Trauer um früheren Gmünder Bezirkshauptmann Scherz. Franz Scherz (87) ist verstorben. Sichtbares Vermächtnis ist das heutige Gebäude der Bezirkshauptmannschaft.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:00)
Der einst langjährige Gmünder Bezirkshauptmann Franz Scherz verstarb im 88. Lebensjahr.
privat

Den Ruhestand hat er in seiner Wahlheimat Horn verbracht, ein sichtbares Vermächtnis prägt aber noch heute das Stadtbild seiner langjährigen Wirkungsstätte in Gmünd: Der frühere Bezirkshauptmann Franz Scherz, der Mitte der 1990er Jahre auch den Bau der Bezirkshauptmannschaft in der Schremser Straße zunächst eingeleitet und dann begleitet hatte, ist am 27. Juni im 88. Lebensjahr verstorben.

Unerwartet traf sein Ableben trotz des fortgeschrittenen Alters nicht nur seine ihm immer ein großes Anliegen gewesene Familie, sondern auch langjährige Weggefährten. „Für mich war er bis zuletzt gesund“, sagt etwa der frühere Gmünder Bürgermeister Otto Opelka, der im Jahr 1995 noch von Scherz angelobt worden war, und auch nach dessen Pensionierung bis zuletzt in regem Kontakt gestanden war.

„Ich habe Franz Scherz für seine ruhige, ausgeglichene und integre Art sehr geschätzt – ich kann mich an keinen Konflikt in der Zusammenarbeit erinnern.“ Otto Opelka

Der Verstorbene sei das „Sinnbild eines verantwortungsvollen Beamten“ gewesen, erinnert sich Opelka: „Ich habe ihn für seine ruhige, ausgeglichene und integre Art sehr geschätzt – ich kann mich an keinen Konflikt in der Zusammenarbeit in der Behörde und auch beim Roten Kreuz erinnern. Für mich persönlich war er ein väterlicher Mentor, von dem ich sehr viel gelernt habe.“ Der Bezug zu Gmünd ging nach der Pensionierung mit Jahresende 1997 nie verloren, Scherz blieb Mitglied im Pensionistenverein und Lionsclub Waldviertel, kam auch mit seiner Gattin regelmäßig zu Treffen zurück.

Im Waldviertel eine neue Heimat gefunden

Aufgewachsen im Bezirk Neunkirchen, hatte es den Juristen Franz Scherz bereits zum Beginn seiner Laufbahn im Landesdienst 1959 ins Waldviertel verschlagen. An seinem ersten Dienstort Waidhofen lernte er seine spätere Gattin Maria kennen, gründete mit ihr eine Familie und wurde hier auch privat sesshaft.

Bereits in der Thayastadt wirkte er am Neubau der Bezirkshauptmannschaft mit, war viele Jahre lang Bezirkshauptmann-Stellvertreter, dann für ein Jahr Stellvertreter in Gänserndorf und für drei Jahre Stellvertreter in Horn (1978-1981) – wohin er schließlich ein letztes Mal mit seiner Familie übersiedelte.

Im Jahr 1981 ereilte ihn der Ruf des Gmünder Bezirkes, dessen oberster Verwaltungsbeamter er bis zur Pensionierung war. Fast genauso lang war er Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz. Er habe immer die enge Bindung zur Bevölkerung und zu den Institutionen gesucht, hatte der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll Ende 1997 die Leistungen, die Kompetenz und das Engagement des Hofrates Scherz gewürdigt.

Auch der heutige Gmünder Bezirkshauptmann Stefan Grusch, den aufgrund des gemeinsamen Wohnortes Horn eine jahrzehntelange Bekanntschaft mit der Familie Scherz verbindet, findet nur positive Worte über den Verstorbenen. „Franz war ein sehr konsensorientierter Mensch, immer bemüht, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen“, sagt Grusch. Dieser Ausgleich sei gerade in seiner Zeit besonders wichtig gewesen: „Er hat die sensiblen Jahre am Eisernen Vorhang noch gekannt. Der Ausgleich war auch durch die weitaus stärkeren politischen Spannungen im Vergleich zu heute nicht einfach.“

„Ich habe unheimlich viel Lebenserfahrung sammeln dürfen“, blickte Scherz vor drei Jahren im NÖN-Gespräch dankbar auf seine früheren Herausforderungen zurück. Seine positive Lebenseinstellung behielt er sich bis zu seinem Ableben bei.

Franz Scherz war Träger des großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich sowie des silbernen Komturkreuzes für Verdienste um das Bundesland NÖ. Er wird am 10. Juli, 14 Uhr, unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen in der Aufbahrungshalle des Friedhofes Horn eingesegnet, zur Stephanskirche begleitet und nach der Begräbnisfeier am Familiengrab zur letzten Ruhe bestattet.