Alexander Thaler: Karriere in Top-Restaurant. Alexander Thaler erhielt eine Chance in Europas bestem Restaurant: „Wusste, dass ich hier hin will.“

Von Karin Pollak. Erstellt am 27. Januar 2019 (04:33)
Alexander Thaler (rechs) aus Großotten kocht derzeit mit dem bekannten Gastronomen Andreas Caminada im schweizerischen Schloss Schauenstein, das zum besten Restaurant 2018 gekürt worden ist.
privat

Im Restaurant zum Schloss Schauenstein in Fürstenau im Schweizer Kanton Graubünden geben sich weltbekannte Schauspieler, Sportler und Politiker die Klinke in die Hand. Kein Wunder – es wurde zuletzt etwa im Restaurant-Bewertungs-Portal „Opinionated About Dining“ zum besten Restaurant Europas 2018 gekürt. Mittendrin im Geschehen ist Alexander Thaler, Sohn des Wirte-Ehepaares Paula und Max in Großotten.

„Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind, bei der telefonischen Zusage ist mir sogar das Handy runtergefallen und war kaputt“, blickt der 24-jährige Großschönauer auf seinen großen Glücksmoment im vorigen Jahr zurück.

"Ich habe mir schon immer Bilder von diesem Restaurant"

Thaler ist ein Botschafter für die Lehrausbildung im Waldviertel. Er lernte einst im Moorheilbad Harbach und im Brauhotel Weitra Koch und Kellner. Vor fünf Jahren beendete er die Lehre, arbeitete ein halbes Jahr bei seiner Cousine im Weingut Nigl in Senftenberg als Koch. Von dort ging es zum Präsenzdienst beim Bundesheer, dann zu Lisl Wagner-Bacher nach Mautern – ein österreichisches Top-Restaurant. Hier stand Thaler mit Wagner-Bachers Schwiegersohn Thomas Dorfer, Koch des Jahres 2009, in der Küche.

Und über ihn schließt sich der Kreis in die Schweiz: Dorfer arbeitete bereits vor Jahren mit dem Schweizer Ausnahmekoch Andreas Caminada zusammen. Als Dorfer den Großschönauer zum zweitägigen Probearbeiten zu seinem ehemaligen „Weggefährten“ in die Schweiz schickte, ging für Thaler ein Traum in Erfüllung. „Ich habe mir schon immer Bilder von diesem Restaurant im Internet angesehen und wusste, dass ich hier hin will“, so der 24-Jährige.

Beim Probearbeiten im Schloss Schauenstein wurde der Waldviertler auf Herz und Nieren geprüft. „Da wird genau geschaut, was du kannst und was du machst. Viele wollen hier arbeiten. Ich dürfte das recht gut gemacht haben, denn die Fixanstellung habe ich bekommen“, erzählt der Koch erfreut.

„Hier gibt es Einfachheit in Perfektion“

Das Restaurant verfügt über 32 Sitzplätze, es arbeiten hier zwölf Köche. Wer hier speisen will, braucht Geduld. Eine drei- bis viermonatige Voranmeldung ist für einen freien Platz einzukalkulieren, und dazu muss auch die Brieftasche stimmen. Für ein Essen für Zwei mit Getränken muss man mit rund 800 Schweizer Franken (über 700 Euro) rechnen. Im Menüpreis inkludiert ist auch eine Spende von zwei Franken für die „Fundaziun Uccelin“-Stiftung des Hausherrn. „Damit fördert Andreas Caminada junge talentierte Gastronomen“, so Thaler.

Dem Chef sei es wichtig, in der Küche nur einfache Gerichte, die saisonal und regional sind, zu kredenzen. Thaler: „Hier gibt es Einfachheit in Perfektion.“ Er ist als Chef de Partie für die Beilagen zuständig: „Wir verwenden zum Beispiel nur rohes Gemüse, das wird bei der Bestellung extra blanchiert, um den besten Geschmack und die beste Farbe zu gewährleisten.“

Im Schloss Schauenstein wird überhaupt alles, was geht, selbst gemacht. Das reicht vom Brotbacken über das Kaffeerösten bis hin zur Safterzeugung. Die Gewürze und Kräuter kommen aus dem eigenen Kräutergarten. Das Fleisch stammt von Bauern aus der Region. Für jedes Gericht gibt es Rezepte, auch damit soll die Qualität der Speise konstant bleiben. „Es geht um Genauigkeit und Perfektion“, unterstreicht Thaler die Ansprüche in Europas bestem Restaurant, in dem immer nur ein Menü für alle Gäste angeboten wird. Dieses Menü hat je nach Wunsch vier, fünf oder sechs Gänge. Es stehen auch zwei „Surprise-Gänge“ sowie eine kleine A-la-Carte-Karte bereit. Mit Fingerfood und Amuse-Gueule werden die Gäste auch verwöhnt.

Wie lange Thalers Traum anhält, das steht in den Sternen. „Diese Erfahrung werde ich aber nie missen“, sagt Thaler, der eines fernen Tages den Gasthof seiner Eltern übernehmen will. Bis dahin würde ihn unter anderem noch ein „kurzer Abstecher ins englischsprachige Ausland jucken“. Mit dem bisherigen Lebenslauf in der Tasche dürften ihm jedenfalls auch dort die Türen offen stehen.