Glasfaser-Werk: Millionenbau im Endspurt. Kurze Phase des Feierns im 50-Mio.-Euro-Projekt: Schon im Juli sollen Maschinen anlaufen. NBG-Belegschaft soll noch heuer auf 160 Köpfe anwachsen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Februar 2020 (05:52)
Für die gewaltige Produktionsanlage von 80kg schweren Glasfaser-Rohlingen wurde die Dachgleiche gefeiert.
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Das derzeit spannendste Bauprojekt des Waldviertels hat eine wichtige Hürde genommen: Beim 50 Millionen Euro schweren Bau der dann weltweit modernsten Produktionsanlage für Glasfaser-Rohkörper („Preforms“) der NBG Fiber GmbH in Gmünd wurde mit den Projektpartnern die Gleichenfeier begangen.

Innerhalb der Branche liege man zeitlich immer noch „auf Weltrekord-Kurs“, freut sich Geschäftsführer Andre Schönauer über den reibungslosen Ablauf. Bereits diese Woche werden erste, bis zu 19 Meter hohe Großtanks installiert – müssen doch am Ende 100.000 Liter Wasserstoff, 63.000 l Sauerstoff, 95.000 l Helium und 60.000 l Stickstoff sicher verwahrt werden. Für Anfang April wird der Start im neuen Bürogebäude anvisiert.

Finnland-Gmünd-Connection

In der Produktion an sich ist noch etwas mehr Geduld gefragt. Ebenfalls im April wird hier aber ein wichtiges nächstes Etappenziel erwartet, wenn aus Finnland erste Teile eines umfassenden Maschinenparks angeliefert werden sollen. Mehr als 70 Sattelschlepper mit Ware aus dem hohen Norden werden bis Juni in Gmünd erwartet, mit deren Fracht ein ausgeklügelter Stationenbetrieb aufgestellt werden soll: Die etwa 80kg schweren Glasfaser-Rohlinge entstehen in einem fast partikelfreien Reinraum in insgesamt mehr als 120-stündigen Prozessen, bei denen Gase zu reinstem Gas verwandelt werden. Mehr als 2.500 Kilometer Glasfaser sollen aus einem solchen Rohling „gezogen“ werden können. „Für Juli ist die erste Inbetriebnahme geplant“, blickt Schönauer voraus.

Dicke Verbindungen zum Access-Park

Für die Rohlings-Produktion wird ein alljährlicher Stromverbrauch von 11 Mio. kWh erwartet, was dem Bedarf von etwa 2.750 Einfamilienhäusern entspricht. Für den Bedarf an Gas – der im Bereich von etwa 500 Einfamilienhäusern liegt – musste die EVN-Tochter Netz NÖ wie berichtet extra eine starke neue Gasleitung quer durch die Altstadt von der Firma Baumann-Dekor bis in den Access-Industrial-Park graben. Alleine die Reinraumlüftung könnte mehr als 600 herkömmliche Wohnungen versorgen.

NBG wird „grün“

Dass das für die Umwelt kein Spaß ist, ist den Verantwortlichen klar, sie haben daher bereits eine Reihe an „grünen“ Maßnahmen am NBG-Areal gesetzt. Im früheren Kubator-Gebäude, das neuerdings unter dem Titel „NBG-Hive“ („beehive“: Englisch für Bienenstock) firmiert und im Vorjahr von Grund auf modernisiert wurde, wurden unter anderem etwa 500 Lampen auf LED getauscht. Am Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von bis zu 200 Kilowatt-Peak montiert – die bei kräftigem Sonnenschein für Stromautarkie in allen drei bisherigen NBG-Gebäuden im Access-Park inklusive der FCT-Kabelfertigung sorgen soll.

Bienen schwirren um den „NBG-Hive“

Zwei Bienenstöcke waren bisher am NBG-Areal stationiert, heuer soll eine eigene Blumenwiese angelegt werden – und ein dritter Bienenstock dazu kommen. Im „NBG-Hive“ selbst steht die Modernisierungs-Welle – mit Investitionskosten „knapp im sechsstelligen Eurobereich“ – laut Firmengründer Karl Bauer direkt vor dem Abschluss: Auch hier soll es so richtig grünen, unter anderem auch mit lebendem Moos an den Wänden. Andre Schönauer: „Es wird ein Herzeigeprojekt!“

Die neue Klimaanlage für das gesamte Gebäude soll komplett autark betrieben werden. Vor dem Haus warten zwei Tesla-E-Fahrzeuge als Pool-Autos darauf, von Mitarbeitern benutzt zu werden, auch das neue Glas-Produktionswerk wird mit eigenen Ladestationen ausgestattet.

Im Bienenkorb wurlt es

Schon vor dem Start ist der „NBG-Hive“ räumlich laut Bauer restlos verplant, „wir sind bummvoll“. Etwa 60 Mitarbeiter sollen hier künftig arbeiten – mehr, als vor fünf Jahren in der kompletten NBG-Holding mit allen Gesellschaften beschäftigt waren. 45 Stellen seien im Vorjahr dazu gekommen, nicht nur dank der Erweiterung um die komplette Fiber-Optic-Abteilung von Eaton Industries und 3D-Druck-Pionier Bernstein aus Hoheneich (für Interessierte: Open-Day am 18. Februar!). Für 2020 sind noch einmal etwa 50 neue Stellen budgetiert, sagt Bauer, „wir werden im Lauf des Jahres auf etwa 160 Mitarbeiter wachsen“.