Nach APA-Ausgliederung: Software mit Waldviertlern. Doris Pokorny und Philipp Dörre leiten gemeinsam Wiener Software-Spezialisten Gentics.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 03. Mai 2021 (04:56)
Doris Pokorny ist in Gmünd aufgewachsen, bei Gentics kümmert sie sich ums Finanzielle. Der gebürtige Waidhofner Philipp Dörre ist bei Gentics fürs operative Geschäft zuständig.
Melcer PR/ privat

Dass sich zwei Waldviertler als Geschäftsführer einen Namen in einem Software-Unternehmen machen, ist aus Zufall entstanden: Die gebürtige Gmünderin Doris Pokorny – ledig hieß sie Poperahatzky – ist seit 2013 Finanzchefin der Austria Presse Agentur (APA) und übernimmt nun Führungsaufgaben bei Gentics Software – einem bald wieder eigenständigen Geschäftsbereich der APA-IT GmbH. Ihr Kollege in der Geschäftsführung ist der gebürtige Waidhofner Philipp Dörre.

Beide begleiten auch den Ausgliederungsprozess. Dörre kam 2011 gleich nach dem Studium zu Gentics, damals war das Unternehmen noch eigenständig, ehe es 2015 mit der APA-IT GmbH fusioniert wurde. Gekannt haben einander die beiden vor ihrer Tätigkeit bei Gentics aber nicht.

„Mir gefällt, dass ich aktiv an der Strategie mitarbeiten und mitgestalten kann.“ APA-CFO Doris Pokorny

Von Bad Großpertholz zu KPMG. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr hat Doris Pokorny in Bad Großpertholz gelebt, übersiedelte dann mit der Familie nach Gmünd. Dort schloss sie das Gymnasium ab. Nach der Matura ging es – wie für so viele andere – nach Wien, wo sie an der Wirtschaftsuni Handelswissenschaften studiert hat. „Ich wollte schon immer in den Finanzbereich. Ich bin eher ein Zahlenmensch“, sagt Pokorny. Über ein Praktikum kam sie dann zu KPMG – einem großen Wiener Wirtschaftsprüfer. Einer ihrer Kunden: die APA, bundesgrößte nationale Nachrichten- und Presseagentur.

Bei KPMG habe sie in viele Unternehmen reingesehen – was spannend war, erzählt sie. Aber: Ihr blieb nur die beratende Funktion. Vor acht Jahren ereilte sie der Ruf in die Geschäftsführung der APA, Pokorny ist dort jetzt CFO (Chief Financial Officer). „Mir gefällt, dass ich wirklich aktiv an der Strategie mitarbeiten und mitgestalten kann“, sagt sie. Was sie dabei besonders beschäftigt? Die Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse.

Ein Ausgleich zum Job. Bei der APA wird Pokorny weiter tätig, in der Gentics-Geschäftsführung hauptsächlich für finanzielle und rechtliche Fragen zuständig sein. „Es gibt viel zu tun, es ist aber auch eine interessante neue Aufgabe“, sagt sie.

Einen Ausgleich findet die Wahl-Wienerin in Waldviertel-Besuchen. Ihre Mutter lebt noch in Gmünd, über das Elternhaus als Rückzugsmöglichkeit ist sie sehr froh. Seit Kurzem ist sie Mitglied im Golfclub Weitra – und hat die Waldviertler Natur zu schätzen gelernt. Freilich sind es auch einige Freunde aus der Jugendzeit, die Doris Pokorny noch mit Gmünd verbinden.

Was ist Gentics? Gentics Software entwickelt unter anderem Content Management- und E-Government-Lösungen, stellt auch die dafür erforderliche Infrastruktur und Software zur Verfügung. Sechs Jahre war es in die APA IT eingegliedert, im Sommer soll das Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern wieder eigenständig werden. Der Ausgliederungsprozess fällt auch in den Verantwortungsbereich der Finanzchefin Pokorny.

Webentwickler wurde zum Abteilungsleiter. Einen ähnlichen Werdegang hat Philipp Dörre: Er ist in Waidhofen aufgewachsen, studierte nach dem Gymnasium in Wien Medieninformatik. Gleich danach kam er als Webentwickler zu Gentics. Nur: „Es hat sich herausgestellt, dass ich zwar ambitioniert war, aber als Webentwickler weniger talentiert“, schmunzelt er. Ganz so schlimm dürfte es nicht gewesen sein: Als Projektleiter hat er etwa den Relaunch von wko.at begleitet, ist 2013 zum stellvertretenden Leiter des Solutions Center bei Gentics aufgestiegen. Vor der Fusion mit der APA IT war er gar einer von drei Abteilungsleitern.

Als Bereichsleiter hat auch er den Ausgliederungsprozess der Gentics vorangetrieben. In der Geschäftsführung wird er sich ums Operative kümmern – also dafür sorgen, dass Projekte auch wirklich umgesetzt werden. Im vergangenen Jahr habe man aufgrund der coronabedingten Digitalisierungswelle Wachstumspotenzial gespürt, sagt Dörre. Den Web- und IT-Bereich sieht er insgesamt als „volatiles Feld“.

Ein bekanntes Sportgesicht. Übrigens: Wem der Name Philipp Dörre bekannt vorkommt, der kennt ihn vermutlich aus dem Sport. Als Fußballer, Tennisspieler und Handballer ist er im gesamten Waldviertel kein unbekanntes Gesicht. Als Obmann des Vereins „Rollstuhltennis Austria“ ist er außerdem an der Organisation des Rollstuhltennis-Turniers in Groß Siegharts beteiligt, das auch heuer wieder abgesagt werden musste.

Zurück zu Gentics. Das klassische Produkt des Software-Herstellers zielt auf den deutschen Sprachraum. Zu den Kunden gehören Wirtschafts- und Arbeiterkammer – aber auch Swarovski und Magenta. Mit einem Open Source-Produkt werden weltweite Kunden aus verschiedenen Branchen angesprochen, besonders hier erhofft sich Dörre noch weiteres Wachstum. Trotz des steilen Karriereweges klingt der 35-Jährige im NÖN-Gespräch recht bescheiden. Dass er es von der Webentwicklung zum Geschäftsführer geschafft hat, sei auch manchen Zufällen zu verdanken.