Gnadenplatz auf der Waldhofranch

Franz Jeschko und Miriam Pauli haben einer stattlichen Schar abgeschriebener Tiere ein Zuhause gegeben.

Erstellt am 19. November 2021 | 05:45
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Franz Jeschko und Miriam Pauli mit einigen ihrer adoptierten Tiere.
Foto: Christine Deutsch

Tiere, die keiner mehr wollte, sind in Gopprechts bei Litschau heiß geliebt: Franz Jeschko und Miriam Pauli helfen solchen Tieren und geben ihnen sogar eine zweite Chance im Leben und ein würdevolles Zuhause auf ihrem Waldhof. Aus einer anfänglichen Handvoll Hühner wurde eine kleine Farm mit Eseln, Pferden, Schafen, Ziegen, Hund & Katz, die hier ihren Gnadenplatz gefunden haben.

Hat ein Tier einmal das Prädikat „kaum zu handhaben“ oder „schwer vermittelbar“, so ist ein langfristiger Aufenthalt in einem Tierheim nicht selten vorprogrammiert – sofern sie nicht gleich „entsorgt“ werden. Nicht so bei Franz Jeschko und Miriam Pauli, die Tierschutz großschreiben. Angefangen hat es mit einer Handvoll Hühner, als Jeschko vor rund fünf Jahren den Hof seiner Urgroßmutter in Gopprechts übernommen hat. Damals sei schon die Entscheidung gefallen, den landwirtschaftlichen Betrieb wieder zu beleben, sagt er.

Wir nehmen Tiere aus schlechter Haltung, statt beim Züchter zu kaufen.“ Miriam Pauli, Franz Jeschko

Danach kamen mit Lebensgefährtin Miriam Pauli, die selbst in Bayern in einem Tierheim gearbeitet hat und noch immer ehrenamtlich im Tierschutz tätig ist, einige weitere Tiere dazu, die ansonsten kein schönes Lebensende vor sich gehabt hätten. Das Duo legte sich nun fest, Tieren aus schlechter Haltung eine Chance auf einen guten Platz geben zu wollen, statt Tiere vom Züchter zu nehmen, blicken Jeschko und Pauli zurück – es gebe mehr als genug davon.

Miriam Pauli kennt die Geschichten, die solche Tiere oft hinter sich haben. Der neueste Zugang, Esel „Maxl“, wurde über einen Tierschutzverein aus schlechter Haltung beschlagnahmt und durfte nach Gopprechts kommen – allerdings in schlechtem Zustand: mit faulen Zähnen, Fettkamm und Hufrehe, einer bedrohlichen Entzündung. Hier wurde er liebevoll umsorgt und wieder fit, jetzt kann er sein Leben mit zwei weiteren Eseln verbringen. „Diana“, eine American Staffordshire-Hündin, wurde ebenfalls durch den Tierschutzverein beschlagnahmt, sie galt als „schwer vermittelbar“. Heute ist das Paar mehr als glücklich mit ihr. Die Noriker „Albert“ und „Muck“ landeten als Fohlen auf einem Pferdemarkt, ohne Käufer drohte ihnen die Schlachtung. Also wurden sie durch den Tierschutzverein freigekauft und 2019 an die Waldhofranch abgegeben, wo schon die Haflingerstute „Mira“, die vor ihrer Übersiedlung ins Waldviertel als „kaum zu handhaben“ abgestempelt war, auf sie wartete.

Unterhaltskosten summieren sich

Heute freuen sich insgesamt drei Esel, sechs Kamerunschafe und Ziegen, fünf Katzen, ein Hund und drei Pferde über ihren Platz im Gnadenhof des Paares. „Die Kosten stemmen wir aus eigener Tasche aus Liebe zu den Tieren“, sagt Miriam Pauli. Die Heukosten für die Esel und Schafe decken sich aus Eigenproduktion, für die Pferde bleiben aber Kosten von gut 3.000 Euro im Jahr, dazu kommen noch Tierarztkosten.

Das Paar hofft, mit seinem Motto „adopt, don’t shop“ (adoptiere, statt zu kaufen) auch Nachahmer zu finden. Selbst muss es derzeit nämlich Anfragen zur Aufnahme weiterer Tiere leider ablehnen – um den hier lebenden Tieren hinsichtlich Pflege, Kosten und Platz auch weiterhin gerecht werden zu können.