Gerda Apfelthaler nach 46 Jahren im Gym in Pension. Vier Direktoren und die Umstellung auf die elektrische Schreibmaschine hat sie erlebt.

Von Karin Pollak. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:23)
Gerda Apfelthaler übergibt nach 46 Jahren das Sekretariat des Gmünder Gymnasiums an ihre Nachfolgerin Stefanie Kösner. Im Bild von links: Direktor Günter Czetina, Administrator Peter Jillecek, Stefanie Kösner und Gerda Apfelthaler.
Gymnasium Gmünd

Für Gerda Apfelthaler sind die Tage als Sekretärin am Gmünder Gymnasium gezählt. Sie geht mit Ende Februar, kurz nach ihrem 65. Geburtstag, in Pension – nach unglaublichen 46 Dienstjahren an dieser Schule. Stefanie Kösner aus Steinbach (Brand-Nagelberg) wird ihre Nachfolgerin.

„Eigentlich kann ich es noch gar nicht realisieren, dass ich bald viel mehr Zeit fürs Wandern, Walken oder Radfahren habe, mich mehr um meinen einjährigen Enkel kümmern und spontan etwas unternehmen kann. Die streng getaktete Zeiteinteilung werde ich nicht vermissen“, sagt Apfelthaler: „Wehmut ist insofern da, als mir die täglichen persönlichen Kontakte und die Gemeinschaft sicher fehlen werden.“

Steno und Internat

Dafür kann sie viele Erinnerungen aus ihrer langen Berufslaufbahn mitnehmen. Schon die Ausbildung in der Handelsschule Zwettl war für sie prägend: „Ich war im Internat der Schulschwestern und durfte nur alle zwei bis drei Wochen zum Wochenende nach Hause. Nur eine Stunde pro Woche gab es Ausgang, da mussten wir aber unsere Schulsachen beschaffen. Spaziergänge gab es, in Zweierreihen, begleitet von den Klosterschwestern.“ Die Absolventen der Handelsschule waren gefragt. Großbetriebe aus Wien hätten direkt in der Schule ihre offenen Stellen beworben. So kam Apfelthaler im August 1973 zur Generaldirektion der Bundesforste nach Wien. „Ich wollte aber zurück in die Heimat und bewarb mich beim Bund um die Stelle als Sekretärin im Gym Gmünd“, berichtet sie. Den Posten trat sie im Februar 1975 an.

Mit vier Direktoren zusammengearbeitet

Damals leitete erst kurze Zeit Direktor Adolf Trötzmüller die Schule. Mit Gerhard Mautner, Franz Spiesmeier und Günter Czetina, der seit 2013 die Schule leitet, gab es insgesamt vier Direktoren. „Elektrische Schreibmaschine, das händisch geführte Kassabuch im Durchschreibeverfahren mit Kontoblättern und Matrizen als Vorlage zum Drucken, das waren damals die technischen Errungenschaften. In Spitzenzeiten trugen wir von 633 Schülern die Noten händisch in Listen ein, rechneten für die Statistiken den Notendurchschnitt für jeden Schüler aus“, erzählt Apfelthaler, die es in der Handelsschule bei einem Wettbewerb auf 3.051 Anschläge in zehn Minuten auf der mechanischen Schreibmaschine mit einer Fehlerquote von 0,29 Prozent gebracht hatte. Beim Stenografieren schaffte sie 160 Silben in einer Minute.

Neue Technologien

1988 habe es das erste Textprogramm „Pharao“ am Computer gegeben, vor rund 25 Jahren das erste Schülerstammdaten-Programm. „Unglaublich waren die technischen Veränderungen, heute bearbeiten wir im Serviceportal Bund online SAP-Verrechnungen und Schülerstammdaten“, berichtet Apfelthaler, ebenso von laufenden Fortbildungen.

Nicht nur die Technik, auch das Aufgabengebiet habe sich extrem verändert: „Weil ein Schüler kein Handy hatte, war ich als Sekretärin auch eine Art Mamaersatz und half, wenn der Bus versäumt wurde, tröstete beim Verlust der Geldbörse, verarztete Schürfwunden und Blasen, während heute die Eltern deren Anliegen an die Schule richten. Schüler waren früher mehr auf sich selbst gestellt.“

Ausnahme seien Apfelthalers eigene Kinder gewesen, die beide das Gmünder Gymnasium besucht haben. „Da wusste ich sofort Bescheid, wenn einmal etwas nicht gepasst hat. Sie konnten nichts verheimlichen.“ Auch die Zusammenarbeit mit den Lehrern sei in den vielen Jahren freundschaftlicher geworden, die Hierarchien von damals gebe es heute nicht mehr.

Den Traumjob gefunden

„Ich kann sagen, dass ich einen Job gefunden habe, der mich ausfüllt und mir große Freude bereitete. Ich bin als humorvoller und positiv eingestellter Mensch sehr gut durch diese Jahre gekommen, habe jede Herausforderung als Möglichkeit zur Neuorganisation gesehen. Heute noch vergeht ein Arbeitstag wie im Flug. Ich würde diesen Job wieder machen“, sagt Apfelthaler, die ihrer Nachfolgerin Stefanie Kösner weiterhin bei Fragen hilfreich zur Seite stehen will.

Übergabe im März. Stefanie Kösner (22) besuchte die Unterstufe des Gmünder Gymnasiums und kennt dadurch die Schule und auch einige Lehrer. Sie maturierte an der HLF Krems und probierte danach beruflich einiges aus. Jetzt bewarb sie sich beim Bundesdienst und wird ab März als Sekretärin am Gym Gmünd angestellt. Die Zeit bis dahin nützt sie zum freiwilligen Schnuppern. „Es wird nicht einfach, in die Fußstapfen von Gerda Apfelthaler zu treten. Es gibt enorm vieles zu lernen und ich bin mir sicher, dass ich ab März zu rotieren beginne. Aber ich freue mich auf diese Aufgabe.“

Abschied naht

Direktor Günter Czetina schmerzt der Abschied von der langjährigen Sekretärin. „Ich bin aber zuversichtlich, dass die Übergabe an die Nachfolgerin ohne Probleme stattfinden wird. Dankenswerterweise wird Gerda Apfelthaler ja trotz Pension weiterhin für Auskünfte zur Verfügung stehen“, betont der Direktor.