Mühlenmuseum: Entscheidung naht. Stadtgemeinde will historische, voll funktionsfähige Mühle wieder beleben und auch Kraftwerk wieder aktivieren. Noch ist aber die Finanzierung zu klären.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. September 2016 (07:00)
NOEN, Markus Lohninger
Die Bodenstorfer-Mühle ist die letzte von einst fünf Mühlen in Gmünd. Jahrzehnte nach der Einstellung des Betriebes könnte das Haus für touristische Zwecke reaktiviert werden – die Verhandlungen über den Verkauf an die Stadtgemeinde sind in der Endphase.

Drei Jahre ist es her, dass der Gemeinderat den Entwurf eines Rohkonzeptes zur Nutzung der Bodenstorfer-Mühle an der Ecke Litschauer Straße und Mühlgasse in Auftrag gab. Danach wurde es lange Zeit ruhig um das denkmalgeschützte Gebäude, das einst eine von fünf Gmünder Mühlen beherbergt und zwischen 1569 und 1979 regelmäßig gemahlen hatte.

In den Gemeinderat gelangte sie erst wieder im März 2016, weil es sich der Holzwurm in den alten Gemäuern gemütlich gemacht hatte und sich die Stadtgemeinde neben Besitzer, Denkmalamt und Land NÖ an der Bekämpfung beteiligt hatte.

In den vergangenen Tagen verdichteten sich allerdings die Gerüchte, dass in Sachen Museum eine grundsätzliche Entscheidung bevorstehen könnte. „Ja, es besteht immer noch starkes Interesse der Gemeinde am Erhalt und Weiterbetrieb des Gebäudes. Allerdings gilt es zunächst noch, Fragen der Finanzierung zu klären“, bestätigt Finanz-Stadtrat und Vizebürgermeister Hubert Hauer (AfG) auf NÖN-Nachfrage. Der Schätzwert habe sich in Gutachten seit dem Erststand auf einen „unmöglich finanzierbaren Betrag“ versechsfacht.

Haus als Museum, das auch Ökostrom erzeugt

Es könne sich allerdings eine Einigung auf anderer Ebene abzeichnen, sagt Hauer: „Wir versuchen, die Frage noch im Lauf des Jahres zu klären.“ Dem kommt entgegen, dass auch die Erben des letzten aktiven Müllers der Stadt – Othmar Bodens

torfer sen. verstarb im Frühjahr 2013 mit 99 Jahren als ältester Bürger Gmünds – starkes Interesse am Erhalt seines Lebenswerkes zeigen, selbst aber mit Wohnsitzen in der Ferne dafür nicht aufkommen können. Othmar Bodenstorfer jun., einst im oberen Management von Audi tätig, pendelt wie berichtet zwischen Lebensmittelpunkten in Brasilien, Ingolstadt (D) und seiner Heimatstadt Gmünd, die er für seine HTL-Ausbildung schon als 14-Jähriger verlassen hatte.

Die Stadtgemeinde verspricht sich vom Erwerb des Hauses zweierlei Nutzen – einerseits könnte die immer noch funktionsfähige Mühle als „lebendes Museum“ touristisch zugänglich gemacht werden, andererseits könnte das dazu gehörende Kleinkraftwerk für eine Investition von etwa 70.000 Euro instand gesetzt werden. Hauer: „Das Geld würde sich nach sechs bis acht Jahren rechnen, ab da Würde es bereits gewinnbringend laufen.“

Tourismus-Stadtrat Alexander Berger (ÖVP) reizt neben der Aussicht der Stadtgemeinde, bei laufendem Betrieb mit geringem Personalaufwand zur Erzeugerin von Ökostrom zu werden, auch der touristische Faktor. „Das Museumskonzept ist in der damals erarbeiteten Dimension kaum erfüllbar. Aber die Mühle ist erhaltenswert – etwas in dieser Art gibt es ansonsten in der weiteren Umgebung nicht mehr“, sagt Berger. Ihm schwebt vor, die Anlage mit Schautafeln auszustatten und so zu sanieren, dass sie im Zuge von Führungen wieder begehbar wird und auch in einen Schaubetrieb gehen kann. Auch er steigt in Sachen Kaufpreis allerdings auf die Bremse: „Wir würden damit schließlich auch eine Menge Arbeit kaufen.“

Zur Sache

  • In der Bodenstorfer-Mühle – einst „Bruckmühle“ – an der Ecke Litschauer Straße und Mühlgasse wurde zumindest seit dem Jahr 1569 nachweislich Getreide gemahlen.
  • Im Jahr 1778 kam sie in den Besitz der Familie Bodenstorfer und wurde von ihr in der Folge 200 Jahre lang betrieben, bis Othmar Bodenstorfer sen. als letzter Müllermeister der Stadt seine Pensionierung antrat.
  • Keines seiner zwei Kinder wollte die Mühle danach weiter betreiben, der Betrieb wurde 1979 eingestellt, die Geräte sind aber nach Aussagen der aktuellen Besitzer immer noch voll funktionsfähig. Der Vater lebte bis zu seinem Tod im 100. Lebensjahr (2013) im Wohntrakt der Mühle.
  • Noch unter dem nunmehrigen Alt-Bürgermeister Otto Opelka (SPÖ) wurden im Jahr 2010 Gespräche über den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes gestartet, 2013 gab der Gemeinderat einstimmig den Auftrag für ein Rohkonzept zur Schaffung eines Mühlenmuseums.