Gerüchte bestätigt: Die Cityjets biegen von der FJB ab. ÖBB bestätigen Rückkehr zu Doppelstock-Material – aber mit WLAN. Und: „Zweiländer-Bahnsteig“ wird wieder Thema.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:00)
ÖBB/Philipp Horak
„Zug ab“, heißt es für den Cityjet aus Waldviertler Sicht ab dem kommenden Fahrplanwechsel im Dezember.

Ein Funken Wahrheit steckt hinter einem Gerücht, das seit einigen Tagen in Gmünd die Runde macht: Die vor fünf Jahren als komfortable und als flotte neue Highlights gefeierten, barrierefreien und vollklimatisierten „Cityjets“ werden mit Fahrplanwechsel im Dezember großflächig von der Franz-Josefs-Bahn abgezogen. Das bestätigt ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf NÖN-Nachfrage.

„Dringend notwendige Leistungsausweitung“

Hintergrund seien keine finanziellen Gedanken, betont Seif. Sondern: Für die Ostregion (NÖ, Wien, Burgenland) müsse das Angebot mit Fahrplanwechsel um etwa zehn Prozent aufgestockt werden, diese „dringend notwendige Leistungsausweitung“ entspreche mit 3,6 Millionen zusätzlichen Angebotskilometern mehr als den gesamten Schienen-Nahverkehr Vorarlbergs. Um diese Menge bewältigen zu können, müssen die Bundesbahnen laut Seif komplett neue Konzepte für den Fahrzeugeinsatz entwickeln.

Die Cityjet-Triebwägen sollen demnach verstärkt im Wiener Schnellbahn-Verkehr zum Einsatz kommen, auf die Franz-Josefs-Bahn sollen primär Doppelstock-Garnituren („Wiesel“) zurückkehren. Diese erfreuen sich allerdings, wie Seif festhält, „großer Beliebtheit und werden aktuell sukzessive upgegradet“. Neben kleinen optischen Veränderungen sollen die Garnituren vor allem „Onboard-Portale“ mit WLAN erhalten – womit ab 2020 der Forderung von FJB-Pendlern nach WLAN in Zügen von und nach Gmünd nachgekommen werde.

Gesundheitszentrum definiert Grenzraum neu

Für die Bahnhofsstadt Gmünd selbst erinnert indes Bahn-Aktivist Gerald Hohenbichler (Initiative „Pro-FJB“) an eine bereits im Jahr 2017 via NÖN verbreitete Idee: Er regte damals die Schaffung eines „Zweiländer-Bahnsteiges“ inmitten der geteilten Stadt Gmünd- eské Velenice mit einem gemeinsamen Tarif an. Als idealen Standort dafür hat er schon 2017 den Bereich um die „Bleyleben“ direkt vor der Grenze genannt, wo die Züge jetzt schon das Land Richtung Tschechien verlassen und der Bahndamm nach früherer Dreispurigkeit sogar schon fit für einen Ausbau wäre.

Das Areal rückte im Mai durch einen viel gefeierten Spatenstich in den Fokus der Öffentlichkeit: In der Bleyleben wird mit dem „Healthacross Gesundheitszentrum Gmünd“ um 2,5 Millionen Euro das erste grenzüberschreitende Gesundheitszentrum Europas errichtet. Dieses erhält bis auf Betten bereits sehr vieles, was eines Tages auch Teil der lange gehegten Vision eines gemeinsamen „Europaklinikums“ an der Grenze sein könnte.

Hohenbichler spricht von lediglich geringem Finanzbedarf und „leichten Baumaßnahmen“, mit denen Abgänge in Gmünd und in eské Velenice realisiert werden könnten.