Frausein in der Gegenwart: Führen auf Teilzeit. Diskussion am Weltfrauentag: Was der Status Quo ist, was Quoten bringen, und wohin die Reise geht.

Von Michael Schwab. Erstellt am 18. März 2018 (04:03)
M. Schwab
Bei der Diskussion der Frauenberatung: Elisabeth Eckhart, Jutta Göschl (Schulzentrum), Claudia Steininger (Asma), Moderator Markus Lohninger, Petra Wagner (AMS) und Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (v.l.).

Gleicher Lohn, Schutz vor Gewalt, Frauenquoten, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – diese zentralen Forderungen des aktuell laufenden Frauenvolksbegehrens standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in der Frauenberatungsstelle in Gmünd anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich und des Weltfrauentages am 8. März.

NÖN-Redaktionsleiter Markus Lohninger moderierte die Diskussion, an der Elisabeth Eckhart (Frauenberatung Waldviertel), Jutta Göschl (Direktorin Schulzentrum Gmünd), die Gmünder Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, die Geschäftsführerin der Asma GmbH in Weitra Claudia Steininger und Petra Wagner vom Arbeitsmarktservice Gmünd teilnahmen.

„Wenn alle Frauen in leitenden Positionen sein sollen, dann bleibt irgendwann keine Zeit für den Nachwuchs mehr.“ Claudia Steininger, Geschäftsführerin Asma GmbH

Es kristallisierte sich heraus, dass Frauen stets darum kämpfen mussten und müssen, wenn sie ihre Interessen durchsetzen wollen. „Man darf nichts als fix hinnehmen, geschenkt wird den Frauen nichts. Es ist daher notwendig, sich auch gegen den Mainstream zu stellen und Forderungen zu stellen, auch auf die Gefahr, sich damit manchmal lächerlich zu machen“, sagte Eckhart.

Petra Wagner gab einen Überblick über die Frauenarbeitslosigkeit im Bezirk Gmünd. Ende Februar waren 706 von 1.985 Arbeitslosen im Bezirk Frauen. Besonders Frauen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, hätten es am Arbeitsmarkt schwer. Je rund ein Drittel der arbeitslosen Frauen suchen ihr zufolge eine Vollzeit- bzw. Teilzeitstelle, ein weiteres Drittel würde Vollzeit genauso wie Teilzeit nehmen. Beim Thema Frauenvolksbegehren war es vor allem die geforderte Frauenquote, die beim Podium auf wenig Gegenliebe stieß. Kritikpunkte waren, dass man Frauen nicht zwingen könne, Führungsaufgaben oder ein politisches Amt zu übernehmen, und dass eine verpflichtende Quote praxisfremd und zudem mit Nebenwirkungen auf die Bereitschaft, Kinder zu bekommen, behaftet sei.

Claudia Steininger zeigte vor, wie sich das Dilemma „Führungspositionen für Frauen und Familie“ lösen lassen kann – mit Führung in Teilzeit, ein Modell, das sie selbst als Geschäftsführerin bei Asma vorlebt. Verbesserungen würden aufgrund eines Umdenkens unter jungen Menschen sukzessive erreicht werden. Auch Direktorin Göschl sieht einen solchen Wandel, bei jungen Frauen und auch Männern. Jedenfalls, so Göschl: „Eine 50:50-Quote entspricht nicht der Wirklichkeit, sie ist nicht erfüllbar.“ Selbiges sagte auch Bürgermeisterin Rosenmayer, eine fixe Quote in der Politik führe dazu, dass man engagierte Männer abweisen und manche Frauen überreden müsste, „aber wenn ich jemanden überreden muss, dann ist es nicht gut.“

Eckhart verteidigte als Einzige die Notwendigkeit einer Frauenquote: „Wir sehen im internationalen Vergleich, dass es dort, wo es eine Quote gibt, auch Verbesserungen im Engagement von Frauen in Politik und Führungspositionen gibt.“