Der Frisör der Fußball-Legenden

Herbert Weber aus Heidenreichstein war Fußball- und Tischtennis-Crack. Auch in seinem Beruf als Frisör war Sport nicht unwichtig.

Franz Dangl Erstellt am 07. Oktober 2021 | 04:25

Viele Menschen im Waldviertel kennen Herbert Weber als ehemaligen Fußballer und Tischtennis-Crack. Beruflich machte der Heidenreichsteiner in Wien auf sich aufmerksam: Vor fast 40 Jahren machte er sich dort als Frisör selbstständig. Dabei hatte er Unterstützung von einem Mentor aus Litschau. Mit der NÖN sprach er darüber, was ihm aus seiner Fußballer-Zeit in Erinnerung geblieben ist, und welche Promis er frisiert hat.

Der Beginn einer unglaublichen Fußballer-Karriere

Als Jüngstes von sieben Geschwistern wuchs der Arbeitersohn in der Burgstadt auf. Schon in jungen Jahren gehörte seine Leidenschaft dem runden Leder: Zahlreiche „heiße Schlachten“ – vor allem mit älteren Spielkammeraden – im Eisertpark prägten den Jungspund und bald schon zeigte er allen, was in ihm steckt.

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Seine älteren Brüder, die beim ATSV Patria Heidenreichstein aktiv waren, nahmen ihn zum Verein mit, wo er eine unglaubliche Karriere startete: Als Kapitän führte er die Juniorenmannschaft zum Meistertitel und die Waldviertler Jugendauswahl zum Sieg im „Rauschercup“. Sein Debüt als 16-Jähriger in der Kampfmannschaft krönte er als Siegtorschütze beim Derby gegen den ASV Schrems und war von dort an fixer Bestandteil in der Heidenreichsteiner Truppe, wo er als universell einsetzbarer Kicker unverzichtbar wurde.

Gleichzeitig war er auch von „kleineren Bällen“ fasziniert

Schon als Schüler gewann er das Heidenreichsteiner Tischtennisturnier, fegte dabei alle Oldies und Routiniers von der Platte. „Diesen Sport betreibe ich heute noch gerne“, sagt der Ballkünstler, der hier auf einen besonderen Höhepunkt verweisen kann. „Ich durfte vor einiger Zeit einen Satz gegen die Weltklassespielerin Liu Jia, genannt Susi, spielen. Sie zeigte sich dabei äußerst gnädig und ließ mich mitspielen, sodass ich nur 8:21 verlor“, erzählt Herbert Weber über das Highlight seiner Tischtennislaufbahn.

Der „Promifrisör“ aus dem Waldviertel

Nicht nur sportlich, sondern auch beruflich, schaffte es der Heidenreichsteiner, Erfolg zu haben: Nach seiner Ausbildung im Frisiersalon Walter Adensam, wo er von 1968 bis 1975 arbeitete, übersiedelte der eingefleischte Waldviertler nach Wien, um dort seinen Beruf auszuüben. In einem Frisiersalon in der Landstraße wurde er bald zum „Promifrisör“, der vor allem Stammkunden aus der Fußballszene unter der Schere hatte.

„Neben ÖFB-Trainer Schurl Schmidt kamen auch Ernst Dokupil, Rudi Flögel, Franz Hasil oder Fredl Gassner – um nur einige zu nennen – regelmäßig vorbei. Das Gesprächsthema war natürlich der Fußball“, schmunzelt Weber.

Dankesworte für Mentor Helmut Böhm

Im Jahr 1983 erfüllte er sich schließlich seinen lange gehegten Traum mit einem eigenen Frisiersalon in der Ungargasse der Bundeshauptstadt.

„In zahlreichen Abendkursen absolvierte ich die Meisterprüfung, um dieses Geschäft zu führen. Rückblickend möchte ich mich an dieser Stelle bei Friseurmeister Helmut Böhm aus Litschau bedanken, der mich bei diesem Vorhaben unterstützte und mir auch als Mentor zur Seite stand.“ Obwohl es Weber heute etwas ruhiger angeht und seinen Salon nur mehr drei Tage in der Woche offen hat, gehört seine Leidenschaft noch immer seinem Beruf. „Vielleicht mache ich dann im nächsten Jahr zu meinem 70er Schluss“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Nach wie vor verbringt Herbert Weber seine Wochenenden gerne mit seiner Partnerin im Waldviertel – vor allem in Litschau, wo er eine kleine Wohnung hat: „Hier kann man gemütlich spazierengehen, Radfahren und die Natur genießen.“ Ab und zu zieht es ihn noch auf einen Fußballplatz.