Hammerschmiede wird wieder lebendig. Gopprechtser Hammerschmiede hat neuen Eigentümer, der will sie wieder reaktivieren – und hat auch sonst viele Pläne.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 18. Juni 2020 (05:51)

Es ist ein bisschen wie eine Reise in eine vergangene Zeit, wenn man zur Hammerschmiede in Gopprechts kommt. Schon von Weitem hört man das Tuckern und Glucksen des Wasserrades. Die Schmiede selbst, 1777 erbaut, würde auch als Produkt des Mittelalters durchgehen – sehr dunkel, viel Holz, normaler Erdboden.

Das elektrische Licht in Form von zwei Lampen – im Vintage-Style, um aus der Szenerie nicht zu sehr herauszustechen – hat schon Willi Ernszt eingebaut. „Damit man ein bissl was sieht“, schmunzelt der 39-Jährige, der die Hammerschmiede samt umliegendem Anwesen gekauft hat und ihr neues Leben einhauchen will – samt Kunsthandwerkstatt, Schmiedeworkshops und auch Angebote für spezielle Themen wie Ritter, Wikinger und LARP (kurz für Live Action Role Playing; ein Rollenspiel, bei dem die Spieler ihre Spielfigur auch physisch selbst darstellen).

Das Abenteuer gesucht

„Ich wollte wieder raus, etwas erleben, ein bisschen Selbstversorger werden“, erklärt Ernszt, der in Reichenau an der Rax geboren wurde, Kindheit und Jugend aber mit der Familie in den USA verbrachte – erst in Miami, später in Missouri. „Meine Eltern kauften alte Landwirtschaften, renovierten sie und verkauften sie wieder. Am Ende hatten wir einen Hof mit 500 Hektar Grund. Das war ein Paradies!“

Nach der Highschool ging‘s dennoch zurück nach Österreich, aber gleich wieder weg: Er ging zum Bundesheer auf einen Auslandseinsatz für die UNO-Friedenstruppen auf den Golan-Höhen. „Drei Jahre war ich dort“, erzählt Ernszt. Noch einmal ging er später für einige Zeit in die USA zurück, danach blieb er in Österreich. Und jetzt suchte er wieder das Abenteuer.

Corona als Beschleuniger

„Ich hab‘ mir auch ein altes Sägewerk in der Slowakei angeschaut. Dort hätten wir ein ganzes Tal für uns gehabt, aber da hätten die Gründe nicht uns gehört. Im Internet bin ich dann auf die Hammerschmiede hier gestoßen“, erklärt Ernszt, der noch im Dezember 2019 den Kaufvertrag unterschrieb. Danach war mit Frau und Tochter ein langsamer Umzug von Grimmenstein (Bezirk Neunkirchen) ins Waldviertel geplant. Durch den Corona-Lockdown wurde alles beschleunigt, die letzten Sachen gepackt und gleich komplett übersiedelt.

In der Ruhe des Lockdowns begannen die Renovierungsarbeiten. Diese bestanden zunächst darin, aufzuräumen. Die Hammerschmiede liegt in einer Senke beim Grießbach unterhalb des Wohnhauses und war komplett mit Sträuchern verwachsen. „In der Werkstatt war auch seit Jahrzehnten niemand mehr, dementsprechend gab und gibt es noch einiges zu tun“, schildert Ernszt. Die teils eingestürzte Esse hat er wieder aufgebaut und bereits reaktiviert („Das Schmieden lerne ich gerade.“), genauso wie das Wasserrad, das nicht nur den Schmiedehammer, sondern auch Bohrmaschinen und Luftzufuhr für den Schmiedeofen antreibt. Das Wasserrad wird vom Griesbach angetrieben, der oberhalb der Schmiede zu einem Teich aufgestaut ist, und über ein Schleusensystem reguliert.

Der fehlende Hammer

Das Herzstück der Hammerschmiede, der namensgebende große, via Lederriemen vom Wasserrad angetriebene Hammer ist über die Jahrzehnte abhandengekommen. Vor dem Haus steht zwar praktisch zur Begrüßung ein alter Schmiedehammer. „Der stammt aber nicht aus dieser Schmiede“, erzählt Ernszt, „dürfte von Leopoldsdorf zu Ausstellungszwecken hierher gekommen sein.“

Schon seiner Schulter zuliebe, die beim manuellen Hammerschwingen sehr ausgemergelt werden würde, will er wieder einen automatischen Hammer installieren. Wie? Daran tüftelt er gerade noch. „Es ist alles ein bisschen ‚Trial and Error‘. Es gibt kaum mehr Menschen, die sich erinnern können, wie hier gearbeitet wurde. Dementsprechend ist es schwer, das alles zu rekonstruieren“, sagt Ernszt.

Als Informationsfundus dient dem hemdsärmeligen Abenteurer unter anderem der Vorbesitzer der Schmiede, Engelbert Hanko, der das Gebäude in den 1980er-Jahren selbst restaurieren ließ. Hankos Vater war der letzte hier tätige Schmied. 1954 wurde der Betrieb eingestellt.

Alten Charme erhalten

Und jetzt soll er wieder hochgefahren werden. „Wenn etwas so lange stillgestanden ist, muss man abwarten, wie gut das alte Material verkraftet, dass es wieder regelmäßig beansprucht wird. Aber grundsätzlich möchte ich den alten Charme erhalten, nicht allzu viel erneuern“, schildert Ernszt. Das teils aus Bruchsteinmauern, teils in Holzbauweise errichtete Gebäude sei ziemlich gut in Schuss. „Die Holzwand beim Wasserrad werde ich wohl neu machen, den abgebröckelten Putz etwas ausbessern.“

Schmieden, Fotos & „LARPen“

Mehr ändern wird sich im Außenbereich. Der soll weiter optisch auf Vordermann gebracht werden – auch um etwa als Fotolocation attraktiv zu werden. Dazu will Ernszt einen eigenen Besuchereingang anlegen – via eigener noch zu bauender Brücke über den Bach statt wie aktuell beim Wohnhaus vorbei. Weiters soll der komplett neu angelegte Gemüse- und Kräutergarten beim Teich ein Schaugarten werden.

Was er dann dort machen möchte? Da sprudelt Willi Ernszt, der aktuell in Litschau als Hausmeister arbeitet, über vor Ideen. „Es ist eine Kunsthandwerkstatt, also werde ich selbst Dinge schmieden. Ich will aber auch Leuten die Möglichkeit geben, ihre eigenen Pläne zu verwirklichen, oder ihnen die Schmiede zeigen. Durch die Lage bietet sich an, die LARP-Community anzusprechen, Mittelalter- oder Wikinger-Thementage zu veranstalten.“

Der Start ist jedenfalls ein fließender. Schon jetzt kommen immer wieder Besucher vorbei, die neugierig sind, was denn in der alten Hammerschmiede vor sich geht. Einen echten Starttermin hat sich der neue Gopprechtser Schmied, der alle Arbeiten in Eigenregie durchführen will, nicht gesetzt.