FJB-Pläne: Verdruss an Basis und Wirbel nach NÖN-Story. Neue Debatte um Ausbaupläne und Europaspange nach Exklusivbericht zu Cityjet-Abzug.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. Juni 2019 (05:50)
„Pro FJB“-Initiator Gerald Hohenbichler wird ungeduldig.
F: Archiv

Für Aufregung sorgte die NÖN-Exklusivmeldung über Pläne, das Cityjet-Material im Dezember von der Franz-Josefs-Bahn Richtung Wien abzuziehen und mit aufgewerteten Doppelstock-Garnituren zu ersetzen.

Selbst der aus Gmünd kommende Gerald Hohenbichler (Initiative „Pro FJB“) las erst in der NÖN von dieser „schallenden Ohrfeige für Waldviertler Fahrgäste“, in Onlineforen ging es weniger um Komfort-Fragen als um die Signalwirkung und das Gefühl, dass dem Waldviertel was genommen und das als Erfolg verkauft werde.

Seit 1991 werde der Ausbau versprochen, „er wurde noch jedes Mal gebrochen. Setzt sich diese Tradition fort?“, poltert Hohenbichler, der nach dem 2016 präsentierten, dreistufigen Ausbauplan von Land NÖ und ÖBB eher ruhige Töne angeschlagen hatte – zumal eben mit Anschaffung erster Cityjets ein „symbolischer Akt für eine Aufbruchsstimmung sorgte“.

Strategische Prüfung Teil von Gesamtkonzept

Der angekündigte typenreine Cityjet-Einsatz hätte, so Hohenbichler, Trassenkonflikte durch alte Brems- und Beschleunigungstechnik eliminieren sollen und ab Dezember 2019 Fahrzeit-Verkürzungen von 15 Minuten zwischen Gmünd und Wien zugelassen. Nun erlösche aber, bevor Maßnahmen wie der Trassenbau durch das „Allentsteiger Knie“ (Ersparnis: 17 km) oder Schnellzüge von Budweis über Gmünd und Tulln nach Wien angebahnt sind, das erste Zeichen für den guten Willen. Hohenbichler: „Man wähnt sich in der Vergangenheit, da wurde auch immer das älteste Material ins Ausgedinge auf die FJB verschoben. Die Pendler haben es satt, vertröstet zu werden!“

Ihn ärgert auch, dass ein Ausbau der FJB inzwischen durch die „Strategische Prüfung Umwelt“ mit der Vision einer „Europaspange“ für eine hochrangige Straße verknüpft wird. Er fordert vom Land NÖ Aufklärung darüber, was geprüft wird und was der Stand der Dinge ist.

Landesrat Ludwig Schleritzko will Bahn & Straße in Gesamtkonzept.
NÖN-Archiv

Vom zuständigen VP-Landesrat Ludwig Schleritzko heißt es auf NÖN-Nachfrage zunächst, dass für die FJB vorgesehene Doppelstock-Züge nicht die Wunschlösung, aber auch kein „Ramschmaterial“, unter anderem neu gepolstert und mit WLAN ausgestattet, sein sollen. Aber, so Schleritzko: „Straße und Bahn sind nicht trennbar, nur die Straße oder die Bahn alleine macht nichts besser.“

Es gebe regelmäßige Gespräche mit Asfinag und ÖBB. Zudem müssten Pläne in ein Gesamtpaket samt Maßnahmen zur Regionalentwicklung – von Bildung über Gesundheit, Kinderbetreuung bis zu Mitteln gegen den Fachkräftemangel und für die Attraktivierung der Wirtschaftsparks – gefasst werden. Mit dem Regionalverband sei vereinbart, dass dieser regionale Initiativen fasse, zugleich geschehe etwa mit den neuen HAK-Schwerpunkten oder dem Bau des grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums Gmünd bereits einiges.

270-Mio-Euro-Projekt für Tschechien

Die im Jänner initiierte Strategische Prüfung als rechtliche Basis für Ausbauten soll zwei Jahre lang dauern. Bis dahin soll mit den Bundesbahnen verhandelt werden, welche Maßnahmen vorgezogen werden können.

Hohenbichler, der mehr als 2.000 Unterstützer hat, ruft bei der Gelegenheit ins Bewusstsein, was sich in Tschechien tut: Da wird für die ehemals kaiserlich-königliche Strecke Wien- Gmünd-Prag unter anderem am zweispurigen Trassenbau zwischen Sudoměřice bei Tábor und Votice gearbeitet, der für gut 270 Millionen Euro etwa 20 km Strecke fit für Tempo-160 macht. – Hohenbichler gibt die Hoffnung auf eine nennenswerte Rolle der FJB im internationalen Bahnverkehr inklusive Anschluss an den Flughafen Wien-Schwechat noch nicht auf.