36 Millionen Euro für Glasfaser-Koloss. 23 m hohes, 80 m breites Werk: NBG-Chef Bauer will für 36 Mio. Euro Glasfaser-Engpässe beheben.

Von Markus Lohninger. Update am 23. August 2017 (08:14)
M. Lohninger
Das Modell der Produktionsstätte von NBG Fiber - das Andre Schönauer, Alexander Bauer und Karl Bauer (v. li.) präsentieren - lässt die Dimension des Projektes erahnen: Die drei aktuellen NBG-Gebäude sind daneben nur Rand-Figuren. Im ersten Schritt sollen bis 2019 bereits 26, danach binnen zwei Jahren weitere zehn Millionen Euro investiert werden.

Vor den Toren der Bezirkshauptstadt bahnt sich ein Millionen-Projekt an, das Gmünd wirtschaftlich, aber auch optisch prägen wird: NBG- Mehrheits-Eigentümer Karl Bauer bestätigt Gerüchte über Pläne, wonach der Glasfaser-Pionier in die Produktion der Glas-Rohmasse einsteigen und aufgrund anhaltender Liefer-Engpässe in China im Access-Industrial-Park eine 80 Meter breite und 23 (!) Meter hohe Produktionsstätte aufbauen will.

In zwei Etappen sollen hier – wenn die Dinge ihren geplanten Lauf nehmen – ab September und bis zum Jahr 2021 stattliche 36 Millionen Euro in die Errichtung eines Werkes für die neue „NBG Fiber GmbH“ fließen, Baustart soll noch heuer sein. „Es wird der größte Wachstumsschritt für NBG bisher, der den Umsatz mit dem Faser-Verkauf verdreifachen wird“, kündigt Bauer an.

Und: „Durch das Werk werden direkt und indirekt bis zu hundert Arbeitsplätze für Gmünd geschaffen!“ Etwa 25 laut Bauer hochqualitative Fachkräfte werden bereits gesucht, sie sollen nach Anstellungen per Anfang 2018 mehrmonatige Ausbildungs-Programme durchlaufen.

„Direkt und indirekt“ bis zu 100 neue Jobs

Das große Grundstück hinter dem bestehenden NBG-Komplex im Access-Park bis zum Waldstück wird für dieses Vorhaben angekauft. Alleine an die 300 Tonnen Stahl sollen darauf das Gerüst der wuchtigen Fabrik bilden, die die weltweit modernste Produktionsstätte dieser Art sein wird. In Europa wird es dann kein vergleichbares Werk geben.

In den Planungen wurde, wie Bauer sagt, auch die Option auf eine spätere Verdreifachung der Kapazität berücksichtigt.

Bis die Glasfaser für simple Hausanschlüsse bis zu komplexen Sensorik-Systemen zur Überwachung bzw. Steuerung großer Areale verarbeitet werden kann, müssen erst alle Vorleistungen bis zurück zur Schaffung eines 90 kg schweren und zwei Meter langen Glas-Rohkörpers („Preform“) als Basis für die daraus „gezogene“, feinste Faser erfüllt werden. Und genau dort spießt es sich: Seit Jahren anhaltende Liefer-Probleme des Glases beim eindeutigen Weltmarktführer China – gewollt oder ungewollt – setzen den Weltmarkt mittlerweile gehörig unter Druck.

„Würde das Meer aus dem Glas der ‚Preformen‘ bestehen, so könnte man von der Meeresoberfläche an den Grund des Marianengrabens blicken.“ Andre Schönauer, künftiger Geschäftsführer NBG Fiber

Diese Engpässe werden durch eine in vielen Ländern in die Höhe schießende Nachfrage nach Breitband-Glasfaser verschärft – Bauer: „Es ist definitiv das Übertragungs-Medium der Zukunft, der Markt wächst derzeit um zehn Prozent pro Jahr. Wir sind erst am Anfang!“ Seit zwei Jahren habe es daher aus der Branche Anfragen bezüglich des Aufbaus einer eigenen Rohstoff-Produktion gegeben – am Projekt sind nun neben der Privatperson Karl Bauer (Mehrheits-Eigentümer) mehrere auf Glas-Preformen angewiesene Betriebe beteiligt, mit Kunden existieren bereits Vorverträge.

Die Nachfrage für „Fiberglas made in Gmünd“ schätzt Bauer aus den genannten Gründen als sehr hoch ein. Die Kosten sollen sich daher bei erwartetem Geschäftsgang binnen weniger als fünf Jahren amortisiert haben.

In der Produktionshalle – mit 19 m hohen Maschinen, die die steirische Knill-Gruppe bei einer Tochter in Finnland erzeugen lässt – soll es bereits Ende 2018, wenn die 26 Mio. Euro schwere erste Baustufe erreicht ist, im 4-Schicht-Betrieb losgehen.

In hochtechnischen, hochintelligenten und kostspieligen Prozessen werden dann erste Glaskörper erzeugt. Pro Jahr sollen schließlich 2,7 Millionen Kilometer Preformen in einem chemischen Prozess – bei dem großteils aus Gasen ein Pulverkörper geformt wird, der im Ofen zu Glas schmilzt – entstehen. Aus einer solchen Preform können dann in eigenen Werken etwa 3.700 km Kabel „gezogen“ und von Firmen wie der NBG-Holding veredelt werden.

NBG Fiber will die eigenen Glas-Preformen künftig einerseits in externen „Faserziehwerken“ als Lieferant auch für die NBG-Holding verarbeiten lassen, das Rohglas aber am freien Markt anbieten. „Die Top-Qualität, für die wir bekannt sind, wollen wir auch für Preformen realisieren“, sagt Karl Bauer.

Das wird keine lockere Übung. Lichtwellenleiter müssen höchste Ansprüche erfüllen: „Reinheit ist das oberste Gebot“, sagt Andre Schönauer, künftiger Geschäftsführer der NBG Fiber GmbH: „Würde das Meer aus dem Glas der Preformen bestehen, so könnte man aufgrund der hohen Lichtdurchlässigkeit von der Meeresoberfläche bis an den Grund des Marianengrabens blicken.“ Diese tiefste Stelle des Weltmeeres liegt 11.000 Meter unter der Oberfläche.