Kino-Neustart wird vorgezogen: Oscar-Preisträger kommt. Waldviertler Kinos planen vorverlegten Neubeginn mit der Musikkomödie „The High Note“, und den erstmaligen Besuch von Oscar-Preisträger Ruzowitzky.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 18. Juni 2020 (05:57)
Narziss und Goldmund: Regisseur Stefan Ruzowitzky – in der Bildmitte neben den Hauptdarstellern (links: Jannis Niewöhner, rechts: Sabin Tambrea) kommt am 5. Juli ins Zwettler Kino.
Jürgen Olczyk/Sony Pictures

Die Waldviertler Kinos in Gmünd und Zwettl melden sich früher als zunächst angekündigt aus der Coronapause zurück: Eigentümerin Julia Gaugusch-Prinz fasst den 26. Juni als Termin für den Neustart ins Auge. Und nachdem sie im Gmünder Kino einst Michael Haneke begrüßt hatte, erwartet sie am 5. Juli mit Stefan Ruzowitzky erstmals auch einen Oscar-Preisträger live vor der Zwettler Leinwand.

Zweiter Anlauf nach Corona-Crash

Der Regisseur, der für „Die Fälscher“ den Auslands-Oscar erhalten hatte, will im Rahmen einer Sonntagsmatinee ab 16.30 seinen an Hermann Hesses Klassiker „Narziss und Goldmund“ angelehnten Film präsentieren – der just am Wochenende vorm Lockdown, als Kinos wegen der nahenden Ausgangsbeschränkungen wie leergefegt waren, Premiere hatte. Als Schauplatz kündigt Gaugusch-Prinz den großen Saal des Zwettler Kinos an: „Entsprechend den Corona-Bestimmungen werden wir etwa hundert der 168 Sitze besetzen können. Die erste Reihe möchte ich komplett frei lassen.“ Das Stift Zwettl war wie die Burg Hardegg einer der Drehorte.

Schwere Ausgangslage

Dass ihr die Kinofans zum Neustart gleich die Tür einrennen werden, erwartet die Chefin der Waldviertler Kinos nach den Erfahrungen der Öffnungen in anderen Branchen nicht – zumal wie berichtet die großen Blockbuster allesamt vertagt wurden. Weh tut ihr, dass nun auch die Premiere der jüngsten Verfilmung der beliebten Rita-Falk-Krimis um Dorfpolizist Eberhofer („Kaiserschmarrndrama“) auf unbestimmte Zeit vertagt wurde. „Leberkäsjunkie“ war im Vorjahr einer der meistgesehenen Filme in ihren Kinos.

Breit gefächertes Programm – und immerhin eine Premiere

„Die Kinos wollen, viele Besucher wollen. Aber die Verleiherseite ist natürlich schwierig, solange Investoren nicht erwarten können, dass sich die Einnahmen zumindest mit den Kosten decken“, sagt Gaugusch-Prinz. Dennoch kann sie ein breit gefächertes Programm bieten, das da ansetzt, wo das Kino zum Lockdown stehen geblieben war. Neben „Narziss und Goldmund“ sollen ab 26. Juni die Actionkomödie „The Gentlemen“ (Guy Ritchie), die deutsche Komödie „Die Känguruh-Chroniken“ und mit der Musikkomödie „The High Note“ um Dakota Johnson („Fifty Shades of Grey“) auch ein Neustart laufen. Letzteres kommt genau am 26. Juni in die Kinos und ist ein Hauptgrund für die vorgezogene Öffnung im Waldviertel, es soll in eine „Ladies Week“ eingebunden sein.

Während der Woche ist die Doku „Brot“, für die es schon im März immer wieder Anfragen gegeben hatte, eingeplant. Und für 9. Juli ist der Österreich-Start der Film-Biografie „Harriet – Der Weg in die Freiheit“ über die der Sklaverei entkommene und spätere Fluchthelferin Harriet Tubman angesagt – ein angesichts der „Black Lives Matter“-Bewegung brisantes Filmthema.