Tochter zeigte Mutter an. Mit ihren langen Fingernägeln verletzte eine Mutter die 13-jährige Tochter bei der Nase leicht. Sie wurde freigesprochen. Beide wollen ein „neues Leben“ starten.

Von Karin Pollak. Erstellt am 07. März 2020 (05:37)
Symbolbild
APA/Webpic

Eine Mutter auf der Anklagebank, ihre Tochter als Opfer – dieses eher ungewöhnliche Bild gab es am Gmünder Bezirksgericht.

Die 13-Jährige zeigte ihre Mutter wegen einer Körperverletzung an, sie habe nach einer „Watsche“ von ihrer Mutter leicht aus der Nase geblutet.

„Meine Mutter hat Angst gehabt. Ich habe sie schon einmal gestoßen, und da wäre sie fast über die Stiege gefallen.“ Die 13-jährige Tochter

Die Mutter, die laut Bezirksrichter zwei Vorstrafen mit noch offenen Probezeiten aufzuweisen hat, zeigte sich über den „ungewollten“ Vorfall betroffen und beteuerte mehrfach, ihr tue das alles sehr leid. „Wir haben gestritten, weil meine Tochter etwas nicht wegräumen wollte. Da wurde sie schnippisch und hat sich aufgepudelt. Ich habe geglaubt, sie würde mich stoßen, daher habe ich mit der linken Hand ausgeholt und hab sie leider mit meinen langen Fingernägeln im Gesicht erwischt“, erzählt die Mutter vor Gericht.

Das Mädchen sei nach diesem Streit ins Bad gelaufen, habe etwas später ihren in der Nähe wohnenden Vater aufgesucht. „Wir sind geschieden, haben kein gutes Verhältnis. Er hat gemeint, dass meine Tochter das anzeigen soll. Gemeinsam sind sie dann zu Polizei gegangen“, so die Mutter weiter.

„Wollten Sie ihre Tochter gezielt schlagen?“, fragte der Richter. „Ich habe meine Tochter noch nie geschlagen, ich hab mich eingeengt gefühlt. Blut habe ich bei meiner Tochter aber keines gesehen“, antwortete die Mutter, die der Bezirksanwältin über eine positive Änderung der familiären Situation berichtete: „Meine Tochter hat keinen Kontakt mehr zum Vater, wir suchen uns eine andere Wohnung und haben mehr Kontakt zum Jugendamt.“

Dieses gab der Tochter auch Unterstützung bei der Gerichtsverhandlung. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes begleitete sie als „Kollisionskuratorin“. Die Jugendliche bestätigte die Aussage ihrer Mutter und auch, dass ihre Verletzung in der Nase leicht und nur punktuell gewesen sei. „Meine Mutter hat Angst gehabt. Ich habe sie schon einmal gestoßen und da wäre sie fast über die Stiege gefallen“, betont das Mädchen.

Letztlich sprach der Richter die Mutter im Zweifel von der Körperverletzung frei. „Ich glaube nicht, dass sie ihre Tochter verletzen wollten.“ Rechtskräftig.