NBG holt ganze Eaton-Abteilung. Fiber-Optic-Team von Eaton wechselt mitsamt Kundenstock & Lager zu Glasfaser-Vorreiter: Ein Wiedersehen mit Ex-Kollegen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:53)
M. Lohninger
Übersiedelungs-Arbeit bei NBG-Home: Die Fiber-Optic-Abteilung von Eaton zog von Schrems nach Gmünd. Am Bild: NBG-CEO Karl Bauer, Thomas Kothbauer, NBG-Home-Geschäftsführer Walter Bogg, Elisabeth Amon, Gerhard Schandl, Ronald Müller, Michael Hofbauer, Erwin Pfeiffer, Günther Schuhmacher, Andrea Kammerer, Daniela Schattauer und Eveline Grafenberger (von links; nicht am Bild: Produktionsleiter Christian Kellner).

Nächste Etappe am Expansionskurs der NBG-Holding um Karl Bauer: Wenige Monate nach Eingliederung von 3D-Druck-Pionier Bernstein aus Hoheneich und inmitten der Arbeiten zum 50-Mio-Euro-Werk für die Produktion von Glasfaser-Rohkörpern in Gmünd wurde vorige Woche von Eaton Industries die komplette Fiber-Optic-Abteilung inklusive Belegschaft, Kundenstock, Maschinenpark und Lager übernommen.

 „Ich renne mein ganzes Leben dem Unique Selling Point nach. Der Schritt schafft dieses Alleinstellungsmerkmal.“ Karl Bauer, CEO

 Kreis schließt sich. Für NBG schließt das einen Kreis. 23 Jahre, nachdem Bauer und Mitstreiter diese Abteilung verlassen, ihr eigenes Ding gestartet, nach und nach ein Netz weit über alle möglichen Glasfaser-Facetten bis zur Sensorik gespannt hatten, folgte die Eaton-Abteilung ihren ehemaligen Mitarbeitern in den Access-Industrial-Park.

Warum Fiber-Optic zum Glasfaser-Pionier? Warum NBG über seine Tochter NBG-Home – mit Geschäftsführer Walter Bogg, einst Entwicklungs- und später Exportleiter in der Nachrichtentechnik von Eaton – überhaupt eine Fiber-Optic-Abteilung dazuholte? Weil dieses erste Kerngeschäft der Gmünder, das auf den „passiven Netzbau“ etwa hinsichtlich Hausanschluss-Kästen fokussiert, bei NBG anno 2006 unterm Druck eines stockenden Marktes verkauft wurde. „Jetzt ist die Zeit für den Netzaufbau gekommen, wir wollten die Sparte sowieso stärken, hier wieder stärker mitmischen“, sagt Bauer angesichts zunehmender Investitionen der öffentlichen Hand in Glasfaser.

Belegschaft bereits aufgestockt. „Mitmischen“ möchte er – ganz Karl Bauer – auf der Überholspur. Das neunköpfige Team von Eaton wurde gleich zum Start um zwei Entwickler aufgestockt. Der Bereich soll intensiv modernisiert werden, dann hält Bauer auch aufgrund des internationalen Netzes der NBG auch eine Verdreifachung des Geschäftsergebnisses für möglich.

Eaton Industries wollte diese Sparte auslagern und sich verstärkt auf das Kerngeschäft in Energie-Management und -Verteilung konzentrieren, wird Geschäftsführer Fernando Ceccarelli in einer Aussendung zitiert: „NBG ist der ideale Partner für die nächste Entwickungsphase der Fiber-Optic-Einheit.“

Höchstes Lob an Eaton. Karl Bauer verliert über seinen früheren Arbeitgeber nur positive Worte. Eaton sei es nicht einfach nur um den Verkauf und schnelles Geld gegangen, sondern habe höchsten Wert auf eine reibungslose Übernahme mit einer bestmöglichen Lösung für die Belegschaft, den Kundenstock und das Portfolio gelegt. Bauer: „Es brauchte keine Kompromisse. Die Art der Lösungssuche war bis zum Ende vorbildhaft.“ Er habe alle Mitarbeiter mit allen Ansprüchen übernommen.

Im Stammhaus, das 2018 zur Eingliederung der Glasfaser-Installations-Firma Flexkom reaktiviert worden war, mussten Adaptierungen vorgenommen werden, um das Firmen baby und dessen in acht Sattelschlepper-Ladungen gelieferten Material- und Lagerbestand integrieren zu können.

„Ich renne mein ganzes Leben dem Unique Selling Point nach. Der Schritt schafft dieses Alleinstellungsmerkmal“, schmunzelt Bauer: „Er rundet das NBG-Portfolio ab, schafft gemeinsam mit dem Sensorikbereich neue Möglichkeiten, und wird auch Bernstein weiter beleben.“

100-Mitarbeiter-Marke geknackt. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Belegschaft der NBG-Gruppe auf mehr als hundert Mitarbeiter verdoppelt. Selbst das ist ein Zwischenschritt: Bei NBG-Fiber sollen vor dem Produktionsstart für Glasfaser-Rohkörper bis Februar noch 30 Leute angedockt haben. Im zweiten NBG-Gebäude, dem früheren Kubator, werden 35 weitere Arbeitsplätze für die Holding geschaffen. Das Haus wurde entkernt, wird innen neu aufgebaut. Bis November soll ein „modernstes Bürogebäude“ mit flexiblen Arbeitsplätzen bis hin zu Kommunikationsinseln bereit stehen.