Umwälzungen beim Glasfaser-Pionier. NBG will Maschinenpark von Kabel-Tochter FCT massiv erweitern – und alle Firmen auf gemeinsamem Werksgelände unter NBG-Dach vereinen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 19. August 2018 (04:53)
2,5-Millionen-Euro-Projekt für CEO Karl Bauer: Die drei NBG-Gebäude werden zu einem Werksgelände zusammengefasst, die Reaktivierung des Stammhauses (hinten) ermöglicht eine kräftige Investition ins FCT-Kabelwerk.
Markus Lohninger

Während sich der langerwartete Netzbau in der Breitband-Pilotregion „Waldviertler StadtLand“ dem Ende zuneigt, hat auch Glasfaser-Pionier NBG im Access-Industrial-Park in Gmünd mit insgesamt etwa 80 Mitarbeitern eine Großbaustelle gestartet: Ebenfalls mit etwas Verzögerung lief die Zusammenfassung der drei Firmenstandorte zum großen Werksgelände mit einheitlichem Außenauftritt an. Inklusive einer Aufrüstung der NBG-Tochter FCT werden etwa 2,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

Kern des Ganzen ist die Reaktivierung des einst weißen, zuletzt ungenutzten NBG-Stammhauses vis-à-vis des Gründerzentrums. Die Fassade wird baulich und farblich an den Firmensitz an der L62 angepasst, also in klassische NBG-rote Kubenform gegossen. Die Dächer müssen, so CEO Karl Bauer, von Gesetzes wegen verstärkt werden, um die doppelte Schneelast tragen zu können. Im Inneren wurden alle wesentlichen Wände abgetragen und ein neues Raumkonzept umgesetzt, das Gebäude wird inklusive Sanitärbereich generalsaniert.

„Was nicht direkt mit der Produktion zu tun hat, wird hierher übersiedelt“, sagt Bauer. Das betrifft auch Lager, Forschung & Entwicklung – etwa mit Hochdruckkammer zur Meeres-Simulation, Kabeltester für bis zu 850 Grad Hitze oder einem Zugprüfstand mit 50 Kilonewton zum Test der Reißfestigkeit. Im Oktober soll auch die NBG-Tochter „flexKom“, die mit 17 Mitarbeitern den klassischen Glasfaser-Netzbau erfüllt, von Weitra hierher übersiedelt werden.

Algerien: Größter Auftrag der Firmengeschichte

In der Produktionshalle soll FCT ab Herbst zu hundert Prozent auf die Herstellung hochsensibler „Fiber in Metal Tubes“ (FIMT), in die die Glasfaserstränge eingebettet werden, fokussieren. Der zusätzliche Platz soll die Anschaffung eines dritten Maschinenparks ermöglichen, der laut Bauer dringend nötig ist: „Wir arbeiten seit zwei Jahren am Anschlag, mussten innerhalb eines Jahres den FCT-Personalstand um die Hälfte auf 30 Mitarbeiter anheben.“ Zeitweise wird sogar in vier Schichten mit Wochenende gefahren.

In Algerien wird derzeit der in Kabelkilometern bisher größte Auftrag der Firmengeschichte abgearbeitet. Die Nordafrikaner erneuern das Energienetz – die Blitzschutzseile, die wegen der Bodenbeschaffenheit nur im Freien montiert werden können, werden mit robusten Glasfaserröhrchen ausgestattet. FCT hat bereits Aufträge für die ersten 4.500 des 6.000 km langen Netzes, gut die Hälfte davon ist schon ausgeliefert.

Im Zuge der Zusammenfassung des Betriebsgeländes soll auch der Außenbereich in den kommenden Wochen neu gestaltet werden – inklusive Garten mit kleinem Teich, Fahnengalerie als optischem Rahmen oder einem Sensorik-Vorführbereich für Kunden und Schulungen im Bereich des „Kubators“ (der ebenfalls neu gefärbelt wird). Geplant ist hier etwa, ein kleines Erdöl-Rohr zu verlegen, sagt Bauer: „Ziel ist es, verschiedene Mess-Möglichkeiten in der Praxis greifbar zu machen.“

Wie steht es um Pläne für den Glas-Koloss?

Die Frage, die viele Gmünder seit dem NÖN-Exklusivbericht im vorigen Sommer beschäftigt: Was ist aus den Plänen zum Bau einer bis zu 36 Millionen Euro teuren, 80 Meter breiten und 23 Meter hohen Produktionsstätte für die Glas-Rohmasse (Preform) direkt an der Litschauer Straße im Access-Park geworden?

Das Projekt lebe, es durchlaufe „verschiedenste Prozesse“, betont der Geschäftsführer der für das Projekt gegründeten NBG Fiber GmbH, Andre Schönauer. Vor allem: „Die geplante Dimension ist inzwischen noch weiter gewachsen – auch daher kam die Verzögerung.“ Noch heuer solle auch in den letzten Fragen Klarheit herrschen, betonen Schönauer und Bauer.

Der wuchtige Bau, der die Außenansicht auf die Bezirkshauptstadt von Nagelberg aus wesentlich verändern soll, soll seit Jahren grassierende Engpässe beheben helfen. Ziel ist es, in hochtechnischen und hochintelligenten chemischen Prozessen reinste Glaskörper zu erzeugen, aus denen dann die feinen Glasfasern für schnelles Internet & Co gezogen werden können.