Erstellt am 11. März 2015, 06:20

von Markus Lohninger

Das schönste Buch ist weiß. Staatspreis für das "Schönste Buch Österreichs" ging an "Line projects/Linienprojekte". Es ist eines von bald 1.700 in Großwolfgers verlegten Werken.

Richard Pils verlegt alles zwischen Kinder- & Erwachsenen-Literatur, Koch-, Kunst-, Musikbüchern und Regionalia. Den Staatspreis für ein Buch mit weißem Cover sieht er als "Würdigung für den Verlag".  |  NOEN, Markus Lohninger

Der 175-Seelen-Ort Großwolfgers in der Gemeinde Weitra hat nicht nur den womöglich kuriosesten Kreisverkehr, sondern neuerdings auch ein definitiv „Schönstes Buch“ Österreichs. Aus dem renovierten Hof unmittelbar hinter dem Kreisverkehr entstammt nämlich jenes Werk, das als eines von drei Büchern den gleichnamigen, mit 3.000 Euro dotierten Staatspreis gewann.

"Projekt und Buch bilden geglückte Einheit"

„Line projects/Linienprojekte“ nennt sich das im Verlag Bibliothek der Provinz in Großwolfgers 29 erschienene Künstlerbuch des Steirers Markus Jeschaunig. Der Name ist bereits der Titelseite Programm – sie beschränkt sich auf ein weißes Blatt Papier, das in der Mitte durch einen Schnitt getrennt wird. Schnitte und Linien prägen als Gestaltungsmittel auch die folgenden Seiten, sodass sich etwa in obere und untere Seitenhälften getrennte Bilder mittels Umblättern in den Vergleich zu anderen Bilderhälften stellen lassen. „Projekt und Buch, beide von der Linie herkommend und zur Linie hinführend“, schrieb die Jury, bilden „eine durchwegs geglückte Einheit.“

Richard Pils, der den Verlag Bibliothek der Provinz im Jahr 1989 gegründet und ihn danach in die oberste Liga der österreichischen Verlage geführt hatte, freut sich über den Preis „unheimlich. Es ist eine Würdigung für den Verlag, der unter schweren Bedingungen arbeitet.“

Fernab größerer Ballungsräume stellen ihn und seine zwölf Mitarbeiter nicht nur der lahme Datentransfer vor Herausforderungen: „Was woanders drei Minuten dauert, das nimmt bei uns Stunden in Anspruch“, sagt Pils, der regelmäßig Datenpakete mit 30, 40 Gigabites durch den Äther schicken muss. Die Provinz, nach der er seinen Verlag benannte, erschwere auch die Vernetzung mit Künstlern und genauso die Suche nach qualifiziertem Personal.

"Herzensanliegen, unabhängig verlegen zu können"

Als Chef ist Richard Pils dennoch ein Serientäter, zumal aus seiner Sicht „im Grunde genommen die ganze Welt eine Provinz ist“. Bringt ein Verlag in Österreich im Schnitt jeden Monat vielleicht ein Buch heraus, so verlegte Pils alleine im Vorjahr stattliche 88 Titel (ohne Zweitauflagen). Vor dem Staatspreis gab es den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien (László Varvasovszky: „Und als ich grub, fand ich die Zeit“), ein Werk ist nominiert für den Deutschen Fotobuchpreis (Elfriede Mejchar: „Fotografie“).

Erfolgsbilanzen interessieren den aus Oberösterreich „Zua-groasten“ trotzdem eher wenig. „Keine Ahnung“ hat er etwa, wenn er gefragt wird, wie viele Werke aus Großwolfgers pro Jahr über den Ladentisch wandern. Pils: „Es sind die Projekte, die uns faszinieren und die wir verwirklichen, wenn das notwendige Geld dafür da ist. Und es ist mir ein Herzensanliegen, unabhängig von Förderungen verlegen zu können.“ Faszinieren kann er sich für fast alles. Unter den im 26. Jahr des Bestehens bald 1.700 (!) im Verlag Bibliothek der Provinz erschienenen Buchtiteln haben Literatur für Kinder und Erwachsene, Kunst-, Musik-, Foto- oder Kochbücher genauso Platz wie wissenschaftliche Beiträge oder Regionales.

Gerade Regionales hält Pils für essenziell. „Über Hitler und andere Wahnsinnige gibt es ohnehin schon hunderttausende Bücher, wir müssen aber auch regionale Verantwortung wahrnehmen“, sagt er.

Blick vor die Haustür – bis in die Küche hinein

Daher finanzierte er etwa im Vorjahr die Chronik „Am Anfang war das Lager“ über die Gmünder Neustadt oder zuvor ein Werk über Nonndorf bei Gars. „Das war eine Reise in die Ortschaft und bis in die Küchen hinein“, schmunzelt Pils: „Es war ein Projekt für die Nachhaltigkeit, mit dem Enkerl in 20, 30 Jahren einen Blick in die heutige Gegenwart ihrer Großeltern werfen können.“

Aktuelle Publikationen im Bereich Regionalia sind etwa „... und tausend Rosen“ von der Litschauerin Katja Mayr über ihre in die USA emigrierte Großtante Rosa und deren nie abgerissene Nähe zur Heimat oder die soeben erschienene Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges aus Sicht des Kremser Historikers Robert Streibel („Krems 1938–1945. Eine Geschichte von Anpassung, Verrat und Widerstand“).