Erntezeit in Lagerstraße: „Keine Lärm-Reduzierung“. Weiterer Anrainer rügt Landwirte. Agrana-Stärke-CEO betont, dass auf Verbot hingewiesen wird. Und: „Sind nicht für den Zustand der Straße verantwortlich.“

Von Markus Lohninger. Erstellt am 18. August 2017 (05:50)
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Seit der vorigen Kampagne erinnern Verkehrszeichen bei der Agrana-Ausfahrt zur Lagerstraße daran, dass ein Einbiegen in Richtung Herz-Jesu-Kirche für Lkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge verboten ist. Ob sich Lieferanten daran halten, das kann die Agrana freilich nicht beeinflussen.
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Erntezeit ist alljährlich Lärmzeit in der holprigen Lagerstraße – weil einzelne Zulieferer von Lagerhaus und Agrana mit leeren Traktoren nicht über die Albrechtser Straße und Umfahrung/B41 abfahren, sondern eben über die Lagerstraße mitten durch Wohngebiet.

Auf den vorwöchigen NÖN-Bericht zum Thema reagierte Ernst Cizek: Hatte die Familie Spindler aus der Lagerstraße auf das Problem aufmerksam gemacht und Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) für eine erfolgreiche Vermittlung gedankt, so sieht Cizek keine Besserung. Es sei, wie er schreibt, weder eine Reduzierung der Lärmbelastung gegeben, noch sei damit zu rechnen.

Im Gegenteil: „Die Geruchs-, Lärm- und Staubbelästigung wird immer unerträglicher.“ Den ganzen Juli über seien die Anrainer der Agrana mit Baulärm wegen Abbruch-Arbeiten konfrontiert gewesen, wie berichtet werden aktuell etwa 40 Millionen Euro in eine Kapazitäts-Erweiterung und die künftige Veredelung der Kartoffelpülpe investiert.

Das war, wie Cizek fürchtet, „vermutlich erst der Anfang der Lärmorgie in der Lagerstraße. Bereits in wenigen Tagen wird die Anlieferung der Kartoffeln gestartet, und jeden Tag bis Ende des Jahres werden wieder hunderte Traktoren über die ‚Rumpelpiste‘ Lagerstraße rollen“.

„Wollen so viel Rücksicht wie möglich nehmen“

Von Politik und Behörden fühlt er sich mit dem Problem alleine gelassen (fordern würde er Lärmmessungen während der Kampagne), Beschwerden von Anrainern bei Agrana hätten bisher nichts gebracht.

Dass die Fabrik im bewohnten Gebiet steht und die Verarbeitung von jährlich 250.000 Tonnen angelieferten Kartoffeln von 1.350 Bauern ihre Geschäftsbasis bilden, kann heute nicht mehr geändert werden. „Diese Rahmenbedingungen sind in Jahrzehnten entstanden“, beteuert Stärke-Geschäftsführer Josef Granner von Agrana.

Er bittet daher während der Bauarbeiten um Nachsicht: Der gute Geschäftsverlauf ziehe die eine oder andere Investition nach sich, „wie bei manchem Einfamilienhaus-Besitzer gibt es Phasen, in denen man etwas mehr Toleranz von Anrainern erbitten muss. Wir möchten niemanden belästigen, wollen auf unsere Nachbarn so viel Rücksicht wie möglich nehmen und sind daher dankbar für jede Meldung, um gezielt reagieren zu können.“

„Wenn jemand anruft und mit dem Werksleiter oder Josef Granner direkt verbunden werden will, dann wird er das.“Granner

Granner weist darauf hin, dass die Portierstelle rund um die Uhr telefonisch erreichbar sei und jede übermittelte Information in einem eigenen Buch vermerkt und dem Werksleiter vorgelegt werde. Und: „Wenn jemand anruft und mit dem Werksleiter oder Josef Granner direkt verbunden werden will, dann wird er das.“

Regelmäßige Lärmmessungen gebe es am Werksgelände jetzt schon. Bei Traktoren, die durch die Lagerstraße krachen, sieht er den Einfluss der Agrana allerdings begrenzt. Natürlich werde auf die richtige Route und das Drosseln des Tempos hingewiesen, zugleich würden Traktoren immer besser und ruhiger werden. Dass sich Bauern an Vorgaben auch halten, liege aber nicht im Entscheidungs-Bereich der Firma. „Wir sind auch nicht für den Zustand der Straße verantwortlich“, ergänzt Granner.

Das liegt in der Zuständigkeit der Stadtgemeinde. Dort ist man laut Bürgermeisterin Rosenmayer bezüglich einer Sanierung „in einem Nachdenk-Prozess für die beste Lösung. Ich ersuche aber noch um etwas Geduld.“