Kafka & Jesenská: Liebesgeschichte an der Grenze. Zwei Figuren der Weltliteratur trafen sich vor 100 Jahren in Gmünd. Autor Thomas Samhaber stellt ihre Texte zusammen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 03. November 2020 (16:30)
Richard Pils präsentiert das in seinem Verlag „Bibliothek der Provinz“ erschienene Buch „Begegnung an der Grenze“ (kleines Bild). Autor Thomas Samhaber widmet sich darin der Liebesgeschichte von Franz Kafka und Milena Jesenská, die sich vor 100 Jahren in Gmünd getroffen haben.
Archiv/Feilinger

Interessante Neuerscheinung im Verlag Bibliothek der Provinz über eine Begegnung vor genau hundert Jahren in Gmünd: „Begegnung an der Grenze“ heißt das Buch des in Harmanschlag wohnhaften Kulturmanagers Thomas Samhaber, das sich dem deutschsprachigen Juden Franz Kafka und der tschechischsprachigen Katholikin Milena Jesenská widmet.

„Begegnung an der Grenze“
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„Das Lesebuch zeigt die Begegnung von zwei besonderen Menschen in einer besonderen Zeit an einem besonderen Ort. Es ist auch als ‚Tribute‘ an die faszinierende Person Milena Jesenská, die großartige Essayistin und Widerstandkämpferin, gedacht. Und macht eine besondere Liebesgeschichte wieder lebendig“, zeigt Thomas Samhaber auf, der Originaltexte mit einem ‚Panorama‘ über die kleine Weltstadt Gmünd/Čmunt v Czechách im Jahr 1920 ergänzte. In diesem Jahr, also genau vor 100 Jahren, trafen Kafka und Jesenská einander an der tschechisch-österreichischen Grenze: „Ihre Begegnung findet an einem Ort und in einer Situation statt, die man mit nur einem Wort beschreiben könnte, das erst später in den weltweiten Sprachgebrauch kommen sollte: kafkaesk“, so Samhaber.

Denn dieses Jahr brachte nicht nur für die beiden Liebenden, sondern auch für die in Gmünd lebenden Menschen eine Zäsur, hier wurde genau zu dieser Zeit die Staatsgrenze zwischen der Tschechoslowakei und Österreich, zwischen dem Bahnhof und der Stadt Gmünd neu gezogen.

Dieses schicksalhafte Treffen der beiden Liebenden in Gmünd fand jedenfalls seinen Niederschlag in den „Briefen an Milena“ und damit Eingang in die Weltliteratur. Franz Kafka ist heute unbestritten einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Milena Jesenská hingegen ist vorwiegend als „Kafkas Freundin“ bekannt, ihre großartigen Essays und Schriften, ihre Aktivitäten im Widerstand gegen die Nazis, kennen hingegen nur wenige.

Milena: Mehr als nur Kafkas Freundin

„Es gibt eine unübersehbare Anzahl an Büchern von und über Franz Kafka aber nur wenige über Milena Jesenská. Dieses Lesebuch ist das erste, das seine und ihre Texte gleichwertig nebeneinanderstellt.

Thomas Samhaber recherchierte zu Kafka&Jesenská.
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Man erhält so einen neuen Blick auf diese Liebesgeschichte, die Eingang in die Weltliteratur gefunden hat und die in Gmünd ihren Zenit erlebte“, betont Samhaber, und: „Aufbauend auf die vielen Vorarbeiten der Lokalhistoriker habe ich diese Texte um ein Panorama über das Umfeld der Begegnung ergänzt.“

Diesem besonderen Liebespaar wird sich auch das Kulturfestival „Übergänge-Přechody“, das Thomas Samhaber organisiert, im Juli 2021 mit zahlreichen Veranstaltungen ein Denkmal setzen. Schon heuer - genau zum 100 Jahr Jubiläum – fand in Kooperation mit der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft eine kleine Wanderung und Lesung in Gmünd und České Velenice statt, die einen unerwartet großen Zuspruch fand (die NÖN berichtete).

Das Lesebuch mit einem lokalhistorischen Panorama (192 Seiten, ISBN 978-3-99028-959-4) gibt es im Buchhandel, beim Verlag www.bibliothekderprovinz.at oder beim Autor selbst: sam@ild.cc; 06647150 53 48.