Eine Lehre an der Behörde. Sara Ertl ist erster „Verwaltungslehrling“ an der Gmünder Bezirkshauptmannschaft: Warum ihr die Ausbildung gefällt, und welche Chancen sie damit hat.

Von Red. Gmünd und Brigitte Kögler. Erstellt am 05. April 2021 (05:04)
Freuen sich über den Erfolg der „Verwaltungslehre“: Sebastian Stark, Margit Göll, Karin Preißl-Stubner, Sara Ertl und Christoph Haumer.
B. Kögler

Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten für junge Leute in der Region – das ist ein Thema, mit dem sich Landtagsabgeordnete Margit Göll und JVP-Bezirksobmann Sebastian Stark seit einiger Zeit intensiv beschäftigen (die NÖN berichtete): „Job im Waldviertel? Es gibt attraktive Lehrberufe und der Bedarf an Fachkräften ist da“, wissen beide und wollen solche Lehrberufe mit Zukunft vorstellen. Den Anfang macht der Beruf „VerwaltungsassistentIn“ am Beispiel der 15-jährigen Sara Ertl aus Weitra, die seit September 2020 im ersten Lehrjahr an der Bezirkshauptmannschaft Gmünd tätig ist.

Lange kein Lehrling – aber trotzdem Erfahrung. Bezirkshauptmann Stefan Grusch erklärt, warum man zum ersten Mal seit 1977 wieder einen Lehrling an der BH beschäftigt: In den nächsten Jahren werden viele Mitarbeiter in Pension gehen, die sollen mit selbst ausgebildeten Personen nachbesetzt werden. „Es ist geplant, jährlich mindestens einen Lehrling aufzunehmen“, betont Grusch.

Da die BH seit Jahren im Sommer Praktikanten aus den höheren Schulen im Bezirk beschäftige, habe man bereits viel Erfahrung mit der Ausbildung junger Menschen. Zusätzliche Attraktivität bekommt die BH als Lehrbetrieb dadurch, dass der schulische Teil im Rahmen der dualen Ausbildung an der Landesberufsschule Schrems absolviert werden kann.

Was tun Verwaltungsassistenten? Sie arbeiten im Bürodienst, hauptsächlich in der öffentlichen Verwaltung, bei Behörden oder in Krankenhäusern – aber auch in großen Unternehmen und Institutionen. Der große Unterschied zu einem klassischen Büroberuf ist der Fachbereich, wie Karin Preißl-Stubner, Direktorin der LBS Schrems, erklärt: „Am Lehrplan stehen pro Woche sechs Stunden Verwaltungsorganisation. Im ersten Lehrjahr ist das Kanzleiorganisation, im zweiten Buchhaltung im öffentlichen Bereich bis hin zu einem vertieften Wissen über Verwaltung im dritten Jahr.“

Sara Ertl über ihren Alltag: „Ich öffne eingehende E-Mails, scanne schriftliche Poststücke ein und gebe Erstauskunft am Telefon.“ Für die Lehre habe sie sich entschieden, weil ihr die Schulabläufe nicht mehr gefallen hätten und sie eigenes Geld verdienen wollte. Wichtiger Pluspunkt: Sie kann neben der Lehre die Matura machen. Spannend an ihrem Lehrbetrieb findet sie die verschiedenen Abteilungen. Auch wenn sie coronabedingt noch nicht das ganze Haus im Vollbetrieb kennengelernt hat, wie Bezirkshauptmann Grusch anmerkt: „Das ist eine Herausforderung für den Lehrlingsausbildner, da sich derzeit fast 50 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice befinden.“

Vom Lehrling zur Bezirkshauptfrau? Besagter Lehrlingsbeauftragter ist Christoph Haumer, vom Bereich Jugend & Soziales. „Wir brauchen gute, junge Leute, darum wollen wir für diesen Beruf Interesse erwecken.“ Mit der „Lehre mit Matura“ stünden nach dem Lehrabschluss alle Karrierechancen offen. Auch ein berufsbegleitendes Studium werde von Seiten der BH unterstützt. Man könne auch alle paar Jahre in einen anderen Bereich oder nach St. Pölten wechseln: „Grundsätzlich kann Sara Bezirkshauptfrau werden, alles steht ihr frei.“

LBS Schrems: Etwa 60 Schüler mehr als im Vorjahr. Durch die Vermittlung des Berufsbildes, zum einen durch den Lehrbetrieb, zum anderen durch die Berufsschule, gebe es in der Ausbildung einen idealen Praxisbezug, sagt LBS-Direktorin Preißl-Stubner: „Gerade im öffentlichen Bereich haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, die Ausbildner arbeiten gezielt mit den Lehrlingen und fördern sie, eine fundierte Ausbildung wird auch durch Jobrotation gewährleistet. Bei uns erfolgt dann die fachliche Vertiefung.“
Dass die Lehre gefragt ist, zeigen Zahlen: An der LBS Schrems gibt es heuer etwa 60 Schüler mehr als im Vorjahr, bei der Verwaltungsassistenz gibt es eine Steigerung um 16 auf nun 34.

Sebastian Stark verweist auf eine Online-Jugendumfrage der JVP im Dezember mit 255 Teilnehmenden. Knapp vier von fünf Personen haben dabei angegeben, dass sie sich für die Zukunft ihren Lebensmittelpunkt im Bezirk Gmünd wünschen. „Wir wollen verschiedene Lehrberufe vor den Vorhang holen und Möglichkeiten für junge Leute, in der Region zu arbeiten, aufzeigen“, erklärt Margit Göll. Weitere Aktionen sollen unternommen, der nächste Lehrberuf bald vorgestellt werden.

Lehrlingsinfos auch per Video. Mit ins Boot geholt wurden Sandra Kern und Silvia Hraby vom NÖAAB, die zum Motto „Lehre öffnet Türen“ Videogeschichten über verschiedene Lehrausbildungen produzieren. Dabei sollen Fragen beantwortet werden: Wie lange dauert die Ausbildung? Wo ist die Berufsschule? Was genau sind die Aufgaben? Verwaltungsassistenz-Lehrling Sara Ertl ist nun die Erste, deren Video demnächst auf der NÖAAB-Website abrufbar ist. Hier können sich auch weitere Lehrlinge melden, die ihren Beruf vorstellen möchten.

Sara Ertl will jedenfalls ermutigen: „Macht das, was euch gefällt – und lasst es euch nicht ausreden.“