Endo-Haus ist Geschichte: „Quasi aus Versehen ein Haus gekauft“

Erstellt am 20. Januar 2022 | 06:45
Lesezeit: 4 Min
Schwingenschlögl gab Endo-Haus in Gmünd auf, Nachbarsfamilie Vogelsinger-Waitz kaufte es – primär deshalb, um nicht um die Parkfläche für die Kleintierpraxis umzufallen.
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Ein markantes Gebäude in der Schremser Straße 29 in Gmünd hat einen neuen Besitzer: Grafiker Christian Schwingenschlögl, der die Immobilie im Jahr 1999 gekauft, generalsaniert und als „Endo-Haus“ eingerichtet hatte, verkaufte dieses an die Familie Vogelsinger-Waitz. Seine „Manufaktur für feine Beschriftungen“ betreibt er nun wenige Gehminuten entfernt im privaten Wohnhaus in Grillenstein weiter – in reduziertem Ausmaß.

„Mit dem Coronavirus sind vor allem im Bereich Beschilderungen mehr und mehr Bestellungen ins Internet abgewandert. Ich habe das einige Zeit hingenommen, aber das Problem wurde größer statt geringer“, blickt Schwingenschlögl zurück. Im Schatten der Geschäfts-Entwicklung und allmählich anstehender Arbeiten am Haus habe sich der Gedanke an einen Verkauf aufgetan – und sei auf Gedanken in der Nachbarschaft zur Frage der Parkplatz-Situation der Kleintierpraxis Gmünd getroffen. Nun wechselte die ganze Liegenschaft den Eigentümer.

In der Parkplatz-Frage auf Nummer sicher gehen

„Wir haben quasi aus Versehen ein Haus gekauft“, schmunzelt Katia Waitz im NÖN-Telefonat. Die Aussicht auf einen sich irgendwann anbahnenden Verkauf des Nachbarhauses hatte ihre Familie nämlich aus einem Grund ins Grübeln gebracht: Seit Eröffnung der beliebten Kleintierpraxis 1999 wurden am Parkplatz zwischen Praxis und Endo-Haus mehrere Flächen bei Schwingenschlögl angemietet, weil es rundum keine öffentlichen Stellplätze gibt.

Ein neuer Eigentümer ohne Interesse an der Weitervermietung der Parkplätze hätte zwangsläufig die Praxis-Schließung bedeutet. „Die logische Konsequenz war also, Grund und Gebäude selbst zu erwerben“, sagt Waitz.

Schwingenschlögl: Fokus auf Grafikergewerbe & Waldviertelduft

Schwingenschlögl meldete die zuletzt zwei Mitarbeiter mit Jahresende 2021 ab, „beide hatten sofort einen neuen Job, mussten nicht einmal ein Bewerbungsschreiben aufsetzen“, freut er sich für sie. Das Geschäft mit Beschilderungen sei „zu 95 Prozent“ gestorben, sagt er: „Ich konzentriere mich nun mehr auf Grafik und meine ‚Duftgeschichte‘… also das, was mir am meisten Freude macht.“

„Duftgeschichte“? Christian Schwingenschlögl hatte 2015 nach intensiver Beschäftigung mit jahrhundertealten Rezepten für Duftwässer aus dem Familiennachlass in seinem „Heidehof“ in der Gmünder Katas tralgemeinde Grillenstein mithilfe eines französischen Parfümeurs einen ersten „Waldviertelduft“ kreiert, die NÖN hatte damals über diese „Herznote des Waldviertels“ berichtet.

Wirtshaus, Metzger, „Soda-Böhm“, RS Components, JVP-Bude: Haus mit Geschichte

Im nun früheren Endo-Haus hatte lange Hochbetrieb geherrscht, als es in der Nasterzeil 20 – so hieß der einst geschlossene Straßenzug mit heutiger Mühlgasse und Schremser Straße stadtauswärts – als Wirtshaus mit angeschlossener Fleischhauerei betrieben wurde. 2011 hatte Schwingenschlögl hier einen 120 Jahre alten, doppelbewandeten, mit Asche, Schlackenwolle und trockenen Sägespänen gedämmten Eisschrank gefunden – eine kleine Sensation in Zeiten vor dem Kühlschrank, die er dem Museum Niedersulz zur Verfügung stellte.

In der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts hatte die Familie Böhm das Areal erworben, im Bereich des großen Tores beim heutigen Parkplatz hatte Johann Böhm mit der Getränkefirma „Soda-Böhm“ Kracherl und Sodawasser in Glasflaschen auf Lizenz hergestellt, bis das Gewerbe 1972 stillgelegt wurde. Danach startete Franz Schrenk hier 1980 einen Handel von elektronischen Komponenten, der heute als RS Components ein wichtiger Arbeitgeber in der Bezirkshauptstadt ist. Nachdem RS in die Albrechtser Straße übersiedelte, wurde das ehemalige Wirtshaus von der Jungen Volkspartei als Veranstaltungsort genutzt.

Mieter für Geschäft & Büro gesucht

Als Schwingenschlögl die Immobilie 1999 erwarb, zeugte noch die alte „Frucade-Mauer“ von der früheren Sodawasserfabrik. Er ließ sie zugunsten der dringend notwendigen Parkfläche abtragen, sanierte zentrale Gebäudeteile. „Wir haben uns sehr wohlgefühlt hier“, sagt er. Der auffällige Standort an der hoch frequentierten Landesstraße habe der Firma lange Zeit gute Dienste geleistet.

Darauf setzt auch die Familie Vogelsinger-Waitz. Geschäft im Erdgeschoß und Büro im Obergeschoß seien durch den Vorbesitzer sehr gut instandgehalten worden, sagt Katia Waitz, nur Kleinigkeiten seien zu adaptieren: „Wir möchten dieses sehr schöne Haus so erhalten, wie es ist, und uns für die Geschäftsfläche und das Büro auf die Suche nach Mietern begeben.“ Die Vorzüge der Lage hat der Vorbesitzer selbst genannt. Auch am Parkraum wirds nicht scheitern.

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