Die Erinnerung fehlte: War Streit körperlich?. War Streit in Heidenreichstein körperlich? Keine klare Beweislage. Freispruch im Zweifel.

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. November 2019 (04:11)
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„Mein Mandant ist vielleicht nicht der Netteste und Beliebteste, aber da ist eine Wahrheit, die ich nicht glauben kann“, zeigte sich Rechtsanwalt Edmund Kitzler bei der Gerichtsverhandlung am 18. November am Gmünder Bezirksgericht kämpferisch. Er vertrat ein Opfer, das im Zuge einer Auseinandersetzung in einem Lokal in Heidenreichstein im Juli Verletzungen am Rücken und im Gesicht davongetragen hat.

Bei dieser Verhandlung – es war bereits die zweite, nachdem das Opfer und der mutmaßliche Täter bereits vor eineinhalb Monaten einvernommen worden waren – standen zwei Zeugen zur Vernehmung bereit. Diesmal kam es zu einem Urteil. Bis dahin war es ein emotionaler Weg – inklusive Unterbrechung.

Zu dieser führte die Befragung des 24-jährigen Bruders des Opfers, der diesen sehr förmlich als „Herrn“ titulierte. Zum Zeitpunkt der handgreiflichen Auseinandersetzung sei er auf der Toilette gewesen und könne daher nichts zum Vorfall sagen. Bei einem Treffen nach dem Streit sei von „fünf Mal in die Gosch‘n haun“ die Rede gewesen. „Aber das ist ein kompletter Blödsinn, da hätte er ganz anders ausgesehen“, meinte der Bruder. Die Diagnose des Arztes könne er nicht nachvollziehen: „Wir hatten wenige Tage später ein Fußballmatch, da hat er sich normal aufgewärmt, von einer Verletzung sah man nichts.“ Kitzler: „Hat der Arzt vielleicht eine falsche Bestätigung ausgestellt? Da muss der Arzt jetzt her.“ Daraus resultierte ein Durcheinander-Gerede im Verhandlungsraum und eine fünfminütige Pause.

Weiter ging es mit einem dem Zeugen nach gefälschten Screenshot einer WhatsApp-Nachricht von ihm an seinen Bruder, die die Verletzungen nach der Auseinandersetzung behandelte.

„Sie erinnern sich jetzt besser als damals!“

Es folgte die Befragung eines weiteren Zeugen. Er könne sich wegen seiner Alkoholisierung nicht an eine körperliche Auseinandersetzung erinnern, beteuerte der 28-Jährige: „Es wurde laut diskutiert, einen Schlag oder einen Stoß habe ich nicht gesehen.“ Rechtsanwalt Kitzler verglich diese Aussage mit dem Polizeiprotokoll. „Anscheinend waren sie nicht so besoffen, wie sie angegeben haben. Sie können sich jetzt besser erinnern als damals“, erklärte Kitzler, der letztlich einräumen musste, dass die Beweislage nicht einfach sei, aber doch einige Fakten dafür sprechen würden, dass der Beschuldigte die Tat begangen habe. Er beantragte einen Schuldspruch und 500 Euro Schmerzensgeld für seinen Mandanten.

Für die Vertreterin des beschuldigten Familienvaters sei das Opfer unglaubwürdig gewesen. Sie beantragte einen Freispruch. Dieses Urteil fällte dann der Richter, wenn auch im Zweifel. Nicht rechtskräftig.