Regionaler Handel: Shopping mit Mehrwert. Expertin: kleine, inhabergeführte Fachgeschäfte als Verlierer des Online-Shopping-Booms. Gmünder Händler wollen mit Image-Kampagne dagegen ankämpfen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 01. Februar 2017 (05:03)
NOEN, Shutterstock/Ivanko80
Die Interessensgemeinschaft „Echt Gmünd“ will mit einer Kampagne gegen den Trend des Online-Shoppens vorgehen.

Entwicklungen in der großen weiten Welt des Einkaufens machen auch vor der Bezirkshauptstadt Gmünd nicht Halt. „Oft wird es gar nicht mehr in Betracht gezogen, in ein regionales Geschäft zu gehen“, mahnte Unternehmerin Birgit Stark bei der Generalversammlung der Gmünder Kaufleute („Echt Gmünd“) am 26. Jänner im Hotel Sole-Felsen-Bad vor einem „massiven Problem“.

Stark sprach als Geschäftsführerin der gleichnamigen Buchhandlung und auch als Englischlehrerin am Schulzentrum – wo sie hautnah miterlebt, wohin der Ball in Sachen Einkaufs-Gewohnheiten rollt. Es brauche, so die Gemeinderätin, eine kräftige Image-Kampagne für die regionale Wirtschaft, die auch in Richtung Aktivismus gehen könne. Stark: Man müsse, klar aufzeigen, welchen Anteil an der Stadtentwicklung die „Echt Gmünd“-Betriebe durch Kommunalsteuer-Abgaben für die Beschäftigten leisten, wie viele Arbeitsplätze sie direkt ermöglichen, wie viele Familienexistenzen dadurch in der Region gesichert werden – und wie das alles am Ende mit der Aufrechterhaltung des alltäglichen Lebens bis eben zum Fortbestand schulischer Einrichtungen zusammenspielt. „Auch die Weihnachts-Beleuchtung gäbe es ohne ‚Echt Gmünd‘ in der Form gar nicht“, sagte die Gmünderin, die vor sechs Jahren mit dem Mix aus Buchhandlung und Café-Lounge einen Traum verwirklicht hatte.

 „Oft wird es gar nicht mehr in Betracht gezogen, in ein regionales Geschäft zu gehen.“ Birgit Stark schlägt Alarm

Sie sprach ein Problem an, das laut „Echt Gmünd“-Obmann Josef Hag ohnehin für die nächsten Wochen auf der Agenda der Kaufmannschaft steht – und das auch überregional zunehmend Thema wird. Eben erst nannte die Handelsforscherin Beate Hollbach-Grömig laut Austria Presse Agentur (APA) kleine, inhabergeführte Fachgeschäfte als die großen Verlierer des Online-Shopping-Booms. Dabei sei der Einkauf im Internet keinesfalls die Ursache der Entwicklung, sondern nur ein Verstärker. Ihre Conclusio laut APA: Einzelhändler sollten Auswahl und Verfügbarkeit von Waren forcieren, Personal als „erfolgskritischen“ Faktor sehen und stärker schulen; zugleich liege es an den Gemeinden, den Zugang zu den Fachgeschäften – etwa durch Investitionen in Ortszentren, Stärkung des Wohnens in den Zentren und bessere Park-Möglichkeiten – zu verbessern.

Parken im Zentrum wird kundenfreundlicher

Gerade Letzteres wurde bei der Sitzung von „Echt Gmünd“ beklagt. Dass die Stadtgemeinde durch den Park-Sheriff wie in der NÖN berichtet viel Geld von Parksündern in Kurzparkzonen einnimmt freue ihn, sagte Fleischermeister Gottfried Wandl: Vor allem an Nachmittagen sei im Zentrum mittlerweile meist Parkfläche im Überfluss vorhanden. Dennoch werde oft schon bei minimalem Überziehen der Parkzeit gestraft. Das hält er für kundenfeindlich, „man sollte überdenken, ob man nicht zumindest zu gewissen Zeiten Lockerungen einführen könnte.“

Josef Hag pflichtete ihm bei, bei Einführung der Park-Sheriffs habe es Engpässe gegeben, „die Notwendigkeit hat sich aber geändert“. Dass die Kennzeichnung von Kurzparkplätzen deutlicher sein könnte, wurde mehrfach vorgebracht. Wirtschafts-Stadtrat Alexander Berger (ÖVP) betonte, dass an einer Überarbeitung des Modells gearbeitet werde: Ihm zufolge sollen die Kennzeichnung verbessert und die Parkzeit auf 120 Minuten verlängert werden. In der Sache steht er aber hinter dem Strafen: „Ich kann auch in Wien vergessen, einen U-Bahn-Schein zu lösen, dann zahle ich genauso.“

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich jedenfalls an sich der Gmünder Einkaufsscheck, wie Obmann Hag festhielt – 330.000 Euro sind daraus im Jahr 2016 erlöst worden, laut Hag ein Plus von 12 Prozent.

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