Verstrahlte Spielplätze: Mit Opfer in Tschernobyl. Neun Jahre lang organisierte Alfred Lewol Urlaube für Kinder aus der Ostukraine. Jetzt besuchte er Sascha Hulei, der nach Katastrophe an einem Leberschaden leidet.

Von Karin Pollak. Erstellt am 11. August 2019 (04:20)
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Alfred Lewol aus Harbach besuchte mit seinem „Ziehsohn“ Sascha Hulei das Atomkraftwerk Tschernobyl.

Alfred Lewol, der von 2002 bis 2011 Erholungsurlaube für insgesamt 60 Kinder aus der Ostukraine in Wien und Moorbad Harbach organisiert hatte, besuchte nun den Ort, von dem das Unglück dieser Kinder ausgegangen ist: das Atomkraftwerk Tschernobyl.

Diese Tour organisierte Sascha Hulei, vor fast 20 Jahren einer der erkrankten Ostukrainer, den Lewol nach Österreich zur Erholung geholt hatte. Die Freundschaft hat sich in all den Jahren vertieft, jetzt lud Hulei, der an einem Leberschaden leidet, seinen „Ziehvater“ nach Kiew ein. „Es war erschreckend und beeindruckend zugleich. Ich bin froh, dass ich in Österreich lebe, wo das Atomkraftwerk nie in Betrieb gegangen ist“, so Lewol nach seiner Rückkehr: „Ich wollte sehen, woher die Kinder ihre Invalidität haben. Es waren ja alle Kinder, die sich bei uns erholt haben, krank mit dem ‚Tschernobyl-Aids‘. Diese Krankheit ist staatlich anerkannt.“

Schon die Fahrt nach Tschernobyl sei emotional gewesen: „Da hat man sofort gesehen, dass hier etwas Schlimmes passiert sein muss. Da gibt es Bäume, deren Stämme auf einer Länge von einem Meter knapp über der Erde liegen und dann erst in die Höhe wachsen.“ Auch die noch extrem verstrahlten Kinderspielplätze, die nie in Betrieb gingen, machten ihm Angst. „Derzeit leben im Sperrgebiet, für das die Eintrittskarte rund 100 Euro kostet, 120 alte Leute. Diese sind illegal in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Sie haben sogar ein kleines Geschäft“, ist Lewol fassungslos.

Lewol: „Die Natur holt sich dort alles zurück“

Gemeinsam mit Hulei und seinem steirischen Freund Erich Müller-Guttenbrunner, der Lewol begleitet hat, stand der Harbacher direkt vor dem Sarkophag. Das Atomkraftwerk wurde ja in Beton gehüllt. Trotzdem mussten die Touristen laufend ihre Strahlung messen. „Zwischen 0,95 und 42,40 Milli-Sievert betrug meine Verstrahlung.“ 2.500 Personen sind nach wie vor mit dem Abbau im riesigen Areal beschäftigt. Rund um den Meiler prägen verfallene Häuser und Straßen, aus denen Bäume wachsen, das Bild. „Die Natur holt sich alles zurück“, erzählt Lewol. Sein Resümee zu dem Ausflug: „Wir leben in einem schönen, ruhigen Land, in dem wir uns vor nichts fürchten brauchen.“