“ statt Qualität vermutet Kurt Karasek in vielen CBD-Produkten. Die NÖN fragte bei Apothekerin Kitzler nach.
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Ein wahrer Run ist auf Produkte mit dem Hanf-Bestandteil CBD (Cannabidiol) entstanden. Einer, der auf die CBD-Produkte schwört und diese in seinem Shop anbietet, ist der Gmünder Kurt Karasek, den die Konkurrenz aus neuen Anbietern sauer aufstoßen lässt. „Das Um und Auf ist die Beratung. Wir kleinen Händler wissen genau, was in den Produkten drinnen ist, woher diese stammen und wie diese wirken“, meint Karasek. Er wisse über die Wirkungen der CBD-Hanfprodukte in seinem Shop, die frei von psychoaktiven Wirkungen sind, informiere und berate. „Auch Ärzte aus der Region haben diese Produkte entdeckt. Ich habe einen sehr guten Draht zu ihnen. Sie wissen, dass es bei mir Top-Qualität gibt und die Beratung dazu passt.“ Woanders gebe es oft „nur billige Ware“ und es werde „das blaue vom Himmel gelogen“.

„Thema ist sehr komplex.“

Doch was steckt wirklich hinter den CBD-Ölen, die auch als „Gesundheitsbooster“ vermarktet werden? Die NÖN fragte bei Apothekerin Isabella Kitzler von der Apotheke Gmünd-Neustadt nach. „Dieses Thema ist wirklich sehr komplex. In diesen Produkten ist Cannabidiol enthalten, wobei hier nicht genau deklariert ist, welche Cannabidiol-Mischungen drinnen sind“, sagt Kitzler, und erklärt: „Man kann das durchaus mit Mehl vergleichen. Jedes Mehl hat seinen eigenen Ausmahlungsgrad. Beim Mischmehl werden verschiedene Mehltypen vermischt, wobei man auch nicht weiß, wie viel von jedem drinnen ist.“

Es werde diesen CBD-Hanf-Produkten sehr viel Wirkung nachgesagt. Wie sich diese aber wirklich auswirken, das sei schwer festzumachen, sagt die Apothekerin. Sie ist an sich überzeugt: „In diesen Produkten steckt durchaus Potenzial, aber die derzeit im Umlauf befindlichen Aussagen, gegen welche Erkrankungen diese helfen sollen, grenzen für mich schon an Kurpfuscherei“, stellt Kitzler klar. In ihrer Apotheke führt sie ein einziges CBD-Hanf-Produkt. „Da weiß ich, welches Cannabidiol drinnen ist und somit, wie dieses Produkt wirkt.“ Vor allem komme es bei Patienten zum Einsatz, zu deren Grunderkrankungen auch Krämpfe gehören. „Das Mittel ist krampflösend und entspannend. Es wird zum Beispiel von Ärzten den MS-Kranken empfohlen“, betont sie.

Esslöffel Hanföl „genauso gut“

Dass Hanföl bei Hauterkrankungen gut wirkt, wisse man. „Das macht aber das Öl.“ Von allen anderen positiven Wirkungen, die CBD-Produkten nachgesagt werden, distanziert sich die Apothekerin. „Meist werden diese Produkte als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Man könnte genauso gut drei Mal täglich einen Esslöffel Hanföl zu sich nehmen.“ In ihrer Apotheke sei vor allem vor Corona eine große Nachfrage zu verzeichnen gewesen. „Jetzt ist davon nur mehr wenig zu bemerken.“

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