Vision: Schmalspur-Bahnen über Grenze verbinden. Neue Initiative will 13-km-Lücke zu böhmischer Schmalspurbahn mit 13 Mal mehr Nutzern als W4-Bahn schließen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 27. Februar 2019 (05:00)
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Bahnfreund Ludwig Graf will sich für einen Lückenschluss zwischen der Waldviertler und der südböhmischen Schmalspurbahn einsetzen. Er hat die Initiative „Missing Link“ ins Leben gerufen.

Zur Verbindung industrieller Produktionsstandorte wurden im späten 19. Jahrhundert dies- und jenseits der heutigen Grenze zwischen Waldviertel und Südböhmen Lokalbahnen errichtet: hier die Waldviertelbahn, die von Gmünd aus nach Groß Gerungs, Litschau und am Nebenast nach Heidenreichstein führt; dort die von den „k.k. Staatsbahnen“ gebaute Schmalspurbahn Nová Bystřice-Jindřichův Hradec und weiter nach Obrataň.

Eine Initiative will nun die nur gut zehn Kilometer Luftlinie entfernt liegenden Endbahnhöfe in Litschau und Neubistritz verbinden – und damit das mit etwa 175 Kilometern nach eigener Aussage weltweit „bei weitem größte Netz“ mit der Schmalspur-Weite von 760mm schaffen.

Ludwig Graf: "Idee entstand im Urlaub"

Die Idee entstand wie so viele Ideen im Urlaub, erzählt der Bahnfreund Ludwig Graf, der danach die Initiative „Missing Link“ ins Leben gerufen hat. Im Waldviertel-Urlaub sei der „Weinviertler in Wien“ auf die Parallelen beider Bahnen aufmerksam geworden, sagt er: „Die Schmalspurbahn erlebt eine Renaissance, zugleich sind auf beiden Bahnen noch Dampfloks im Einsatz, was nicht mehr alltäglich ist. Die Verbindung hätte eine weltweite Alleinstellung!“

Schon bald nach Fertigstellung des „Nordastes“ der Waldviertelbahn bis Litschau und mehrmals in den folgenden Jahrzehnten wurden Pläne zum Lückenschluss konkret, umgesetzt wurden sie nie. Ludwig Graf hat sich bereits sehr intensiv mit der Materie befasst, unter anderem Gespräche mit Bahn-Experten, Touristikern und Vertretern des tschechischen Betreibers geführt. Diese bestätigen seine Einschätzung: „Bis jetzt sah ich noch nichts, was einem solchen Projekt im Wege stehen würde. Ich sehe reelle Chancen auf eine Umsetzung.“

„Bis jetzt sah ich noch nichts, was einem solchen Projekt im Wege stehen würde. Ich sehe reelle Chancen aufeine Umsetzung.“Initiator Ludwig Graf

Als ganz groben Richtwert sei ein Experte, so Graf, auf Kosten von etwa 15 Millionen Euro gekommen, dabei dürfe man auf EU-Gelder für ein Projekt hoffen, „das den grenzüberschreitenden Verkehr belebt und Menschen zusammen bringt“.

Auch wirtschaftlich sieht Graf neben der touristischen Erschließung neuer Zielgruppen neue Nutzen für die Waldviertelbahn infolge eines Zusammenschlusses: In Südböhmen werde die Bahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs um die 22.000-Einwohner-Stadt Neuhaus von 400.000 Personen pro Jahr genutzt, ein Teil dieser Masse könnte zu uns überschwappen, wo die Waldviertelbahn im Vorjahr auf nicht ganz 30.000 Fahrgäste kam. Neue Tourismus- Packages wären denkbar.

Land NÖ: Kooperations-Ausbau „nicht geplant“

Ein Ausbau könne auch eine Ausdehnung vom reinen Tourismusbetrieb auf öffentlichen Verkehr zum Thema machen, weist Ludwig Graf auf die ohnehin dürftige Busverbindung von Litschau in Richtung Gmünd hin. Auch ein Güterverkehr könne dann angedacht werden.

Aus dem Büro von Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) wird auf NÖN-Nachfrage auf eine „bereits bestehende Kooperationsvereinbarung“ zwischen Waldviertelbahn-Eigentümerin NÖVOG und böhmischer JHMD verwiesen. „Im Vordergrund steht dabei eine engere touristische Zusammenarbeit und der Austausch von Know-how“, heißt es: „Ein Ausbau dieser Kooperation ist zurzeit nicht geplant.“

Entmutigen lässt sich Ludwig Graf dadurch nicht. Der Maschinenbauer wird im April seinen Ruhestand antreten. Danach will er die Initiative „Missing Link“ zu einer Hauptaufgabe machen. www.missing-link-waldviertel-suedboehmen.eu

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  • Lückenschluss auf Schmalspurbahn: Realistische Vision?