Filmforum: Traurig in eine neue, fremde Welt. Filmforum zeigte „Ein bisschen bleiben wir noch“ – und Worte des Regisseurs.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 09. September 2021 (04:53)
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Die Vorführung des Filmforums Gmünd ließen sich Ernst Wurz, Simone Brodesser, Bernd Marin, Erika Hager und Werner Neuwirth (vorne) sowie Johannes Neuhold, Thomas Arthaber und Reinhard Linke (hinten) nicht entgehen.
Sebastian Dangl

Der Herbst ist eingeläutet und damit das neue Programm des Filmforums Gmünd. Gezeigt wurde das Flüchtlingsdrama „Ein bisschen bleiben wir noch“. Bei der Kooperation mit der Waldviertel Akademie wäre ursprünglich auch Regisseur Arash T. Riahi für ein Gespräch nach der Vorführung eingeladen gewesen. Dieser musste allerdings kurzfristig absagen, wandte sich aber per Videobotschaft an die Kinobesucher.

So erzählte er von seiner eigenen Vergangenheit als Flüchtlingskind, die ihm auch als Inspiration für den Film diente. Mit acht Jahren, dem selben Alter wie Filmcharakter Oskar, kam Riahi aus dem Iran nach Österreich. „Es war abenteuerlich und poetisch. Einerseits war ich traurig, Kindheitsfreunde und die große Familie zu verlieren, andererseits lernte ich eine neue, freie Welt kennen, in der ich mich mit dem Medium Film uneingeschränkt ausdrücken kann“, erzählte der Regisseur.

„Ein bisschen bleiben wir noch“ handelt von den tsche tschenischen Flüchtlingskindern Oskar und Lilli, die seit sechs Jahren mit ihrer Mutter in Österreich leben. Als sie abgeschoben werden sollen, unternimmt die Mutter einen Suizidversuch. Dieser führt zwar zu einem Aufschub, jedoch auch zur Trennung der Geschwister. Nicht aufgebend, versuchen die Kinder ihre Mutter zu finden und zu fliehen. Die Romanvorlage „Oskar und Lilli“ von Monika Helfer setzte Arash T. Riahi als bittersüße Odyssee um.

„Ich weiß, dass bereits sehr viele Filme das Thema behandeln. Ich wollte deshalb etwas Anderes daraus machen. Das Leben ist nicht immer schwarz und weiß. Ohne Humor kann man diese Probleme nicht überleben“, betont Riahi. Eine neue, poetische Sichtweise sei das Ziel gewesen, um die verschiedenen Aspekte des Lebens als Flüchtling zu zeigen. „Ich hoffe, ich kann mit meinem Film vermitteln, dass wir alle gleich sind, egal woher wir kommen.“ Als nächstes wird vom Filmforum am 8. Oktober der Dokumentarfilm „Epicentro“ über das postkoloniale Kuba gezeigt.