Schuller zu Gyn-Kassenstelle: „Absolute Gaunerei“. Ärger nicht nur bei Stauffer: Kollege Schuller gab Kassenstelle nicht freiwillig ab.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. August 2019 (09:41)
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Gab die Kassenstelle unfreiwillig auf: Gynäkologe Thomas Schuller.

Vielfältige Reaktionen rief der Bericht über die seit Monaten ausgeschriebene Kassenstelle für Gynäkologie in Gmünd hervor. Nach Mohammad Heydaris Gang in den Ruhestand war Dietmar Stauffer der einzige Interessent für die Stelle gewesen – der darf wie berichtet nicht übernehmen, weil er bereits einen Kassenvertrag als Allgemeinmediziner hat. Die Gyn-Praxis betreibt er derzeit nur als Wahlarzt. Der Waidhofner Kassen-Gynäkologe Thomas Schuller, der auch eine Wahlarzt-Praxis in Wien betreibt, wurde provisorisch mit einer reduzierten Kassenstelle in Gmünd betraut.

Dass auch dieses Provisorium endete, hinterließ indes bei Schuller – der zum vorwöchigen Beitrag nicht erreicht wurde – üblen Nachgeschmack: Die Ärztekammer habe ihm die bereits erteilte Bewilligung für Gmünd wieder entzogen, klagt er nun über eine „absolute Gaunerei. Die Stellen, die am meisten über den Ärztemangel klagen, sabotieren…“

Nur zwei Berufssitze pro Arzt gestattet

Die Kammer rechtfertigt das dadurch, dass Schuller die Verrechnungs-Möglichkeit in Gmünd wegen zweier bestehender Ordinationen im Bundesgebiet nicht nutzen könne. Sprecherin Sigrid Ofner: „Ärztinnen und Ärzte dürfen laut Ärztegesetz österreichweit nur zwei Berufssitze haben.“ Gmünd sei die dritte Ordination gewesen.

Thomas Schuller kontert, er habe vorschriftsgemäß um die Stelle angesucht und bei der Kammer von Haus aus das Betreiben bereits zweier Ordinationen angegeben. Gmünd habe in der geplanten und zugesagten Konstellation aber nicht die Rolle einer vollen Dritt-Ordi gespielt, sondern die einer vorübergehenden Vertretung für sechs Wochenstunden unter anderem ohne eigene Infrastruktur und Verrechnung.

„Man hätte diese Konstellation sofort verbieten müssen oder sie belassen sollen, bis eine fixe Besetzung gefunden ist“, sagt er heute. Auch seitens des Klinikums Gmünd, wo die provisorische Praxis eingerichtet worden war, habe man sich „irrsinnig um diese vorübergehende Lösung bemüht“, Geld für Adaptierungen in die Hand genommen. Auch er habe durch Aufkündigung der Bewilligung „keine geringen Verluste“ erlitten.

Das in Gmünd diskutierte Angebot von Dietmar Stauffer, neben dem Kassenvertrag als Praktischer Arzt fix die Kassenstelle für Frauenheilkunde & Geburtshilfe zu besetzen, hält Berufskollege Schuller jedenfalls auch für keine gute Lösung. Zwei volle Kassenstellen zugleich seien im gleichen Fach denkbar, in verschiedenen Fächern aber nicht erlaubt (darauf hat auch Bezirksärztesprecher Christoph Preißl verwiesen) und zeitlich unvereinbar. Stauffer könne die Kassenstelle als Praktiker zurücklegen und jene als Gynäkologe annehmen, rät Schuller: „Gmünd verdient und braucht einen Kassen-Gynäkologen.“